Kultur & Gesellschaft >

Der Neuköllner Kindesmord

Der Hutmacher Beständig, der in dem dringenden Verdacht steht, am Sonntag nachmittag die kleine Grete Rapp in seiner Wohnung in der Warthestraße 13 erdrosselt und dann ihren Leichnam vergraben zu haben, ist auch heute früh wieder eingehend von Kriminalinspektor Berlin von der Neuköllner Kriminalpolizei vernommen worden. Wie nicht anders zu erwarten, ist er bei der Aussage geblieben, das er die Tat nicht allein verübt habe, sondern dass der Hauptschuldige der angebliche Arbeiter Karl Werner sei. Dieser konnte jedoch bisher nicht ermittelt werden und steht wahrscheinlich mit der Tat überhaupt nicht in Verbindung. … weiterlesen

Lifestyle > Vom Hofe >

Graf Berthold beim Kaiser Franz Josef in Ischl

Wien, 21. Juli

Graf Berthold wurde heute Vormittag vom Kaiser in Ischl in einstündiger Audienz empfangen. Der Graf unterbreitete die Note, die in Belgrad überreicht werden soll. Der Wortlaut ist gelegentlich der letzen Anwesenheit Tiszas in Wien vereinbart worden. Sollte der Kaiser Änderungen wünschen, wird der gemeinsame Ministerrat nochmals zusammentreten. Generalstabschef Freiherr Conrad v. Hötzendorff ist heute aus Tirol hier eingetroffen. Graf Bechthold verbleibt bis morgen früh in Ischl und reist dann zu eintägigem Aufenthalt rein privater Natur nach Salzburg, von wo er morgen Abend nach hier zurückreist.

Politik > Deutsches Reich >

Ein Vermittlungsversuch im Lausitzer Lohnkampf

Kottbus, 20 Juli

Wie ich höre, will die Bundesregierung den Versuch machen, den Kampf in der Lausitzer Tuchindustrie, der nun durch die am Sonnabend erfolgte Aussperrung der 30 000 Arbeiter und Arbeiterinnen zum offenen Ausbruch gekommen ist, auf dem Wege der Vermittlung beizulegen. Dem Regierungspräsidenten von Schwerin in Frankfurt a. Oder wurde am Sonnabend von der Aussperrung offiziell Mitteilung gemacht und ihm die Einleitung eines Vermittlungsverfahrens anheimgestellt. Es verlautet nun, dass die Regierung sich in den nächsten Tagen bereits mit den maßgebenden Organisationen der beiden Parteien in Verbindung setzten wird. In den Versammlungen der ausgesperrten Arbeiter, die heute in allen Städten des Reviers abgehalten wurden, wurde erklärt, dass die Arbeiterorganistation sich niemals ablehnend verhalten würden, wenn die Hand zum Frieden geboten werde. Ebenso betonen die Leiter der Arbeitgeber, der Arbeitgeberverband habe wiederholt seine Bereitwilligkeit erklärt, in weitere Verhandlungen einzutreten, sobald die Arbeiter es wünschen. Er sei zu diesen Verhandlungen auch in dem Falle bereit, wo er keine materiellen Zugeständnisse machen könne.

Kultur & Gesellschaft > Aus den Gerichtssälen >

Eiserne Disziplin bis ins Krankenzimmer

Der Soldat Lucht vom 103. Infanterie-Regiment war am 25. Juni wegen einer Beinverletzung in die Revierkrankenstube eingeliefert worden, wo ihm eine Schiene nebst Verband angelegt wurde. Der Arzt ordnete an, das Lucht im Bett bleiben und den Verband nicht abnehmen solle. Weil Lucht aber nach seiner Angabe von der Kompanie kein Mittagessen erhalten und deshalb Hunger hatte, wollte er sich am 27. Juni nach dem Kompagnierevier begeben und dort Brot holen. Er verließ das Bett und kleidete sich an. … weiterlesen

Politik > Deutsches Reich >

Die Tuchmacher-Aussperrung

Es ist schon heute eine nicht mehr zu bestreitende Tasche, dass sich die Unternehmerorganisation in der Niederlausitzer Tuchindustrie mit ihrer brutalen Gewaltaktion gegen ihre Arbeiter gründlich verrechnet hat. Soviel haben einige Unternehmer schon laut werden lasen, dass sie mit einer Aussperrung nicht ernstlich gerechnet haben. Es solle die Androhung einer Aussperrung nur ein blinder Schreckschuss sein, es ist aber zum nicht ganz geringen Schrecken vieler, insbesondere kleiner Unternehmer, ein scharfer Schuss geworden. Die Unternehmer hatten damit gerechnet, dass wenn die wieder wie 1910, den Unnachgiebigen markieren, vor allem, wenn sie fest auftreten, die Arbeiter wieder alles aufgeben würden. Nun ist es aber anders gekommen und da hängen schon gar viele Unternehmer die Köpfe. Als  in einem Orte die Arbeiter die Blumentöpfe mit aus der Fabrik nahmen, da hat de Unternehmer ein sehr betrübtes Gesicht gemacht und gesagt, nein, das sehe ja gerade so aus, als wenn seine lieben Arbeiter für immer ausziehen wollten. … weiterlesen

Kultur & Gesellschaft > Panorama >

Aus Not in den Tod

Arbeitslosigkeit und Nahrungssorgen haben zwei Männer in den Tot getrieben. In der Wusterhausener Straße 4-5 wurde der 53 Jahre alte Bureaudiener Adolf Franzls von seiner Wirtin erhängt aufgefunden. Franzls, der ein möbliertes Zimmer bewohnte, hatte vor vier Wochen seine Stellung verloren und war nun, da er keine Ersparnisse besaß, weder in der Lage die Miete zu entrichten, noch seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. In der Verzweiflung griff er gestern zum Strick und erhängte sich. … weiterlesen

Kultur & Gesellschaft > Panorama >

Der Lustmord in Neukölln

Zu dem scheußlichen Verbrechen, über das im 1. Beiblatt berichtet wird, erhalten wir noch nachstehende Mitteilungen. Der unter dem Verdacht, die kleine Grete Rapp ermordet zu haben, verhaftete Hutmacher Beständig hat in einem späteren Verhör seinen angeblichen Freund Werner des Mordes an dem Kinde beschuldigt, und bestreitet auch, bei der Ermordung des Kindes zugegen gewesen zu sein. Es dürfte aber nach wie vor kaum einem Zweifel unterliegen, dass Beständig der alleinige Mörder des Kindes ist. Er gibt folgendes an: … weiterlesen

Kultur & Gesellschaft > Panorama >

Kindesmord

Im äußersten Süden Neuköllns, in der von der Hermannstraße abzweigenden Warthestraße, ist am Spätnachmittag des Sonntags wieder einmal eines jeder scheußlichen Verbrechen verübt worden, die normal empfindlichen und normal denkenden Menschen unbegreiflich erscheinen. Ein geistig und moralisch völlig heruntergekommener Mensch, der noch dazu verheiratet und Vater eines sechsjährigen Sohnes ist, hat ein im selben Hause wohnendes vier Jahre altes Mädchen in seine Wohnung gelockt, hat sich dort an dem unschuldigen Kind vergangen, hat es dann,  um den Zeugen seiner Tat für immer stumm zu machen, mit einer Schnur erwürgt und die Leiche in der Nacht zu gestern in seinem kleinen Hausgarten, dicht am Kaninchenstall, vergraben. Gestern nachmittag wurde bekannt, das das Kind mit dem Verbrecher zuletzt zusammen war, die Vermutungen, dass es einem Lustmord zum Opfer gefallen sei, wurden immer lauter, und so benachrichtigte man die Polizei, die sehr bald die Leiche fand. Das kleine Opfer war in einem Sack vernäht. Die Suche nach dem Mörder bereitete keine Schwierigkeiten. Er kam gegen 6 Uhr gestern nachmittags nach seiner Wohnung zurück und wurde sofort festgenommen. Er erklärte, dass er das Kind zwar in seinem Garten vergraben habe, dass aber der Mord von anderen verübt worden sei. An dem Ort der Tat hatten sich inzwishen verschiedene Beamte der Neuköllner Kriminalpolizei unter Führung des Kriminalkommissars Berlin eingefunden. Die polizeilichen Ermittlungen ergraben folgendes: … weiterlesen