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Die Eroberung von Lüttich

Amtlich wird bekanntgegeben: In einer Depesche des Generalquatiermeisters heißt es: „Französische Nachrichten haben unser Volk beunruhigt. Es sollen 20 000 Deutsche vor Lüttich gefallen und der Platz überhaupt noch nicht in unserem Besitz sein. Durch die theatralische Verleihung des Kreuzes der Ehrenlegion an die Stadt Lüttich sollten diese Angaben bekräftigt werden. Unser Volk kann überzeugt sein, dass wir weder Misserfolge verschweigen, noch Erfolge aufbauschen werden. Wir werden die Wahrheit sagen und haben das volle Vertrauen, dass unser Volk uns mehr als dem Feinde glauben wird, der seine Lage vor der Welt möglichst günstig hinstellen möchte. Wir müssen aber mit unseren Nachrichten zurückhalten, solange sie unsere Pläne der Welt verraten können. Jetzt können wir ohne Nachteil über Lüttich berichten. … weiterlesen

Kultur & Gesellschaft > Panorama >

Krieg und Schule

Der Schulbeginn nach den großen Ferien hat in diesem Jahre unter dem Zeichen des Krieges ein wesentlich anderes Bild als sonst gezeigt. Hunderte von Berliner Lehrern an den höheren und an den Gemeindeschulen haben während der Ferienzeit dem Ruf zur Fahne Folge geleistet, und in vielen Fällen sind auch die Direktoren und Rektoren zu den Waffen geeilt. Selbst die Zahl der Schüler in den oberen Klassen der höheren Schulen hat sich stark gelichtet, da viele von ihnen als Freiwillige oder als Erntehilfsarbeiter Berlin verlassen haben. In den höheren Anstalten wurde heute früh besondere Feiern abgehalten, bei denen die Anstaltsleiter Ansprachen hielten. Der Direktor des französischen Gymnasiums, Geheimer Studienrat Professor Dr. Esternaux wies seine Kollegen und Schüler darauf hin, dass es jetzt zwar eine ernste Zeit, dass es aber andererseits jetzt eine Lust zu leben sei, da sich alle Gegensätze und Unterschiede in Parteien und konfessionellen Dingen ausgeglichen hätten. Ein Zug der Einigkeit gehe durch das ganze deutsche Volk. Alles stehe hinter dem großen Zweck zurück, der vor uns liege. Zum Schluss überbrachte Geheimrat Esternaux den Schülern die Grüße der Lehrer, die ins Feld gezogen sind, und wandte sich dann an die acht Primaner, die in den letzten Tagen das Examen bestanden und sich freiwillig zu den Fahnen gemeldet haben. Die Frage, wie der Unterricht in den höheren Schulen aufrechtzuerhalten ist, ist Gegenstand eingehender Konferenzen gewesen. Man hat beschlossen, durch Austausch der noch zur Verfügung stehenden Lehrkräfte den Schwierigkeiten nach besten Kräften zu begegnen. Auch sollen die Primaner zum Unterricht in den unteren Klassen herangezogen werden. … weiterlesen

Politik > Deutsches Reich >

Krieg und Lebensmittelversorgung

Der Erfolg im heutigen Kriege hängt nicht allein von der Masse der aufgebotenen Truppen, der Qualität der Massen und der guten oder schlechten Führung ab, sondern nicht minder von der Finanzlage und vor allem von der Möglichkeit ausreichender Ernährung der im Felde stehenden Truppen wie der in ihrem Heim zurückgebliebenen Bevölkerung – kurz davon, das Wirtschaftsgetriebe im eigenen kriegführenden Lande, soweit es unter solchen Verhältnissen möglich ist, aufrechtzuerhalten. In dieser Hinsicht ist das Eingreifen Englands von großer Bedeutung. Es kommt nicht nur unser Handel mit England selbst in Betracht, obgleich wir mit England unter allen auswärtigen Staaten bisher die bedeutendsten Handelsbeziehungen unterhalten haben und dieser Handel im vorigen Jahr insgesamt 2314 Millionen Mark betragen hat, wovon 1438 Millionen Mark auf die Ausfuhr, 876 Millionen Mark auf die Einfuhr entfallen. Auch der Handel mit den englischen Kolonien, der im letzten Jahr ungefähr 112 Millionen Mark betragen hat, kann durch die Blockade unterbunden werden und ferner der Schiffsverkehr mit allen übrigen überseeischen Ländern. … weiterlesen

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Der Sieg bei Mühlhausen

Der Sieg im Südwestwinkel unserer Reichsgrenze hat eine ganz besondere Bedeutung. Wenn es überhaupt möglich ist, die Kriegsbegeisterung unseres ganzen Volkes und besonders der Feldtruppen noch zu erhöhen, so sind es glückliche Nachrichten während der Zeit der Mobilmachung und des Aufmarsches. Und schon haben wir zwei Heerestaten zu verzeichnen, die uns fast wie eine Fortsetzung unseres Siegeslaufes im Herbst des Jahres 1870 anmuten. Im Norden eine starke feindliche Festung, verteidigt von einer großen Übermacht, fast im Anlauf genommen, im Süden ein feindlicher Vorstoß von über 50 000 Mann aus befestigter Stellung versagt und von der Rückmarschlinie abgedrängt. Unsere Truppen werden jubeln und alle Welt wird mit denen fühlen, die nicht mit hinaus können, um an dem Ruhm der Nation ihren Anteil zu erwerben. Die andere Bedeutung ist der Eindruck auf den Feind. Wir scheinen nicht die ganze Besatzung Lüttichs zu Gefangenen gemacht zu haben. Sie hat sich schlecht geschlagen, wie der Generalquatiermeister v. Stein uns mitteilt. Das heißt also, man ist ausgerissen und wohl in der Richtung aus Antwerpen. Welches Entsetzen eine so verjagte aus ihren Werken getriebene Armee unter noch nicht im Kampf gewesenen Truppen verbreitet, dafür hat die Geschichte unzweideutig Beispiele. Der belgische Mut wird zusammenschrumpfen. Und ebenso wird es auf französischer Seite gehen. Denn die „Vogesendivision“, die bei Mühlhausen das Laufen lernte, war eine Elitetruppe. Ob sie die Wälle Belforts glücklich erreicht hat, ohne dezimiert oder gefangen zu sein, wissen wir noch nicht. Vielleicht hat sie ein anderes Ende vorgezogen: sich von den Schweizer Truppen, wie einst Bourbaki, entwaffnen zu lassen. … weiterlesen

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Die Siegesstimmung unter den Linden

Um acht ein Viertel Uhr jagte gestern Abend ein Automobil durch den mittleren Fahrweg des Brandenburger Tores. Hoch aufgerichtet steht in ihm ein Generalstabsoffizier, er legt die Hände an den Mund und mit weithin hallender Stimme ruft er über den Pariser Platz: „Ein Sieg der Deutschen bei Belfort! Das 7. Armeekorps und eine Division der Franzosen geschlagen! Gebt es weiter!“ Mit der Siegesstunde fährt er die Linden entlang zum Schloss. Die Nachricht dringt in die Seitenstraßen, die von den Linden in das Innere der Stadt führen, Schutzleute sprengen sie auf, und binnen wenigen Minuten ist die vorher einsame Straße von einer schwärzlich wogenden Menge erfüllt. Unter dem Denkmal des alten Fritzen scharen sich um drei hier stehende Schutzleute dicke Menschenmassen und lauschen auf die Wortfetzen, die zu ihnen herüberdringen. Es haben sich in dieser kurzen Zeit bereits Varianten der Botschaft gebildet, man will Gewissheit haben über die kleinen Gegensätze, die sich aus Hörfehlern ergeben haben. Aber der Kern der Nachricht, dass die Deutschen am neunten Mobilmachungstag in der Nähe des fast uneinnehmbaren Belfort ein französisches Korps zu Paaren getrieben haben, hat jeder richtig erfasst, und ein tausendfaches Hurra pflanzt sich die Linden entlang bis zum Brandenburger Tore fort. … weiterlesen

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Die Siegesdepesche

Der Große Generalstab gab gestern Abend 8 ½ Uhr folgendes bekannt:

Von Belfort in das Oberelsass nach Mühlhausen vorgedrungener Feind, anscheinend das siebente französische Armeekorps und eine Infanteriedivision der Besatzung von Belfort, sind heute von unseren Truppen aus einer verstärkten Stellung westlich Mülhausen in südlicher Richtung zurückgeworfen. Verluste unserer Truppen nicht erheblich, die der Franzosen groß. … weiterlesen

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Serbiens Kriegserklärung an Deutschland

Wie wir hören, hat Serbien schon vor einigen Tagen es für notwendig gehalten, dem Bundesgenossen Österreichs, dem Deutschen Reiche, den Krieg zu erklären. Der serbische Geschäftsträger in Berlin erschien auf dem Auswärtigen Amt und forderte seine Pässe. Infolgedessen erhielt der deutsche Gesandte in Belgrad, Herr v. Griesinger, aus Berlin die Order, gleichfalls abzureisen. Herr v. Griesinger befindet sich jetzt in Sofia. Wie mit Serbien, sind auch die diplomatischen Beziehungen mit Montenegro abgebrochen worden.

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Auf dem Kampffelde bei Lüttich

Der „Düsseldorfer Generalanzeiger“ erhält von einem Deutschen, der sich am Donnerstag an der deutsch-belgischen Grenze und bei Lüttich aufgehalten hat, folgende Schilderung: Am Donnerstagnachmittag gegen 2 Uhr trafen wir mit unserem Auto, das Lebensmittel für Krankenhäuser beförderte, in Aachen ein. Neben dem Theater hatte man eine Verwundetenstation eingerichtet. Wir fuhren dann in ein Hotel, und während wir dort aßen, wurde ein verwundeter Offizier gebracht, der sich auf seinen Kameraden stützte. Dieser andere Offizier kam nachher heraus; obwohl er abgespannt und müde sein musste, trat er doch freudestrahlend an unseren Tisch mit den Worten: „Freuen Sie sich meine Herren, wir ziehen bald in Lüttich ein!“ Während er noch sprach, kam ein Auto mit drei verwundeten Soldaten, die mit Wein gelabt wurden und als wir noch vor dem Hotel standen, sahen wir einen Trupp Infanteristen, in der Mitte vier Zivilpersonen, die deutsche Patrouillen überfallen und aus dem Hinterhalt auf sie geschossen hatten. Man hatte sie mit Riemen gefesselt. Bald darauf kam ein Auto mit fünf Soldaten, die einen Spion festgenommen hatten, sowie mehrere Bauern, die gleichfalls meuchlings auf unsere braven Soldaten gefeuert hatten. … weiterlesen