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Die Reise des Kaisers nach Wien abgesagt

Die österreichisch-ungarische Botschaft hat heute Mittag ein kurzes Telegramm vom Oberhofmarschall Freiherrn v. Reischach erhalten, in dem mitgeteilt wird, dass der Kaiser nicht an der Trauerfeier in Wien teilnehmen wird. Als Grund wird eine leichte Indisposition des Kaisers angegeben, und von privater Seite wird erklärt, dass der Kaiser an einem Hexenschuss leide. Wer mit der Vertretung des Kaisers bei der Trauerfeier betraut wird, ist noch nicht bekannt. An dem morgigen Requiem, das um 11 Uhr in der St.-Hedwigs-Kirche stattfindet, wird die Kaiserin teilnehmen. Die Vertretung des Kaisers ist noch nicht bestimmt. … weiterlesen

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Das Testament des verstorbenen Thronfolger

Wien, 2. Juli.
Erzherzog Franz Ferdinand hat zwei Testamente hinterlassen, die am 3. Juni 1903 errichtet wurden und durch drei Kodizille ergänzt sind. Das letzte dieser bekannten Kodizille stammt aus dem Jahr 1909. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass sich bei der Sichtung des Nachlasses in den Arbeitszimmern der Schlösser Konopischt, Chlumetz und Blühnbach noch weitere Verfügungen vorfinden werden. … weiterlesen

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In die Ferien!

Heute früh fuhren die ersten Schützlinge der Berliner Ferienkolonie vom Stettiner Bahnhof aus der Freiheit und der Erholung entgegen. 845 Knaben und 360 Mädchen rückten in militärischer Ordnung an. Die einzelnen Züge waren kenntlich gemacht durch ein weißes Banner mit dem Berliner Bärenwappen und dem Ortsnamen der Kolonie. Treusorgende Damen, sachkundige Kolonieführer zählten und ordneten ihre Züge. Da kamen die kleinen Steppkes, begleitet von den Angehörigen, zu Hunderten und Hunderten an. Muttern ließ es sich nicht nehmen, das bescheidene Gepäck des Kleinen zu tragen und bis zur Abfahrt wohlwollende Ratschläge zu erteilen. … weiterlesen

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Die Fahrt des toten Erzherzogspaares nach Wien

Die Überführung der Leichen des Erzherzog-Thronfolgers Franz Ferdinand und seiner Gemahlin vom Schlachtschiff „Viribus Unitis“ an Land und weiter zum Südbahnhof gestaltete sich, wie aus Triest telegrafiert wird, unter Teilnahme aller Schichten der Bevölkerung zu einer imposanten Trauerkundgebung für die unglücklichen Opfer des verabscheuungswürdigen Attentats. Schon in den frühen Morgenstunden besetzte ein vieltausendköpfiges Publikum das Ufer sowie sämtliche Fahrzeuge im Hafen. … weiterlesen

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Französische Verteidiger Serbiens

Paris, 1. Juli.

In den wieder verschärft auftretenden Gegensätzen zwischen Österreich und Serbien nimmt die hiesige öffentliche Meinung auf das entschiedenste Partei für Serbien. Man hat selbstverständlich die Mordtat des vorigen Sonntags in Frankreich ebenso wie im übrigen kultivierten Europa verurteilt, aber man widersetzt sich der Auffassung, dass Serbien für diese Tat verantwortlich zu machen sei. … weiterlesen

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Ein Augenzeuge über das Attentat von Sarajewo

Wien, 2. Juli.

Der Wiener Jurist Heinrich Gottlieb, der Augenzeuge des Attentats von Sarajewo war, gibt heute von den Vorgängen folgende genaue Schilderung: Gegen ¼ 11 Uhr fuhren der Erzherzog und seine Gemahlin zum Rathaus. Voraus zwei Wagen, in denen Landesfunktionäre saßen. Kaum sah ich den Wagen des Erzherzogs, da ertönte eine furchtbare Detonation. Ich glaubte, dass es gleichzeitige Salutschüsse mehrerer Kanonen seien, und alle Umstehenden waren der gleichen Meinung. Da auf einmal bemerkten wir, dass das Auto still stand, und dass ringsherum offenbar starke Verwirrung Platz gerissen hatte. … weiterlesen

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Neue serbenfeindliche Kundgebungen in Wien

Wien, 1. Juli.

Heute Abend zog eine Gruppe von 300 Studenten, denen sich etwa 300 junge Leute, darunter Gehilfen aus den Vorstädten anschlossen, gegen die Paulanergasse und machten den Versuch, vor der serbischen Gesandtschaft zu demonstrieren. Die Straße war jedoch durch ein großes Polizeiaufgebot besetzt, und die Demonstranten mussten sich begnügen, von der Ferne aus zu demonstrieren. … weiterlesen

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Folgen des Sarajewoer Attentats

Aus Wien wird uns vom Dienstag, den 30. Juni, geschrieben:

Will man über die Folgen, die die Bluttat von Sarajewo nach sich ziehen wird, Klarheit gewinnen, so braucht man sich nur die folgende Tatsache zu vergegenwärtigen: der regierende Kaiser ist 84 Jahre alt und der Anwärter auf den Thron steht im 27. Lebensjahr. Nun ist das habsburgische „Reich“ ein ungemein verwickelter Staat … weiterlesen

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Die geplante Note an Serbien

Zu der Meldung der „Neuen Freien Presse“, dass im Laufe der weiteren Untersuchung die österreichisch-ungarische Regierung die serbische Regierung in einer Note ersuchen werde, in ihrem Wirkungskreis zur Aufdeckung des Hintergrundes des Attentates mitzuhelfen, sagt die „Wiener Allgemeine Zeitung“, deren Beziehung zum Ballplatz bekannt sind, dass in dieser Richtung noch kein Beschluss gefasst worden, daher auch noch kein Schritt in Belgrad erfolgt sei, und dass die Mitteilung den Tatsachen vorauseile. In dem ebenfalls offiziösen „R. W. Tageblatt“ wird daher erklärt, dass an den zuständigen Quellen von einer Absicht der erwähnten Art „nichts bekannt“ sei.

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Standrecht in ganz Bosnien und Herzegowina

Budapest, 1. Juli.

Infolge der großen Ausschreitungen, die sich trotz des polizeilichen und militärischen Einschreitens in allen Städten Bosniens und der Herzegowina wiederholten, wurde heute das Standrecht über ganz Bosnien und die Herzegowina verhängt. Keine einzige Stadt Bosniens mit Ausnahme von Banja Luka, wo alle Nationalitäten und Konfessionen sich an einer großen Trauerkundgebung beteiligten, blieb von Demonstrationen und Ausschreitungen gegen die Serben verschont. … weiterlesen