Kultur & Gesellschaft > Panorama >

Todesopfer der Hitze beim Militär

Frankfurt a. O., 13. Juli

Im Grenadierregiment Nr. 12, an dessen Spitze der aus der Zabernaffäre bekannte Oberst v. Reuter steht, sind zwei Todesfälle vorgekommen. Das Grenadierregiment Nr. 12 war am Sonnabend früh zu einer größeren Felddienstübung unter dem Kommando des Obersten v. Reuter ausgerückt. Die Übung zog sich trotz der großen Hitze bis in die Mittagsstunden hin. … weiterlesen

Politik > International >

Panik unter den Österreichern in Belgrad

Wien, 13. Juli

Die „Neue Freie Presse“ meldet aus Belgrad:
Gestern brach in der österreichisch-ungarischen Kolonie eine Panik aus. Es verbreitete sich das Gerücht, dass wegen der Verhaftungen unter der serbischen Bevölkerung Bosniens und der Herzegowina an den in Serbien lebenden Österreichern Vergeltung geübt werden solle. Es wurde behauptet, dass für die Verstimmung der serbischen Bevölkerung nichts zu bemerken war, wurde das Gerücht doch geglaubt. … weiterlesen

Kultur & Gesellschaft >

Neue Taten der Frauenrechtlerinnen

London, 13. Juli

Die hysterischen Wahlweiber setzten gestern ihre Freveltaten fort. Der Blaby-Bahnhof der London-Northwestern-Bahn zwischen Letcester und Ryneaton ist von Suffragetten gänzlich niedergebrannt. Der Schaden beträgt mehrere tausend Pfund. Als um Mitternacht der Postzug, der die Briefe zwischen Blackpool und Manchester befördert, den Bahnhof von Gatwich passierte, fand eine Explosion in den Postsäcken statt, während die Briefe sortiert wurden. Der Zugführer konnte, obgleich er schwere Brandwunden erlitt, die Flammen löschen, jedoch wurden Hunderte von Briefen vernichtet. In dem Postsack fand man eine Bombe aus Schwefelsäure und Sprengstoffen. Man nimmt ein Attentat der Suffragetten an. … weiterlesen

Wirtschaft >

Das Ideal der deutschen Landwirtschaft

Immer unumwundener wird seitens agrarischer Kreise als das anzustrebende Ideal die deutsche Selbsternährung hingestellt. Wer das nicht ohne weiteres anerkennt, dem wird nationales Empfinden sehr schnell abgesprochen. In der Tat mag auf den ersten Blick die Aussicht auf eine völlige Unabhängigkeit vom Auslande in Ernährungsfragen recht verlockend erscheinen, schon in Friedenszeiten, aber erst recht im Kriegsfalle. Warum, lautet die Argumentation sollen wir andere Völker reich machen, viel besser bliebe das Geld im Inlande und käme unseren Landwirten und Bauern zugute; und erst im Kriege: Wie sollen wir einem Gegner mit Erfolg entgegentreten können, wenn durch eine Hungersnot im Inlande, hervorgerufen durch Unterbindung der Einfuhr, die nationale Widerstandskraft geschwächt wird? Der Feind hätte nur nötig, durch seine Flotte und Armeen die Nahrungszufuhr abzuschneiden und selbst ein siegreiches Heer müsste sich ergeben. … weiterlesen

Politik > International >

Hof- und Personalnachrichten

Balestrand, 13. Juli

Gestern Morgen hielt Se. Maj. der Kaiser Gottesdienst an Bord der „Hohenzollern“ ab, erledigte Regierungsgeschäfte und machte in Begleitung einiger Herren vom Gefolge einen Spaziergang an Land; gegen 6 Uhr fand eine Besichtigung des Frithjofdenkmals statt.

Politik > International >

Für die deutsch-fränzösische Annäherung

Paris, 9. Juli (Eig. Ber.)

Dass der Gedanke der deutsch-französischen Annäherung in Frankreich immer mehr an Boden gewinnt, ist unverkennbar. Man braucht nur die giftigen Leitartikel zu lesen, die der „Temps“ und das „Journal des Débats“ anlässlich der Intervention Jaurès‘ gegen den Kredit für Poincarés Russlandfahrt veröffentlicht haben, um die Besorgnisse der Imperialisten vor dem Erlöschen der den Rüstungstreibern und den Stipendiaten des Zarismus so wichtigen chauvinistischen Stimmungen in Frankreich zu erkennen. In der Tat sind es nicht mehr die Kreise der organisierten Arbeiterschaft allein, die sich mit der Idee der Annäherungspolitik vertraut gemacht haben. … weiterlesen

Sport > Pferderennen >

Der große Preis von Berlin

Es war einer der sonnerfüllten Julitage, die den Himmel blauer, das Grün des Rasens leuchtender und die Augen der Menschen strahlender erscheinen lassen, als sie es in Wirklichkeit sind. Aus der Buntheit, die das Publikum in die ausgedehnten Räume der Grunewaldbahn brachte, hob sich immer deutlicher das Weiß heraus, das in den Kostümen und Kleidern der Damen dominierte. Weiß war tonangebend, weiß vom Reiherbusch bis zu den Schuhen, oder weiß mit schwarz kombiniert in Umhang oder Cape. Es war das Bild der großen Tage des Rennsports, wenn man auch gerade vom Großen Preis von Berlin nichts Großes erwartete. Kaum dass die übliche Spannung, die sich vor jedem Rennen bemerkbar macht, eine Nuance intensiver wurde, als sich die Kandidaten für den Großen Preis auf die Bahn begaben. … weiterlesen

Kultur & Gesellschaft > Die Frau >

Die älteste Frau von Berlin

In der Zionskirchstraße, in einer kleinen, sauberen Stube, wohnt die älteste Frau Berlins, die 102 Jahre alte Witwe Auguste Heinrichs. Ihre Welt ist eng begrenzt: sei 12 Jahren ist die alte, aber geistig noch sehr rege und gesprächige Frau an einen Lehnstuhl gebannt. Als es an die Neunzig ging, wollten die Füße so recht nicht mehr mit. Und so betrachtet sie von ihrem Fenster aus dieses sonderbare Treiben der lauten, aufgeregte Welt. Freundliche Nachbar und ihre junge Schwiegertochter – sie ist erst 84 Jahre alt – bringen der Alten die Kunde und Wundermären der neuen Zeit … weiterlesen

Politik > Deutsches Reich >

Die drohende Massenaussperrung in der Lausitz

Kottbus, 12. Juli

Seit gestern sind 30 000 Arbeiter der Lausitzer Textilindustrie gekündigt. In den großen Tuchfabriken von Forst, Kottbus, Spremberg, Guben, Sommerfeld, Finsterwalde und Luckernwalde, die mit ihren roten eckigen Türmen mitten in dem friedlichen Grün manchmal aussehen wie deplacierte trotzige Burgen, hängen jetzt die Kündigungsbogen. Falls nicht bis zum nächsten Sonnabend die fünfzig oder sechzig streikenden Walkereiarbeiter in Forst die Arbeit zu den bisherigen Bedingungen wieder aufgenommen haben, werden 30 000 Arbeiter und Arbeiterinnen entlassen und mit ihnen verlieren mindestens 30 000 bis 40 000 andere Frauen und Kinder das tägliche Brot. … weiterlesen

Kultur & Gesellschaft > Panorama >

Aus der Selbstmordchronik

Arbeitslosigkeit und Nahrungssorgen haben wieder mehrere Personen in den Tod getrieben:

Der 58 Jahre alte Wächter Hermann Schutz vom Luisenufer 41 schoss sich auf dem Tempelhofer Feld eine Kugel in die rechte Schläfe, die seinen sofortigen Tod herbeiführte.

Mit Leuchtgas vergiftet hat sich der 52 Jahre alte Arbeiter Friedrich Köhler aus der Manteuffelstr. 97. K., der kränklich war, konnte deshalb keine Beschäftigung finden.

Der 28 Jahre alte Hausdiener Richard Krüger, der in einem Krankenhaus angestellt war, vergiftete sich in dem Spähnekeller des Desinfektionsraumes mit Lysol, weil er entlassen worden war. Unbekannt ist der Grund, der den 59 Jahre alten Diener Johann Gnoyke aus der Breite Straße 26 zu Schwmargendorf zum Selbstmord veranlasst hat. Gnoyke entfernte sich von seiner Arbeitsstelle, angeblich um etwas für sich einzukaufen, begab sich aber auf ein unbebautes Gelände in der Wisbyer Straße und vergiftete sich dort mit Lysol.

Unaufgeklärt ist auch der Selbstmord einer Näherin. Die 28 Jahre alte Näherin Elise Hobse aus der Arndtstraße 29 wurde seit ungefähr einer Woche vermisst. Als man jetzt ihre Behausung öffnete, fand man sie schon stark verwest, tot auf. Sie hatte sich mit Leuchtgas vergiftet.