Kultur & Gesellschaft >

Mord und Selbstmord aus Nahrungssorgen

Die 26 Jahre alte Verkäuferin Frieda Jark aus Klein-Kühnau sprang gestern Abend, wie uns ein Privat-Telegramm aus Dessau berichtet, mit ihren beiden zwei und fünf Jahre alten Kindern wegen Nahrungssorgen in den Groß-Kühnauer See. Ein Arbeiter sprang ihr nach und zog sie wieder an Land. Mutter und Tochter waren bereits tot, während das zweite Kind, ein Knabe, wieder ins Leben zurückgerufen werden konnte.

Politik > Berlin >

Der Aufstieg zur Legende

In dem Telegramm, das er den Kindern des ermordeten Erzherzogs sandte, hat Wilhelm II. sehr schön und herzenswarm gesagt, die Liebe der Eltern lebe über das Grab hinaus. Aber wie den Kindern diese Liebe zurückblieb, wie sie schmerzlich erschütternd und sanft umleuchtend über ihrem Denken und Fühlen liegen muss, so werden durch dieses Licht auch die tragischen Figuren Franz Ferdinands und seiner Gattin über das Grab hinaus umhellt. „Lebe für unsere Kinder!“ hat der unglückliche Mann in der Umklammerung des Todes flehend gestöhnt, als er die Frau an seiner Seite schlaff, verendend, zusammensinken sah. Kein „historisches Wort“ über die Zukunft Österreichs, das er hätte aussprechen können, hätte uns seine Menschlichkeit so nahe gebracht. … weiterlesen

Sport > Pferderennen >

Rennen zu Grunewald

Man muss mit dem Erzählen von hinten anfangen, denn so etwas wie sich gestern im letzten Rennen, dem Preis von Charlottental, ereignete, ist noch nie dagewesen, wenigstens nicht auf einer der großen Berliner Bahnen. Man denke, sechs Rennen sind vorüber, sechs Favoriten sind geschlagen, und alles stürzt sich, in der Hoffnung, den Schaden einigermaßen wieder gut zu machen, auf den siebenten, auf Waldteufel, denn der Braditzer konnte das Rennen nach menschlicher Berechnung kaum verlieren; höchstens dass Mormone ihm ein bisschen gefährlich würde. Aber alles klappt, klappt sogar schön. Man sieht das Feld mit Centaur, Sauerfüß und Waldteufel in Front losgehen, wird aber doch stutzig, als man bemerkt, dass Mormone nach einigen hundert Metern von seinem Reiter ausgepullt wird. … weiterlesen

Politik > Berlin >

Hof- und Personalnachrichten

Potsdam, 6.Juli.

Se. Maj. Der Kaiser ist heute Vormittag 9 ¼ Uhr nach Kiel abgereist, von wo er die Nordlandreise antreten wird. Im Gefolge befinden sich u.a. General der Infanterie v. Loewenfeld, General der Kavallerie Graf Dohna-Finckenstein, der Chef der Militärkabinetts General der Infanterie Frhr. V. Lyncker, der Chef des Marinekabinetts Admiral v. Müller, Hofmarschall Graf Platen-Hallermund, Generalartz Leibarzt Dr. v. Ilberg, Prinz Albert zu Schleswig-Holstein, Graf Schlitz genannt v. Börtz, Generalintendant Graf v. Hülfen-Haeseler, Gesandter Graf v. Wedel als Vertreter des Auswärtigen Amtes, Generalleutnant Frhr. V. Freytag-Loringhoven, Konteradmiral z. d. V. Grumme-Douglas, Geheimer Regierungsrat Professor Dr. Bützfeld und Professor Saltzmann.

Ihre Maj. die Kaiserin ist um 10 Uhr von Wildpark nach Wilhelmshöhe abgefahren. In ihrer Begleitung befinden sich Ihre königlichen Hoheiten Prinz und Prinzessin Eitel Friedrich, die einige Tage in Wilhelmshöhe Aufenthalt nehmen werden.

Kultur & Gesellschaft >

Das unsittliche Brausebad

Aus Göttingen wird uns geschrieben:

In den sämtlichen evangelischen Volksschulen der Stadt Göttingen sind Brausebäder eingerichtet, die für Knaben und Mädchen getrennt sind. Auf Antrag der katholischen Volksschule hatten die städtischen Kollegien vor einiger Zeit beschlossen, auch in dieser Schule ein Brausebad einzurichten, und hatten hierfür 7000 Mark bereitgestellt. Die Arbeiten sind jetzt ziemlich vollendet und sind genau in derselben Weise ausgeführt worden, wie in den evangelischen Volksschulen. Nun hatte plötzlich das katholische Pfarramt als Aufsichtsbehörde der katholischen Volksschule gegen die Art der Einrichtung des Brausebades Bedenken erhoben, weil es unsittlich sei, wenn beim Baden die unbekleideten Kinder, ganz gleichgültig, ob es nun Knaben oder Mädchen seien, sich gegenseitig sehen könnten. … weiterlesen

Sport > Segeln >

Die Seewettfahrt vor Travemünde

Die heute vom Norddeutschen Regattaverein und Lübecker Jachtklub veranstaltete Seewettfahrt auf der auf der Neustädter Bucht war für Travemünde wie immer ein großes Ereignis, wenn auch der Zustrom der Fremden wegen der Abwesenheit des Kaisers nicht so stark als sonst war. Auch rief das Fehlen der „Hohenzollern“ mit ihren Begleitschiffen sowie der sonst regelmäßig von Kiel mit herüberkommenden ausländischen Dampfjachten eine Lücke im Gesamtbilde hervor. … weiterlesen

Politik > Berlin >

Die Hetzarbeit des „Vorwärts“ gegen die Armee

Der „Vorwärts“ erkennt selbstverständlich die Niederlage, die der Sozialdemokratie durch die Vertagung des Prozesses kontra Rosa Luxemburg-Lübeck zugefügt worden ist, nicht an, sondern sucht sich weiter an dem „Triumph“ zu berauschen, den die Genossen nach Ansicht der „Vossischen Zeitung“ errungen haben. Dass diesem jetzt immer mehr in rein demokratischem Fahrwasser segelnden Blatte auch der andere Teil der Ullsteinpresse zur Freude des „Vorwärts“ beipflichtet, ist kein Wunder. Das „Berliner Tageblatt“ erhält dagegen von dem führenden sozialdemokratischen Organ einen strengen Verweis: es sei doppelt und dreifach auffallend, dass das „Berliner Tageblatt“ kein Wort über diesen Prozess zu sagen weiß. … weiterlesen

Politik > Deutsches Reich >

Die deutschen Kaisermanöver 1914

Es ist bereits auf die Schwierigkeiten hingewiesen worden, die durch die Vereinigung großer Truppenmassen im diesjährigen Kaisermanöver für die Verpflegung entstehen. Gerade dadurch, aber wird das Kaisermanöver in diesem Jahre zu einer außerordentlich lehrreichen Übung für Generalstab und Intendantur in der Verpflegung unter Verhältnissen, die denen des Krieges nahekommen. Zum Studium der Heeresverpflegung werden zwar alljährlich Planaufgaben in größerer Zahl bearbeitet und Verwaltungsgeneralstabsreisen unternommen, sie werden aber in ihrer Bedeutung durch die bevorstehende praktische Übung erheblich übertroffen. … weiterlesen

Kultur & Gesellschaft >

Unglücksfälle

Konfektionsmarder

Eine zehnköpfige Einbrecherbande wurde von der Kriminalpolizei unschädlich gemacht. Seit dem Frühjahr dieses Jahres wurden die Konfektionsschneider, die für große Geschäfte arbeiten, arg heimgesucht. Während sie abwesend waren, drangen Einbrecher in ihre unbeaufsichtigten Wohn- und Arbeitsräume ein und stahlen fertige Herren- und Damensachen und auch Stoffe aller Art. Der Verdacht der Kriminalpolizei lenkte sich auf Männer, die im Konfektionsviertel wiederholt beim Abtragen halfen. Die Verdächtigen standen mit einem Mann aus der Gitschiner Straße in Verbindung. Dieser Mann hatte jederzeit Abnehmer für Konfektionssachen. … weiterlesen

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Haarpflege

Anzeige Berliner Tageblatt, 06. Juli 1914, Dr. Dralles Birken-Haarwasser

Berliner Tageblatt, 06. Juli 1914
Dr. Dralles Birken-Haarwasser