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Warum Italien neutral blieb

München, 6. August

Zur Neutralität Italiens schreibt die offiziöse „Korrespondenz Hoffmann“: „Wenn in schweren Zeiten ein Freund mannhaft zu uns steht und dies vor aller Welt verkündet, so hat das noch allemal in jedem Herzen ein moralisches Hochgefühl ausgelöst; aber freilich in dieser Welt in der die Dinge hart aufeinander stossen, sind uns solche frohe Entscheidungen nur selten beschert, und kein Politiker darf damit rechnen. „ Nur nach den Interessen seines Landes kann ein Staatsmann die Politik orientieren, auch dann, wenn damit vielleicht so manche Illusionen beim Nachbar endgültig zerstört werden. Und als die Neutralitätserklärung Italiens in diesen Tagen offiziell verkündet wurde, wird ohne Zweifel in Millionen von deutschen Herzen ein Gefühl solcher Art aufsteigen, wird eine Enttäuschung über den italienischen Freund empfunden worden sein. … weiterlesen

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Wie die englische Regierung mit der russischen verhandelte

In der Rede des Reichskanzlers v. Bethmann Hollweg, in der Kriegssitzung des Reichstages, hieß es: „Wir haben der englischen Regierung die Erklärung abgegeben, dass, so lange sich England neutral verhält, unsere Flotte die Nordküste Frankreichs nicht angreifen wird, und dass wir die territoriale Integrität und Unabhängigkeit Belgiens nicht antasten werden.“ Der englische Premierminister Asquith hat jetzt, wie berichtet wird, im Unterhause den Vorschlag der deutschen Regierung, die Integrität und Unabhängigkeit Belgiens zu verbürgen, falls England in dem drohenden Kriege zwischen Deutschland und Frankreich neutral bleiben wolle, ein „ehrloses Anerbieten“ genannt. Ob die Anwendung solcher Worte im gegenwärtigen Augenblick von staatsmännischer Überlegung zeugt, wollen wir nicht erörtern. Aber um die Methode der Herren Asquith und Sir Edward Grey klarzulegen, sei folgendes festgestellt: … weiterlesen

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Der Eindruck der Lütticher Nachricht in Berlin

Um sechs Uhr rief man sich die Nachricht von der Einnahme Lüttichs überall zu. Aber in diesen Tagen, wo die wildesten Gerüchte einander kreuzen, antwortete man den Frohgestimmten mit der vorsichtigen Frage: „Amtlich?“ Nein. Aber der eine hatte es von einem Schutzmann, der andere von einem Offizier. Den energischen Anspruch auf Glaubwürdigkeit aber vertrat ein Herr, der kurz  vorher das Tiergartenviertel passiert hatte. Vor der ehemaligen Villa Vegas war der Generaloberst v. Plessen in ein Automobil gestiegen und hatte des Vorübergehenden zugerufen: „Lüttich ist gefallen! Geben Sie es weiter!“ Man freute sich, aber man wollte doch noch die amtliche Bestätigung haben, bevor die Befriedigung ungehemmt durchbrechen sollte. … weiterlesen

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Die Einnahme von Lüttich

Amtlich wird gemeldet: Die Festung Lüttich ist genommen. Nachdem die Abteilungen, die den Landstreich auf Lüttich unternommen hatten, verstärkt worden waren, wurde der Angriff durchgeführt. Heute (Freitag) morgen 8 Uhr war die Festung in deutschem Besitz. Seine Majestät der Kaiser hat dem General der Infanterie v. Emmich, der persönlich im Sturm auf Lüttich die Truppen vorwärts führt, den Orden pour le mérite verleihen. (W.T.B) … weiterlesen

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Schreckenstage in Brüssel

Am Sonntag fuhren die deutschen Heerespflichtigen noch mit großer Begeisterung und selbst begrüßt von den zahlreichen, am Bahnhof anwesenden Belgiern aus Brüssel. Montag vormittag um 10 Uhr wurde durch belgische Extrablätter die Nachricht verbreitet, dass Deutschland die kriegerischen Unternehmungen gegen Belgien begonnen und die Grenze überschritten habe. Die vorher freundliche oder wenigstens wohlwollende Stimmung der belgischen Bevölkerung gegen die Deutschen schlug sofort in wilde Erbitterung um. Es ereignete sich, dass Belgier ihre deutschen Freunde auf der Straße mit geballten Fäusten bedrohten. Auf dem Konsulat, das sofort von einer ungeheuren Menschenmenge belagert wurde, sagte man allen Deutschen, dass sie sofort abfahren sollten. Die zahlreichen Bankiers, Kaufleute, Industriellen konnten nichts als das Notdürftige von ihren Geschäftspapieren retten, und der Zug, der Montag um 1 Uhr Brüssel verließ, wusste eine große Anzahl der anstürmenden Herren und Damen und die sehr zahlreichen Kinder zurücklassen. … weiterlesen