Wissenschaft und Technik > Erfindungen >

„Schmerzlose“ Zahnoperationen

Der Zahnarzt Hermann Falkenstein in Charlottenburg hatte seit 1911 absolut schmerzlose Zahnoperationen angeboten. Auf den vom zahnärztlichen Standesverein gestellten Strafantrag hin verurteilte ihn am 12. Januar das Landgericht I in Berlin auf Grund des §4 des Wettbewerbsgesetzes zu einer Geldstrafe von 500 Mark und erkannte dem genannten Verein die Berechtigung zu, das Urteil auf Kosten des Angeklagten zu veröffentlichen. Der Angeklagte hat einen Apparat „Sanadent“ erfunden, mit dessen Hilfe es möglich sein soll, alle Zahnoperationen schmerzlos auszuführen. Er hat ein Patent darauf nachgesucht, aber nicht erhalten. Die Revision des Angeklagten hatte keinen Erfolg. Das Reichsgericht verwarf sie als unbegründet.

Kultur & Gesellschaft >

Alleinreisende Kinder

Mit dem Ferienbeginn ziehen Tausende von Kindern aus der dunstigen Großstadt aufs Land zu ihren Verwandten. Nicht immer sind diese Kinder während der Eisenbahnfahrt der Obhut ihrer nächsten Angehörigen anvertraut. Letztere können sich aus Berufsinteressen oder aus Geldmangel eine Sommerreise nicht leisten, wollen aber wenigstens ihren Kindern die Erholung gönnen. So entsteht denn die große Frage: Wollen wir es wagen, unsere Lieblinge ohne Begleitung reisen zu lassen? Und nach langen Beratungen, bei denen die besorgte Mutter hundert Bedenken erhebt, wird der „erste Schritt ins selbstständige Leben“ riskiert. … weiterlesen

Kultur & Gesellschaft >

An die Erzieher

Wer eine Klage über sein Kind ausspricht, hat eine Anklage gegen sich ausgesprochen. Normale, unverdorbene Kinder sind reicher und besser wie die Erwachsenen. Ihnen sprudelt noch die göttliche Quelle der Heiterkeit, die uns versandet und unergiebig geworden ist. Hundert entwicklungsfähige Anlagen zeigen sich an ihnen, die an uns nutzlos verstümmelt sind. Tausend Wege stehen ihnen offen, wo wir uns in graue öde Sackgassen verlaufen haben. Sie sind bildsam wie Wachs in Händen dessen, der aus Wachs Schönes zu bilden weiß, während wir knöchern und unbildsam geworden sind. Darum, wenn wir uns anmaßen, diese, die reicher und besser sind als wir, erziehen und bilden zu wollen, muss unsere erste Sorge sein, nichts an ihnen zu verderben. … weiterlesen

Wissenschaft und Technik >

Die Hitze in Berlin

Die von uns im heutigen Morgenblatt angekündigte Temperatursteigerung ist mittlerweile eingetreten. Um 2 Grad gegen gestern ist die Hitze gestiegen, so dass wir heute gegen Mittag 30 Grad im Schatten als Höchsttemperatur zu verzeichnen hatten. Die jetzt noch in Berlin Weilenden helfen sich so gut sie können. Am Tage müssen leichteste Kleidung und kühle Getränke den Kampf gegen die Hitze unterstützen. In der Nacht lindern Mondbäder die unerträgliche Schwüle des Zimmers. … weiterlesen

Politik > International >

Die nächtlichen Demonstrationen gegen Serbien in Wien

Wien, 3. Juli

Die antiserbischen Demonstrationen in Wien, über die bereits berichtet wurde, dauerten bis in die ersten Morgenstunden. Gegen ¾ 11 Uhr zog wieder eine große Menge von der Ringstraße aus gegen die Wiedner Hauptstraße zu. Es waren Neugierige von dem Leichenzuge und Demonstranten. Die Zahl betrug mehrere Tausend. Während die Neugierigen entweder die Wiedner Hauptstraße entlang weiter marschierten oder aber längs dieser Straße die Trottoirs besetzten, zogen die Demonstranten an der Paulaner-Kirche vorbei und wollten mit Gewalt den Wachekordon durchbrechen, um zur serbischen Gesandtschaft zu gelangen. Es kam zu einem schweren Zusammenstoß. … weiterlesen

Kultur & Gesellschaft > Die Frau >

Das Existenzminimum der Frau

In England wurde Anfang Juni ein Gesetzentwurf veröffentlicht, der die Vermessung von Löhnen nach dem Existenzminimum und die Registrierung der Unternehmer vorsieht, die weniger als die festgesetzten Löhne zahlen. Aus der Notiz geht nicht hervor, wer den Entwurf eingebracht hat, ob er von der Regierung oder einzelnen Abgeordneten ausgeht. Die Stundenlöhne sollen so bemessen werden, dass sie bei einer Arbeitswoche von nicht über 54 Stunden ohne andere Einnahmequelle ausreichen. … weiterlesen

Politik > International >

Kaiser Franz Josefs Fürsorge für die Kinder der Ermordeten

Wien, 2. Juli
Der Kaiser hat den Kindern des verstorbenen Thronfolgers eine jährliche Apanage gewährt. Diese soll so hoch angesetzt werden, dass die Kinder jene fürstliche Lebenshaltung führen können, die ihnen gewährt worden wäre. In der langen Audienz, die der neue Thronfolger Erzherzog Karl Franz Josef gestern Vormittag beim Kaiser hatte, und der auch eine Audienz seiner Gemahlin, der Erzherzogin Zita folgte, wurden die Verhältnisse der verwaisten Kinder des Erzherzogs Franz Ferdinand eingehend besprochen, und auch Erzherzog Karl Franz Josef hat sich entschlossen, dereinst den Kindern die vom Kaiser ausgesetzte Apanage weiter zu gewähren. Die Kinder des ermordeten Thronfolgers werden an der Trauerfeier in Wien nicht teilnehmen. Sie treffen erst Sonnabend früh aus Thlumetz in Wien ein. Ob sie sich dann nach Artstetten zur Beisetzung der Leichen ihrer Eltern begeben werden, steht noch nicht fest: es gilt aber als wahrscheinlich. – Der bisherige Chef der Militärkanzlei des Erzherzogs Franz Ferdinand, Oberst Dr. Bardolff, wird dem neuen Thronfolger zugeteilt werden.

Politik > International >

Die Schüsse von Sarajewo

Die Schüsse von Sarajewo haben einen ganzen Schwarm von f.f. Polizisten und Spitzeln nach der Hauptstadt Bosniens gelockt, und eifrig wird geschnüffelt, verhört und verhaftet, um die großserbische Verschwörung nachzuweisen, als deren Opfer angeblich der Erzherzog samt seiner Gattin gefallen ist. Dann gibt’s einen Prozess, die Attentäter werden gehängt und das Land bekommt die eiserne Hand der Wiener Machthaber zu kosten. Sogar die auswärtige Politik der Monarchie soll einen Ruck nach der Richtung der Serbenfeindschaft hin bekommen, und die schwarzgelben Schmocks, denen die Brosamen von den Tischen der Herren Stürgkh und Berchtold zugeworfen werden, denunzieren schon jetzt die Belgrader Regierung, die „solche Mittel“ anwende, der „sittlichen Entrüstung“ des „zivilisierten Europa“. … weiterlesen

Lifestyle >

Deutsche und italienische Küche

Unser römischer Mitarbeiter schreibt uns:

Das, was die Nationen oft noch mehr trennt als Sprache und kirchliches Bekenntnis ist die Küche. Im Laufe der Jahre und Jahrzehnte habe ich hier unzählige Deutsche aller Deutsch sprechenden Vaterländer kennen gelernt, die über Raffael und Michelangelo, über die Schönheit der Landschaft und über die Liebenswürdigkeit der italienischen Bevölkerung, ja selbst über die Notwendigkeit des Schmutzes als integrierenden Teils malerischer Straßenbilder, über die ewige Bläue des römischen Himmels und die ewige Nacht der Mädchenaugen im heißen Südland so ziemlich einer Meinung waren, aber sofort in die lebhaftesten Kontroverse geraten, wenn man über das Verhältnis der deutschen zur italienischen Küche zu sprechen begann. … weiterlesen

Politik > Berlin >

Die Trauerfeier in der Berliner Hedwigskirche

Das feierliche Requiem für den ermordeten Erzherzog Franz Ferdinand und dessen Gattin, die Herzogin von Hohenberg, fand heute Vormittag in der Hedwig-Kirche statt. Der Kaiser ließ sich hierbei durch den Prinzen Eitel Friedrich vertreten, der die Uniform des österreichischen 34. Infanterieregiments trug. Die Kaiserin hatte mit ihrer Vertretung die Prinzessin Leopold beauftragt. Unausgesetzt rollten kaiserliche Equipagen und Automobile vor der Kirche vor, denen Herren in goldstrotzenden Uniformen entstiegen. Man sah die Prinzen Oskar und Leopold, die Prinzen von Schaumburg-Lippe und von Thurn und Taris, den Reichskanzler v. Bethmann Hollweg, den bisherigen Oberhofmeister der Kaiserin Freiherrn v. Mirbach und seinen Nachfolger v. Faltenhahn. … weiterlesen