Kultur & Gesellschaft > Panorama >

Der Wert der Persönlichkeit in Heer und Flotte

„Um Persönlichkeiten zu züchten,“ sagt der durch sein großzügiges Werk „Der Seekrieg zwischen Russland und Japan“ bekannte Vizeadmiral Freiherr v. Malzahn in einem Urtitel der „Marinerundschau“ – „müssen Elternhaus, Schule und Leben, und im Leben jeder einzelne für sich durch unermüdliche und redliche Selbsterziehung zusammenwirken. Es liegt die Frage nahe, ob unser heutiges Dasein geeignet ist, Persönlichkeit zu züchten. Der Verfasser verneint dies, und er lässt Freytag – „Macht der Persönlichkeit“, Seite 74 – die Antwort geben:

„Die heutige Zeit ist der Entwicklung kraftvoller Persönlichkeiten im Ganzen wenig günstig. Die gesteigerte persönliche Sicherheit, die der Mensch in heutigen Kulturländern genießt, und der größere Wert, den das Leben dadurch in der allgemeinen Auffassung gewonnen hat, bringt es mit sich, dass uns im Frieden jetzt wenig Gelegenheit gegeben wird, unsern Mut auf eine ernste Probe zu stellen.“ … weiterlesen

Lifestyle > Vom Hofe >

Die letzte Nordlandfahrt der alten Kaiserjacht

Die alte „Hohenzollern“ befindet sich zum letzten Male auf der Reise in den norwegischen Fjorden. Im nächsten Jahre wird der Neubau der „Hohenzollern“ bereits in Dienst gestellt sein, während die alte Jacht beim Schicksal alter Kriegsschiffe anheimfällt und als Hilfskreuzer oder Lazarettschiff zur Reserveformation übertritt. Schon in diesem Jahre ist als Begleitschiff des Kaiserschiffes ein moderner Turbinenkreuzer kommandiert worden, während man als Depeschenboot noch den alten „Sleipner“ attachierte. Der „Sleipner“ wird aber die neue Jacht nicht mehr begleiten, im nächsten Jahre wird das neue Torpedoboot „G 137“ nach einem Umbau im Winter als Depeschenboot Verwendung finden. Die neue „Hohenzollern“ wird, wie bekannt, am 8. August in Stettin im Beisein des Kaisers vom Stapel laufen, wird im Oktober die ersten Probefahrten machen und im Frühjahr 1915 in Dienst gestellt werden. Die neue Jacht, größer, moderner und schneller als die alte, erhält eine Besatzung von 455 Mann.

Kultur & Gesellschaft > Panorama >

Badeunglück in Heringsdorf

Heringsdorf, 17. Juli
Ein schweres Badeunglück, das leicht zu einer größeren Katastrophe hätte führen können, ereignet sich heute Vormittag in dem Familienbad I in Heringsdorf. Trotz Warnungen des Badepersonlas hatten sieben Personen das durch Leinen abgesteckte Badegebiet verlassen und waren in die See hinausgeschwommen. Gerade heute herrschte außerordentlich starker Wellenschlag, und demgemäß war die Strömung sehr groß. Die Badeverwaltung hatte in Anbetracht dieser Seeverhältnisse eine besondere Warnung erlassen. Diese Warnung wurde von den betreffenden sieben Herren außer Acht gelassen, und auch Rufe und Trompetensignale veranlassten sie nicht umzukehren. … weiterlesen

Politik > International >

Der französische Militarismus

„Seht, wir Wilden sind doch bessere Menschen“, so wenn sie die, neuesten Erörterungen im französischen Senate lesen und die peinlichen Überraschungen sich ausmalen, die dem französischen Volke dadurch just zu seinem Nationalfeste bereitet wurden.

Wenn wir anderen ruhig und besonnen und ein wenig skeptisch dazu Stellung nehmen sollen, so werden wir nicht vergessen dürfen, dass der Senator Humbert, eifriger Mitarbeiter der chauvinistischen „La France Militaire“, zu den überzeugendsten Militaristen und Rüstungstreibern der französischen Volksvertretung gehört. Der neue Kriegsminister hingegen, Herr Messimy, gilt nur als lauer Freund der dreijährigen Dienstzeit und ist einer gewissen Hinneigung zu milizartigen Ideen verdächtig. Nicht gerade nach den Anschauungen von Jaures; doch wollte er früher zahlreiche, aber schwache Friedensstämme zu gewaltigen Kriegsmassen erweitern. Da galt es also, Feuer dahinter zu setzen und das Land mit der Drohung zu erschrecken, dass es nahezu verteidigungslos sei. … weiterlesen

Kultur & Gesellschaft > Panorama >

Die gesicherte Existenz bis ins hohe Alter

Der Ort, an dem das Kaiserwort über die gesicherte Existenz bis ins hohe Alter fiel, hat an einem Tage zwei furchtbare Beispiele dafür geliefert, wie weltfremd dieses Wort ist. Durch Selbstmord wegen Nahrungssorgen endete der 61-jährige Maschinenschlosser Schaube, der früher bei der Eisenbahnbehörde beschäftigt war und sich während der Arbeit im Freien ein Beinleiden zuzog, das ihn erwerbsunfähig machte. Er erhielt eine monatliche Rente von 15 M. Der damit natürlich nichts anfangen konnte, begab er sich auf die Arbeitsuche, konnte aber wegen seiner Krankheit nichts finden. Schließlich trieb ihn die Sorge in Schwermut und zum Selbstmord durch den Strick. … weiterlesen

Sport > Olympiade 1916 >

Die praktische Arbeit zur Olympiade 1916

Man kann der nüchternste Geschäftsmann sein, man kann zum goldenen Kalbe oder zur alleinseligmachenden Muse beten, man kann von Sportverständinis weit entfernt sein, und wird sich doch nicht der gewissen Feierlichkeit entziehen können, die die Olympischen Spiele umgeben. Der kaltschnauzige Rechner beweist an den fünf Fingern seiner Hand, wie gleichgültig es ist, ob Mr. Müller zehn Zentimeter höher in die Luft springt als Mr. Robinson – im Zeitalter des Aeroplans, und der schweigt doch betroffen, unbehaglich berührt von der blühenden Lieblichkeit, wenn die stärkste Jugend der Welt ihren Einzug in ein olympisches Stadion hält. … weiterlesen

Lifestyle > Mode >

Die schirmlosen Berlinerinnen

Bei den Dessous fing der große Umsturz in der Damenkleidung an; progressiv verbreitete er sich dann auf die Hände, für die es nicht mehr als unehrenhaft galt, sich unbeschuht in der Öffentlichkeit zu zeigen, und schließlich stieg die Revolution bis auf den Kopf der Dame und fegte ihr den Hut von der Frisur, die nun unter Licht und Sonne und nicht mehr ausschließlich unter dem Brenneisen erblühte. Jetzt ist die äußerste Konsequenz der unbehuteten Mode eingetreten: der Sonnenschirm, das altvertraute Zepter weiblicher Anmut und Würde, und die ultima ratio im äußersten Notfall, wenn alle andern Waffen nichts mehr fruchten, ist gefallen. Er ist aus der Mode und aus der Gunst der Damen gekommen. Seine aufgeblähte Herrlichkeit ist zusammengeklappt, er ist in das Dunkel des Kleiderschrankes getaucht und träumt hier in einsamer Ecke von der sonnendurchglühten Heiterkeit vergangener Tage, da sein Stiel in schönen Händen kokett balanciert und sein Dach zarte Gesichter behütete, damit kein zudringlicher Strahl aus Helios frechem Antlitz auf sie fiele. … weiterlesen

Wissenschaft und Technik > Medizin >

Die Tuberkulose auf dem Lande

Die Tuberkulose ist die typische Begleiterin des Massenelends. Der Kampf gegen die kann auf die Dauer nur erfolgreich sein, wenn er sich gegen das Grundübel richtet: die wirtschaftliche Not des Volks in jeder Gestalt, die auch die Sorge um die sonstigen Lebensbedürfnisse gebiert. … weiterlesen

Kultur & Gesellschaft > Die Frau >

Die Lage der erwerbstätigen Frauen und der Liberalismus

Die wirtschaftliche Entwicklung der Gegenwart hat hunderttausende deutscher Frauen eingegliedert in das harte Erwerbsleben, – und stetig zunehmende Teuerungsverhältnisse bedingen ein weiteres Anwachsen dieser Zahl. Die Frau ist interessiert an unserem Wirtschaftsleben und seiner Gestaltung nicht mehr nur mittelbar durch Haushalt und Familie; als selbsttätige Erwerbskräfte gewinnen die Heere der weiblichen Angestellten und Arbeiterinnen Anteil insbesondere an einem Gebiet, das bisher fast ausschließlich den Mann anging: an der Regelung, der Arbeitsbedingungen. … weiterlesen

Kultur & Gesellschaft > Panorama >

Rasputin lebt!

Petersburg, 16. Juli
Der von den russischen Blättern bereits totgesagte Rasputin lebt, und man berichtet sogar, dass es ihm besser gehe, und dass die Ärzte hoffen, ihn durchzubringen. Sie beabsichtigen, ihn in den nächsten Tagen nach Petersburg überzuführen, um ihn in eine Klinik zu bringen. Rasputin wünschte auf jeden Fall, Frau Gussewa, die den Dolchstich führte, zu sehen und zu sprechen, doch jene weigert sich, ihm gegenüberzutreten. … weiterlesen