Politik > International >

Nächtlicher Kampf vor Belgrad

Semlin, 30. Juli.
Kurz nach Mitternacht versuchten die Serben abermals, die Brücke zu zerstören. Unter dem Lichte des Scheinwerfers eines Monitors, der beständig die Brücke bewacht, sah man eine starke Abteilung serbischer Infanterie vorrücken. Die Serben wurden durch die österreichische Artillerie mit Schrapnells und Maschinengewehren beschossen. Auf serbischer Seite gab es viele Tote und Verwundete, und die Serben mussten zurück. Nach 2 Uhr wurde es wieder ruhig, aber schon gegen 4 Uhr begann wieder lebhaftes Gewehrfeuer. … weiterlesen

Politik > International >

Ist Russland berechtigt, sich in den österreichisch-serbischen Konflikt einzumischen?

Was gibt Russland ein besonderes Recht, sich in den österreichisch-serbischen Konflikt einzumischen? Nirgends grenzt es an Serbien; in weitem Umfang liegt rumänisches, ungarisches und bulgarisches Gebiet dazwischen; schon letzteres hat keine Landgrenze mit Russland. Auch dynastische Beziehungen, die übrigens heute noch weniger als früher als ein Grund zur Einmischung angesehen werden könnten, bestehen zwischen beiden Ländern nicht. Solange Österreich keine territorialen Veränderungen auf der Balkanhalbinsel vornimmt – und es erklärt, das keinesfalls zu wollen –, spielen auch keine Machtverschiebungen mit, die Russland irgendwie gefährlich werden könnten, indem Österreich als eventueller Gegner Russlands einen Kräftegewinn daraus ziehen könnte. – Irgendein Bündnis, das Russland verpflichtete, Serbien, im Fall es angegriffen wird, beizustehen, besteht ebenfalls nicht. Den Schiedsrichter oder die Polizei in Europa zu spielen, wenn sich zwei Völker in die Haare geraten, kann es auch nicht verlangen. … weiterlesen

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Die Beschießung von Belgrad

Semlin, 29. Juli.
Um fünf Uhr heute früh hat das Bombardement der österreichisch-ungarischen Monitore gegen die Befestigungen von Belgrad begonnen. Das Feuer wurde nach einiger Zeit auch von den Artilleriestellungen auf der kroatischen Seite aufgenommen, wo das Fort London mit dem Feuern begann. … weiterlesen

Kultur & Gesellschaft > Panorama >

Opfer des Krieges

Im Hotel Fürstenhof in der Königsgrätzerstraße zu Berlin hat sich in der vergangenen Nacht der bekannte Potsdamer Bankier Eugen Bieber mit seiner Gemahlin durch Zyankali vergiftet. Als man heute Vormittag in das Zimmer des Ehepaares eindrang, war bei beiden der Tod schon eingetreten. Die polizeilichen Recherchen ergaben, dass Bieber, der Inhaber des Potsdamer Bankhauses M. u. J. Bieber, ein Opfer der Kriegswirren geworden ist. Er hat in den letzten Tagen rund eine viertel Million Mark seines Vermögens verloren. Im Einzelnen wird uns zu dem traurigen Vorfall folgendes mitgeteilt: … weiterlesen

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Der erste Abmarsch

Wien, 29. Juli, nachts.
Die Neununddreißig sind populär. Dem Mittelstand aus der Mariahilfer Straße, der jeden Tag an der großen alten Stiftskaserne vorübergeht, ist dieses ungarische Regiment vertrauerter als manches deutsche. Sie sind jung, hübsch – und vor allem schneidige Musikanten, und haben somit alles, wovon die Wienerin träumt.

Aber heute Abend ist die Manöverstimmung verflogen. Den ganzen Nachmittag stauten sich die Tausende vor der Kaserne, doch nur, wer die Bedeckung eines Offiziers erwischen konnte, um durch das große Tor bei den Wachen vorbei zu gleiten, drang in den grün bewachsenen Kasernenhof vor. Dort warten tausend Mann. Alle sind grau, und man spürt voraus, wie schwer es zuweilen sein wird, Truppengattungen im Staube zu unterscheiden, da alles grau sein wird. … weiterlesen

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Kaiser Franz Josef in Wien.

Wien, 30. Juli.
Der Kaiser und der Thronfolger sind mittags in Wien eingetroffen und haben sich nach Schönbrunn begeben. Die Begrüßung durch die seit dem frühen Morgen ihres Kaisers harrende Wiener Bevölkerung, von der sich Hunderttausende an der Einfahrtstraße eingefunden hatten, gestaltete sich zu einer einzigartigen und überwältigenden Kundgebung der Liebe zu Kaiser und Vaterland. Schon um 8 Uhr morgens hatte eine wahre Völkerwanderung nach Penzing begonnen. Männer, Frauen und Kinder mit Fahnen, sämtliche Korporationen und Vereine mit ihren Fahnen und Musikkapellen zogen hinaus und besetzten die Straßen vom Schlosstor in Schönbrunn bis zum Bahnhof in Penzig. Die Häuser in Penzig und Hietzig tragen Fahnenschmuck. Auch in Ischl war es bei der Abreise des Kaisers zu begeisterten Kundgebungen gekommen.

Durch ein allerhöchstes Handschreiben ist der Protektorstellvertreter des Roten Kreuzes Erzherzog Franz Salvator zum Generalinspektor der freiwilligen Sanitätspflege ernannt worden. Erzherzogin Maria Theresia hat den Kaiser um seine Genehmigung gebeten, als Rote-Kreuz-Schwester dienen zu dürfen.

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Teilweise Mobilisierung in Russland

Im gestrigen Abendblatt haben wir auf die Gefahr hingewiesen, die in den „fortgesetzten, ungemein umfangreichen Rüstungen Russlands“ liege, und wir haben gesagt, dass diese Rüstungen „schließlich auch anderswo zu vorbeugenden Gegenmaßregeln führen könnten.“ Jeder Leser dürfte verstanden haben, was damit gemeint war. Infolge dieser Rüstung Russlands ist in den letzten vierundzwanzig Stunden die Stimmung der unterrichteten Kreise in der Tat eine noch ernstere geworden, und man macht an den leitenden Stellen, bei allem Festhalten an der Friedenshoffnung, kein Hehl daraus, dass man diese Auffassung teile. Es haben während des ganzen gestrigen Tages und Abend Beratungen stattgefunden, die dieser Frage der Rüstungen galten. Auch die Besprechung, die der Kaiser nachmittags mit dem Reichskanzler v. Bethmann Hollweg hatte, dürfte sich in dieser Richtung bewegt haben. … weiterlesen

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Die Kriegsbegeisterung in Wien

Wien, 30. Juli
Die gestrigen Kundgebungen übertrafen alle bisherigen weit an Stärke und Kriegsbegeisterung. Sämtliche Veteranenvereine und Kriegskorps veranstalteten vor dem Rathause patriotische Kundgebungen, an denen eine tausendköpfige Menge teilnahm. Der Bürgermeister hielt eine Ansprache, die mit brausenden Ovationen und Hochrufen auf den Kaiser und die Armee, auf Österreich, Kaiser Wilhelm und Deutschland aufgenommen wurde. Darauf zog die Menge vor das Deutschmeisterdenkmal und vor das Kriegsministerium, wo sich im Laufe des Nachmittags ungeheure Massen ansammelten. Hier fanden Verbrüderungsszenen statt. Der Jubel wollte kein Ende nehmen. Die Kundgebungen dauerten bis in die späten Nachtstunden. … weiterlesen