Politik > Deutsches Reich >

Hamburg zur Kriegszeit

Hamburgs gewaltiges Kaufmannsleben liegt still. Mit tausend Armen griff der Handelsverkehr dieser Stadt um den Erdball.
22 Millionen Tonnen, das sind 22 Milliarden Kilogramm, wurden um neuen Jahrhundert alljährlich hier eingebracht, ausgefahren. Nun rühren sich die Arme nicht mehr. Rund 20 000 Schiffe besuchten alljährlich den Hafen Hamburgs. Nun bleiben sie fort. 1500 Hamburger Schiffe trugen die Waren und Menschen aus und ein: nun liegen sie ohne Dampf und mit stillen Maschinen in den neutralen Häfen der Welt. … weiterlesen

Politik > International >

1500 französische Kriegsgefangene

Amtliche Meldungen von gestern abend belegen: Bei Mülhausen haben die deutschen Truppen zehn französische Offiziere und 513 Mann gefangen genommen. Außerdem wurden vier Geschütze, zehn Fahrzeuge und eine sehr große Anzahl Gewehre erbeutet. Der deutsche Boden ist vom Feine gesäubert. Bei Lagarde sind den deutschen Truppen über 1000 unverwundete Kriegsgefangene in die Hände gefallen, über ein Sechstel der beiden französischen Regimenter, die im Gefecht standen. (W.T.B.) … weiterlesen

Kultur & Gesellschaft > Die Frau >

Was die Frauen tun

Verpflegung auf dem Bahnhof

Unsere braven Reservisten und Landwehrmänner, die in den Krieg ziehen, brauchen unterwegs nicht Hunger und Durst zu leiden, die freiwillige Bahnhofsverpflegung ist gut und reichlich. Ist es doch der letzte Liebesgruß der Heimat.

In Groß-Berlin teilen sich das Rote Kreuz und der Berliner Frauenverein gegen den Alkoholismus in diese Aufgabe. In der Sammelstelle des letzteren, Invalidenstraße 127, zweiter Hof, werden Liebesgaben dankbar angenommen. Besonders begehrt sind Brot, Butter, Wurst, Käse, Schokolade, Zigarren. Der Aufruf um Spendung leerer Flaschen hat einen so großen Erfolg gehabt, daß man für die restlichen tage der Mobilmachung ausreichend damit versorgt ist. Einen solchen betrieb zu sehen ist eine Freude. Auf dem Güterbahnhof Tempelhof erheben sich an beiden Enden des Bahnsteiges die Kantinen des Roten Kreuzes und des Berliner Frauenvereins gegen den Alkoholismus. Dazwischen liegt die Feldküche mit der offenen Mannschaftsspeisehalle. In den Kantinen, die mit Gas- und Wasserleitung versehen sind, wird fieberhaft gearbeitet: alles geht mit militärischer Pünktlichkeit. Unter der Aufsicht einer leitenden Dame, die selber unermüdlich zugreift, arbeitet etwa ein Dutzend junger Mädchen. An die Brotschneidemaschine hat man einen kräftigen Herrn gestellt, denn es ist keine kleine Arbeitsleistung, sechs Stunden hintereinander Brot zu schneiden. Immer sechs Stunden währt der Dienst, dann kommt Ablösung; in dieser Zeit sind etwa tausend Soldaten zu speisen. Die jungen Mädchen streichen die Butterbrote, schneiden den Belag, wickeln die Brote ein und verpacken sie in Körbe. Alles dies geschieht rasch, peinlich sauber und appetitlich. Wieder andere bereiten Limonade und füllen sie in Gläser und Flaschen, kochen Kaffee in einem Riesenkessel.

Ein Zug fährt ein – es ist Artillerie. Der Unteroffizier verkündet, wie lange der Aufenthalt dauert, und eilig verlassen die Wehrmänner den Wagen. Vor der Feldküche stehen riesige Kessel mit Linsensuppe und Fleisch – jeder erhält seine Portion. Dann wird das Limonadenbuffet umdrängt; Flaschen mit Limonade und Kaffee und Butterbrotpakete werden verteilt. Als besonders geschätzte Zugaben werden Zigarren genommen. Auch die Soldaten, die den Dienst bei den Pferden haben und deshalb den Zug nicht verlassen dürfen, werden nicht vergessen. Zwei junge Mädchen eilen die Wagenreihe entlang und verteilen mit Hilfe einiger Pfadfinder Butterbrote und Getränke, ja sogar Zuckerstücke für die Pferde. Die Stimmung unserer Truppen ist vorzüglich, in allen lebt die gleiche Zuversicht. Der Geist der Kameradschaftlichkeit hat alle Unebenheiten ausgeglichen. Nur eins entbehren die, die ausziehen, zu kämpfen und zu siegen, schmerzlich: Neuigkeiten vom Kriegsschauplatz, Zeitungen. Sie sind oft schon lange unterwegs und die Ereignisse gehen unterdessen mit Riesenschritten vorwärts.

Während unsere Krieger ihre Linsensuppe verzehren, bringt jemand eine neue Siegesnachricht. Mit einem dreifachen donnernden Hurra wird darüber quittiert. Dann bläst der Trompeter ein kurzes Signal, und mit einigen raschen Sätzen ist jeder auf seinem Platz. Der Zug setzt sich in Bewegung, die Hände der Mädchen und Frauen, die eben noch Speise und Trank verteilten, schwingen wehende Tücher. Singend winken die Soldaten zurück und hinaus geht‘s in die Zukunft, vor den Feind.

Politik > Deutsches Reich >

Mobilmachung in der Nordmark

Flensburg, im August.

Erst fünfzig Jahre lang gehört Schleswig-Holstein zu Deutschland, ein winziger Zeitraum im Leben der Völker, und doch fühlen und denken unsere jungen Leute hier so deutsch, als hätten sie Jahrhunderte lange Traditionen schon mit dem deutschen Vaterlande verbunden. Mit ihren kleinen Paketen und Köfferchen eilen die frischen Jungen in die Kasernen, und als schmucke Soldaten, in den kleidsamen grau-grünen Felduniformen, verlassen sie sie wieder. Man begreift es nicht, woher auf einmal die vielen, vielen neuen Uniformen und gelben Feldstiefel kommen: „Da sücht man doch, wo dat veele Geld blewen is,“ sagte mir ein guter Bekannter, und ein anderer versicherte mir: „Jik hew sonst immer öwer die hohen Stüern und den verdammten Militarismus schimpt. Nu do ick dat nich mehr, denn ick seh‘ ja, dat dat sien mött.“ So macht der Krieg gute Patrioten. … weiterlesen

Kultur & Gesellschaft > Panorama >

Selbstmordversuche infolge Felddienstuntauglichkeit

Die Verzweifelung über ihre Nichtverwendbarkeit im Felde hat gestern nachmittag zwei Personen zum Selbstmordversuch getrieben. Vor dem Gebäude des Bezirkskommandos in Schöneberg schoß sich ein Oberleutnant der Artillerie eine Revolverkugel in die Brust und brach schwerverletzt zusammen. Er wurde in das Garnisonslazarett gebracht, dürfte aber kaum mit dem Leben davonkommen. Der Offizier war vor längerer Zeit erkrankt und sollte deshalb nicht mit ins Felde rücken. Er richtete mehrfache Gesuche an die vorgesetzte Behörde, erhielt aber einen abschlägigen Bescheid. Gestern unternahm er noch einen letzten Versuch beim Bezirkskommando. Er hatte aber wieder keinen Erfolg, und aus Verzweifelung darüber wollte er seinem Leben ein Ziel setzen. … weiterlesen