Lifestyle > Reise >

An der Ostsee

Heringsdorf ist wie eine launische Frau. Nachdem sie mich gekost und gestreichelt hatte, setzte sie noch zum Schluss ihren Trotzkopf auf, und ich schied im Zorn von ihr.

Die See sah aus wie ein grünes Haferfeld, in dem der Wind wühlt und zaust, aber die Sonne glitzerte doch über der schaukelnden Fläche, und die geschüttelten Haferähren blitzten bald goldig, bald silbern. Aber als ich mit meinem Koffer an dem äußersten Kopfende der Brücke erschien, um mich nach Rügen einzuschiffen, da raunte man mir von allen Seiten ein unverständliches Wort entgegen. Der Vertreter der Schifffahrtslinie murmelte es achselzuckend, der Brückenwärter brummte es, und der Signalgast hoch oben vom Turm schrie es böse herunter: „Strömungen.“ Ich weiß aus alter Erfahrung, das sind unangenehme Einflüsse und Wiederstände, die sich unter der ruhigen Meeresoberfläche abspielen, und die der Landbewohner nicht begreift. Es geht genau wie im politischen Leben. Alles ist scheinbar ruhig und in bester Ordnung. Aber unten grollt es irgendwo und flutet und strudelt die schönsten Regierungspläne ins Unermessliche von dannen. Und kein gouvernementales Schiff kann landen. … weiterlesen

Lifestyle > Vom Hofe >

Hof- und Personalnachrichten

Balestrand, 20. Juli.
Se. Maj. Der Kaiser hielt gestern Vormittag Gottesdienst an Bord der „Hohenzollern“ ab und nahm dann den Vortrag des Vertreters des Auswärtigen Amts Gesandten Grafen Wedel entgegen. Nachmittags machte der Kaiser einen mehrstündigen Spaziergang mit einigen Herren seiner Umgebung.

Wilhelmshöhe, 20. Juli.
Zur gestrigen Frühstückstafel bei Ihrer Maj. Der Kaiserin waren geladen: kommandierender General Generalleutnant v. Plützkow und Gemahlin, Regierungspräsident Graf v. Bernstorff und Gräfin v. Bernstorff sowie Pfarrer Weber von der Christuskriche in Wahlershausen.

Kultur & Gesellschaft > Panorama >

Badeunfälle in Groß-Berlin

In der Havel bei Gatow ertrank ein bisher noch unbekannter junger Mann von etwa 25 Jahren. Er hatte sich, ohne schwimmen zu können, an einer tiefen Stelle in den Fluss hinausgewagt. Die Kleider, die auf einen den besseren Ständen Angehörigen schließen lassen, trugen keinerlei Erkennungszeichen. Die Leiche wurde geborgen. … weiterlesen

Kultur & Gesellschaft > Panorama >

Der Mordversuch in der Xantenerstraße

Unter dem Verdacht das Revolverattentat auf die Rentiere Jenny Meyer in der Xantener Straße 17 in Wilmersdorf begangen zu haben, ist gestern Vormittag der 52 Jahre alte Pastor a. D. Albert Schmidt von der Schöneberger Kriminalpolizei verhaftet worden. Schon bald nach der Tat war der Verdacht aufgetaucht, dass der Täter eine Person sein müsste, die mit der Familie Meyer bekannt war. Dieser Verdacht wurde jedoch durch die Angaben der schwerverletzten Dame, die erklärte, dass sie den Täter nicht gekannt habe, vorläufig beseitigt. Gestern Morgen wurde nun Pastor Schmidt, von mehreren Personen in der Xantener Straße in der Nähe des Hauses, in dem die Tat verübt wurde, beobachtet. Man erkannte ihn als den Mann wieder, der gleich nach der Tat das Haus verlassen und nach einem Arzt gerufen hatte. Diese Beobachtungen wurden der Schöneberger Kriminalpolizei mitgeteilt. Die Kriminalkommissare Sanders und Schenck zu Schweinsberg, die die Affäre bearbeiten, ordneten daher die Festnahme des Pastors an, die dann auch in seiner Wohnung in der Pestalozzistraße in Charlottenburg erfolgte. … weiterlesen

Politik >

Die Niederlausitzer Tucharbeiter auf der Straße

Die Niederlausitzer Tuchfabrikanten haben nun ihrer Drohung die Tat folgen lassen. Zirka 30 000 Arbeiter und Arbeiterinnen sind am vergangenen Sonnabend ausgesperrt worden. Nicht ausgesperrt wurden die Musterweber, Kutscher, Wächter, Heizer, Meister, Untermeister und die Meisterinnen. 350 Betriebe sind an der Aussperrung beteiligt. Eine formelle Entlassung ist, soweit sich übersehen lässt, nur in Finsterwalde vorgenommen worden. In Cottbus und Forst haben die Arbeiter ihre Papiere nicht ausgehändigt bekommen. In einigen Fabriken wurden ihnen bezüglich des rastrierenden Lohnes gesagt, wenn ihn die Arbeiter haben wollten, sollten sie ihn am Montag oder Dienstag holen. Stellenweise sagte man auch, es würde ja wohl nicht lange dauern. Wie verlautet, kommen die Unternehmer am nächsten Donnerstag wieder zusammen. Am Sonnabend flog uns folgendes Rundschreiben der Unternehmer auf den Tisch: … weiterlesen

Politik > International >

Die österreichisch-serbische Spannung

Eine bemerkenswerte ernste Beurteilung der zwischen Österreich und Serbien augenblicklich herrschenden Spannung spiegelt eine offiziöse Erklärung wider, die die „Nordd. Allgemeine Zeitung“ an der Spitze ihrer gestrigen Wochenumschau veröffentlicht hat. In dieser Erklärung heißt es:

In den Auslassungen der europäischen Presse zu der in dem Verhältnis Österreich-Ungarns zu Serbien obwaltenden Spannung machen sich immer mehr Stimmen geltend, die anerkennen, dass Österreich-Ungarns Verlangen, eine Klärung seiner Beziehungen zu Serbien herbeizuführen, berechtigt ist. Dabei schließen wir uns der an mehr als einer Stelle ausgedrückten Hoffnung an, dass durch rechtzeitiges Einlenken der serbischen Regierung das Entstehen einer ernsten Krisis vermieden werde. Jedenfalls lässt es das solidarische Interesse Europas, das bisher in der langen Balkankrisis in der Bewahrung des Friedens unter den Großmächten zur Geltung gekommen ist, erwünscht und geboten erscheinen, dass die Auseinandersetzungen, die zwischen Österreich-Ungarn und Serbien entstehen können, lokalisiert bleiben. … weiterlesen