Politik > International >

Russland ist „für alle Eventualitäten gerüstet“

Petersburg, 25. Juli

In der heutigen Sitzung des Kabinetts im Krasnoje Selo unter dem Vorsitz des Zaren hat Kriegsminister Suchomlinow mit großer Bestimmtheit erklärt, dass Russland für alle Eventualitäten gerüstet sei. Bei dieser Gelegenheit wird ein bisher unverbürgtes Wort des Zaren kolportiert, der angeblich gesagt haben soll: „Der Handschuh ist hingeworfen, ich hebe ihn auf!“ Da dieses Wort von panslawistischer Seite gemeldet wird, bleibt seine Bestätigung abzuwarten. Jedoch kann als gewiss gelten, dass gewisse Kreise hier zum Konflikt drängen. Alles kommt auf die Stellung des Zaren an. Sollte sich der zitierte Ausspruch bestätigen, so wird Russland ohne Frage aktiv eingreifen.

Politik > Berlin >

Österreichfreundliche Kundgebungen in Berlin

Als gestern Nachmittag um die sechste Stunde in Belgrad die Würfel gefallen waren, als der Draht die Kunde in alle Welt brachte, dass Serbien die Forderungen Österreichs abgelehnt habe, da löste sich die Spannung, die seit 48 Stunden über Berlin gelagert hatte.

Kurz nach sieben Uhr erschienen die ersten, vom „Berliner Tageblatt“ herausgegebenen Extrablätter, und an den Pforten des Hauses, wo die Extrablätter angeschlagen wurden, staute sich in wenigen Minuten eine nach Hunderten zählende Menge. In den benachbarten Straßen stockte der Pulsschlag des Verkehrs, und mit Windeseile verbreitete sich die erste Runde, dass der Krieg zwischen Österreich und Serbien unvermeidlich geworden sei, bis in die äußersten Winkel der Stadt. Allenthalben entspann sich ein erregter Kampf um die Extrablätter. Überall bildeten sich Trupps von Menschen, die die kurzen, aber inhaltschweren Nachricchten mit ernstem Schweigen lasen. … weiterlesen

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Begeisterung in Wien

Wien, 25. Juli

Die Straßen der inneren Stadt waren von einer nach Tausenden zählenden Menge belebt, die nach der Bekanntgabe der Ablehnung der Forderungen durch Serbien singend und jubelnd über die Ringstraße vor das Kriegsministerium zog. Dort wurden die Volkshymne und das Prinz-Eugen-Lied gesungen. Sobald ein Offizier das Haus verließ, wurde er mit jubelnden Zurufen begrüßt. Die Offiziere dankten durch Salutieren und Schwenken der Kappe. Die Menge zog dann vor das Deutschmeisterdenkmal, dann weiter zum Schwarzenberg-Denkmal, wo sich die Kundgebungen wiederholten. … weiterlesen

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Amtliche Bekanntgabe der Mobilisierung in Österreich

Wien, 25. Juli

Amtlich wird erklärt, dass ein Teil der österreichisch-ungarischen Armee mobilisiert wird. Gleichzeitig wird eine Reihe von Sonderbestimmungen vom österreichischen Ministerium bekanntgegeben. Die Geschworenengerichte werden danach aufgehoben, ferner wird die Übernahme der Gewalt in der Herzegowina und in Bosnien an den Höchstkommandierenden bekanntgegeben und die Schließung der Sektion des Reichsrats verkündet. Außerdem werden die Telephonate und Telegraphen amtlich überwacht und eingeschränkt.

Politik > International >

Die ungenügende Antwort

Wien, 25. Juli

Ministerpräsident Paschitsch erschien wenige Minuten vor 6 Uhr in der K. und K. Gesandtschaft in Belgrad und erteilte eine ungenügende Antwort auf die österreichisch-ungarische Note. Baron Giesl notifizierte ihm hierauf den Abbruch der diplomatischen Beziehungen und verließ mit dem Gesandtschaftspersonal um 6 Uhr 30 Minuten Belgrad. Die serbische Regierung hatte schon früher um 3 Uhr Nachmittags die Mobilmachung der gesamten Armee angeordnet, der Hof und die Regierung sowie die Truppen räumen Belgrad. Die Regierung soll nach Kragujevatsch verlegt werden.

Politik > International >

Der österreichisch-serbische Krieg

Belgrad, 25. Juli, 6 Uhr 30 Min.

Die serbische Regierung hat die Forderungen Österreichs abgelehnt. Der österreichisch-ungarische Gesandte hat Belgrad bereits verlassen.

Belgrad, 25. Juli, 6 Uhr 40 Minuten.
Die allgemeine Mobilisierung ist angeordnet; der Thronfolger Alexander übernimmt selbst den Befehl über die Belgrader Truppen.

Wie wir gestern schon in früher Abendstunde durch mehrere hunderttausend Extrablätter der Berliner Bevölkerung mitgeteilt haben, hat die serbische Regierung die Forderungen Österreichs abgelehnt, der österreichische Gesandte, Baron Giesl hat infolgedessen Belgrad sofort verlassen, und der Krieg zwischen Österreich-Ungarn und Serbien ist unvermeidlich geworden. Die serbische Armee ist bereits mobilisiert worden, und die Mobilmachungsorder in Österreich-Ungarn dürfte heute veröffentlicht werden. Noch gestern Nachmittag war in Wien, Budapest, Frankfurt a. M. und in anderen Städten die Nachricht verbreitet, Serbien nehme die österreichischen Forderungen unter Protest an, und diese Nachricht, die besonders auch in Finanzkreisen Glauben fand, übte begreiflicher Weise eine günstige Wirkung auf die Stimmung der Abendbörsen aus. Offenbar hat es in den leitenden Belgrader Kreisen gestern auch eine Friedenspartei gegeben, die für die Annahme der Bedingungen war, dann aber schließlich von der Partei der Kampfmutigen und Unbeugsamen überstimmt wurde. … weiterlesen

Politik > International >

Baron Giesls Abreise von Belgrad

Belgrad, 25. Juli

Der bisherige österreichische Gesandte in Belgrad Baron Giesl erklärte den versammelten Korrespondenten gleich bei seiner Ankunft um 7 Uhr Abends in Semblin im Hotel Central Folgendes:
„Kurze Zeit vor 6 Uhr hat mir Ministerpräsident Paschitsch persönlich die Antwort überreicht. Nachdem ich aus der sehr lang gehaltenen Antwort entnehmen konnte, dass sie absolut unbefriedigend ist, war auch bereits die sechste Abendstunde herangerückt, ehe ich die ganze Antwort durchgelesen hatte. Hierauf dankte ich Paschitsch für die Überreichung der Antwort und verließ sofort Belgrad.“ … weiterlesen

Politik > Deutsches Reich >

Bedauerliche Ausschreitungen vor der russischen Botschaft in Berlin

Vor der russischen Botschaft fanden heute Nacht zwischen 12 und 1 Uhr großen Menschenansammlungen statt. Es wurde von der Menge gejohlt und gepfiffen, und es erschallten zahlreiche Rufe: „Nieder mit Russland!“, „Hoch Österreich!“, „Nieder mit Serbien!“ Schutzleute drängten die Menschenmassen allmählich zurück.

Diese Ausschreitungen unreifer und gedankenloser Burschen werden von allen ernsthaften und zur Überlegung fähigen Leuten auf das entschiedenste verurteilt werden. Wir hoffen, dass sofort Maßregeln ergriffen werden, um die Wiederholung eines solchen Skandals zu verhindern und die Ruhestörer zur Verantwortung zu ziehen, und wir bedauern, dass solche Maßregeln nicht rechtzeitig ergriffen worden sind.

Politik > Berlin >

Mitternacht Unter den Linden

Das Berliner Straßenleben wurde mit vorrückenden Abendstunden immer lebhafter. Aus den Restaurants und Cafés strömten große Scharen den Linden zu, und während diese Straße sonst an dem sogenannten „Nachtleben“ keinen wesentlichen Anteil hat, war gestern dort in der zwölften Stunde ein Gedränge, dass sich stellenweise zum festen Knäuel zusammenballte. Man sah viele Fremde und besonders viel hörte man die österreichischen Mundarten; es wird ja auch wohl keinen hier ansässigen Bürger Österreichs oder Ungarns gegeben haben, den es an einem solchen Tag zu Hause geduldet hätte. Die französische Botschaft am Pariser Platz lag ziemlich unbeobachtet da. Nur wenigen Passanten fiel auf, dass, während die Front sonst völlig im Dunklen lag, das Vestibül noch hell erleuchtet war. … weiterlesen