Politik > Deutsches Reich >

Die heimkehrenden Kriegsfreiwilligen aus Amerika

470 Militärpflichtige, zum Teil Deutsche, größtenteils jedoch Österreicher und Ungarn sind noch rechtzeitig vor Schließung der Häfen vorgestern mit dem „Gneisenau“ von Amerika in Hamburg angekommen. Die Gefahr des Vaterlandes hat die treuen Söhne ohne Verzug auf den Heimweg getrieben, um ihre Pflichten zu erfüllen. 13 Tage hatte der Dampfer zur Heimreise gebraucht, so daß hieraus hervorgeht, daß die im Auslande befindlichen Brüder der verbündeten Länder bedeutend früher an einen Krieg dachten als wir im Lande selber. Unter den Angekommenen befanden sich Leute, welche ihre guten Stellungen, viele auch, welche drüben einen eigenen Hausstand, Frau und Kind verließen, nur mit dem Gedanken beschäftigt, ihrem Vaterlande zu dienen. Vom Landungssteg herunter, ohne Aufenthalt, reichten sich die braven Männer, welche unterwegs die Verbrüderung ordentlich gefeiert hatten, noch einmal zum Abschied, um so schnell wie möglich in ihre engere Heimat zu gelangen. … weiterlesen

Wissenschaft und Technik > Medizin >

Der Arzt auf dem Schlachtfeld

Wir haben Professor Colmers zu dem nachstehenden Aufsatz aufgefordert, da er durch seine Tätigkeit im letzten Balkankriege sowie im russisch-japanischen Feldzuge Gelegenheit hatte, reiche kriegschirurgische Erfahrungen zu sammeln. Die Redaktion.

Die Arbeit des Chirurgen im Felde unterscheidet sich sehr wesentlich von der chirurgischen Tätigkeit im Frieden. Es ist bekannt, daß die chirurgische Kunst durch die Einführung des Aseptik und Antiseptik einen gewaltigen Aufschwung genommen hat und daß es kaum Verletzungen irgendeines Organs des menschlichen Körpers gibt, die nicht, wenn nur ein Schimmer von Hoffnung auf Erhaltung des Lebens besteht, in Friedenszeiten bei rechtzeitigem Eingreifen des Chirurgen der Heilung zugeführt werden könnten. Wir kennen die großen Erfolge bei Stich- und Schußverletzungen der Bauchhöhle, trotz vielfacher Durchlöcherung und Zerreißung des Darmes, die Erfolge der Herznaht und der Gefäßnaht bei Verletzungen größerer Schlagadern, bei Operationen nach Blutungen in das Innere der Schädelkapsel und bei vielen anderen schweren Verletzungen. Man sollte also meinen, daß man imstande wäre, im Kriege derartige Verletzungen, die früher hoffnungslos waren, einer glücklichen Heilung entgegenzuführen. Leider sind jedoch trotz aller umfassenden Maßregeln und der vortrefflichen Einrichtung des Sanitätswesens der Armee die äußeren Schwierigkeiten, due sich derartigen rasch vorzunehmenden Eingriffen im Felde entgegenstellen, unüberwindlich, und so kommt es, daß die moderne Kriegschirurgie eine scharfe Unterscheidung machen muß zwischen der Art der Versorgung der Verwundeten und der ihnen zuteil werdenden Hilfe auf dem Schlachtfelde beziehungsweise auf dem Hauptverbandplatze und zwischen der Behandlung der Verwundeten im Feldlazarett und den hinter diesen gelegenen Kriegs- und Etappenlazaretten. … weiterlesen

Politik > International >

Abreise des Freiherrn v. Schoen von Paris

Aus Paris wird über Kopenhagen gemeldet:
Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen hat Montag Abend um 10 Uhr mit dem Personal der Botschaft, dem deutschen Konsulat und den Mitgliedern der bayerischen Gesandtschaft Paris verlassen. Die französische Regierung hat den französischen Botschafter Cambon angewiesen, Berlin zu verlassen und das Archiv der Botschaft und den Schutz der französischen Interessen dem amerikanischen Botschafter anzuvertrauen. Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schoen hat den Botschafter der Vereinigten Staaten gebeten, die Sorge für die Interessen der Deutschen in Frankreich zu übernehmen.

Politik > Berlin >

Der Eindruck der Nachricht

Als kurz vor 8 ½ Uhr Abends die Extraausgabe des „Berliner Tageblatts“ zuerst die Mitteilung brachte, dass der englische Botschafter seine Pässe verlangt habe, ging durch ganz Berlin eine mächtige Bewegung. Sie war stärker als in den letzten achtundvierzig Stunden und ist in ihrem impulsiven Ausdruck nur der Stimmung zu vergleichen, die am Sonnabend Abend herrschte. Man konnte den Gesichtern im ersten Augenblick die Überraschung ablesen, aber gleich darauf hörte man das Lied aufsteigen, das in diesen schweren Tagen mehr ist als ein Lied: „Lieb Vaterland, magst ruhig sein!“ Nur dass es gestern Abend noch frischer, zuversichtlicher und trotziger klang. … weiterlesen

Politik > International >

Der französische Botschafter verlässt Berlin

Der französische Botschafter in Berlin, Jules Cambon, hat gestern Abend zehn Minuten vor 10 Uhr Berlin verlassen. Bereits im Laufe des gestrigen Nachmittags waren die Akten der französischen Botschaft aus dem Botschaftspalais am Pariser Platz fortgeschafft worden. In kurzen Zwischenräumen verließen dann die Mitglieder der französischen Botschaft in Mietautomobilen das Palais, ohne dass das nur spärlich auf dem Platze weilende Publikum ihre Abreise bemerkt hätte. Erst in den Abendstunden wogte eine ungeheure Menschenmenge Unter den Linden und dem Pariser Platz, und nach 9 Uhr standen vor dem Palais der französischen Botschaft vielköpfige Menschenreihen. Die Rampe vor der Botschaft war in weitem Umkreise durch ein starkes Aufgebot von Schutzleuten abgesperrt. Wenige Minuten vor 10 Uhr erscheint der Botschafter und besteigt in Begleitung mehrerer Personen das Auto. Pfiffe und Pfuirufe werden laut. Der Wagen fährt rasch im großen Bogen die Rampe des Palais hinab, das Auto nimmt seinen Weg die Linden entlang und in rasendem Tempo ist es bald verschwunden. … weiterlesen

Politik > International >

England erklärt Deutschland den Krieg

Halbamtlich wird mitgeteilt: „Heute, Dienstag nachmittag, kurz nach der Rede des Reichskanzlers, in der bereits der durch das Betreten belgischen Gebiets begangene Verstoß gegen das Völkerrecht freimütig anerkannt und der Wille des Deutschen Reiches, die Folgen wieder gut zu machen, erklärt war, erschien der großbritannische Botschafter Sir Edward Goschen im Reichstag, um den Staatssekretär v. Jagow eine Mitteilung seiner Regierung zu machen. In dieser wurde die deutsche Regierung um alsbaldige Antwort auf die Frage ersucht, ob sie die Versicherung abgeben könne, daß keine Verletzung der belgischen Neutralität stattfinden würde. Der Staatssekretär v. Jagow erwiderte sofort, daß dies nicht möglich sei, und setzte nochmals doe Gründe aneinander, die Deutschland zwingen, sich gegen einen Einfall einer französischen Armee durch Betreten belgischen Bodens zu sichern. Kurz nach 7 Uhr erschien der großbritannische Botschafter im Auswärtigen Amt, um den Krieg zu erklären und seine Pässe zu fordern. Wie wir hören, hat die deutsche Regierung die Rücksicht auf die militärischen Erfordernisse allen anderen Bedenken vorangestellt, obgleich damit gerechnet werden mußte, da´dadurch für die englische Regierung Grund oder Vorwand zur Einmischung gegeben sein würde.“ … weiterlesen

Politik > International >

Grey über Englands Teilnahme am Kriege

England lässt keinen deutschen Flottenangriff auf Frankreich zu. – Ein Appell des Belgierkönigs an England. – Teilnahme am Krieg nicht gefährlicher als Passivität – England zur Verwendung aller seiner Streikräfte bereit. – Ein abgelehnter deutscher Vorschlag an Belgien.

Nachstehendes ist der Schluss des offiziellen Berichts über Sir Edward Greys Unterhausrede vom Montag Nachmittag. (Die Red.) … weiterlesen