Politik > Deutsches Reich >

Kriegführung und Öffentlichkeit, Zensur und Presse

Über die Notwendigkeit weitergehender Geheimhaltung in einem modernen Kriege ist besonders in diesen Tagen des beginnenden Ringens um Deutschlands Existenz und Weltfeststellung schon so viel geschrieben worden, dass es fast überflüssig erscheint, noch einemal hierzu das Wort zu ergreifen. Es kommt uns aber heute darauf sn, auf gewisse Zusammenhänge zwischen den obengenannten Begriffen hinzuweisen, die häufig übersehen werden und die zur Verurteilung, namentlich der Regierungsmaßnehmen, doch wesentlich sind. Welche Vorteile für ein kriegführendes Volk die Geheimhaltung seitens Regierung und Kriegsleitung, gepaart mit äußerster Verschwiegenheit des ganzen Volkes, zu bringen vermag, zeigt die Geschichte des russisch-japanischen Krieges aufs deutlichste. Es ist nicht zu verkennen, dass die deutsche Kriegsleitung in dieser Beziehung von den Erfolgen der Japaner gelernt hat. Es ist aber auch nicht von der Hand zu weisen, dass in dem dichten Schleiern der heutzutage über alle Operationen und Bewegungen und über das Schicksal der im Felde Stehenden gezogen wird, eine große Härte für die Zurückbleibenden, insbesondere für die Angehörigen liegt. Diese Härte, die den im Lande Bleibenden auferlegt wird, muss aber als eines der Opfer betrachtet werden, die das gesamte Volk in Kriegszeiten für das Vaterland zu bringen verpflichtet und – Gott sei es gedankt – bei uns in Deutschland ja auch von Herzen willens ist. … weiterlesen

Politik > International >

Wie wir uns retten!

Noch am 2. August befand ich mich mit meinen beiden kleine Söhnen im Alter von drei und acht Jahren und der jungen Gouvernante ahnungslos in einem kleinen Hause nahe Ostende, die letzten Deutschen zwischen Franzosen, Engländern und Belgiern. Wenig war bis hierher gedrungen, keiner hatte uns eine Warnung gesandt, niemand war orientiert – die Sonne lachte, das Meer war blau und friedlich, und an eine Gefahr hier in Belgien dachte niemand. Mein Mann war am 2. August morgen nach der Kriegserklärung mit Russland sofort abgereist, um sich zu stellen, und hatte uns in gutgemeinter Fürsorge zurückgelassen, auf dem neutralen Boden, wo nichts passieren könne und wo wir in frischer Luft und Ruhe, fern von den Kriegswirren, leben konnten. Wir erhielten die Weisung, hier zu bleiben und weitere Bestimmungen abzuwarten.

Und die Kinder zogen ihre Schiffchen im Wasser – und die Zurückgebliebenen schlossen Freundschaft – eine plötzliche, seltsame, fieberhafte Freundschaft, die jäh mein Misstrauen wachrief, besonders als man uns immer dringender zum Bleiben riet. … weiterlesen

Politik > Deutsches Reich >

Der Dank des Kaisers für Mühlhausen

Se. Maj. der Kaiser hat seiner Anerkennung über den Sieg von Mühlhausen in folgendem Telegramm Ausdruck gegeben:

An das Armeekommando.

Dankbar unserem Gott, der mit uns war, danke Ich Ihnen und den tapferen Truppen für den ersten Sieg. Sagen Sie allen beteiligten Truppen Meinen Kaiserlichen Dank, den ihr oberster Kriegsherr ihnen im Namen des Vaterlandes ausspricht.

(gez.) Wilhelm I. R.

Das Oberkommando ließ folgendes Antworttelegramm an den Kaiser abgehen: Auf dieses Telegramm gibt es nur eine Antwort: „Seine Majestät der Kaiser Hurra.“

Wirtschaft > Die Kolonien >

Der Krieg und die Kolonien

Fürsorge für die Angehörigen von Kolonialbeamten.
Berlin, 13. August. Seit der Schiffsverkehr mit den deutschen Kolonien gestört ist, werden manche hier in Deutschland lebende Angehörige von Kolonialbeamten und sonstigen Angestellten der kaiserlichen Gouvernements in Afrika und in der Südsee in Sorge sein, woher sie jetzt die Mittel zum Leben nehmen sollen, die ihnen sonst regelmäßig durch Bankhäuser oder durch die Post nach Anweisung aus den Kolonien zugegangen sind. Diese Sorgen werden nunmehr dadurch behoben, dass der Staatssekretär Dr. Solf soeben Bestimmungen zur Hilfeleistung getroffen hat. Wie wir hören, wird danach solchen in Not befindlichen Antragstellern ein Teil der Gebührnisse ihrer bei den Gouvernements angestellten Männer, Söhne, Brüder usw. während des Krieges in jedem Monat durch die Kolonialhauptkasse oder durch deren Vermittlung ausgezahlt werden, wenn sie nachweisen können, dass ihnen Geldbeträge zu ihrem Lebensunterhalt in regelmäßigen Zeitabschnitten aus den Kolonien überwiesen worden sind.

Politik > Deutsches Reich >

Die ersten französischen Gefangenen

Vier Tage ohne Nahrung. – Zerrissene Lackstiefel.

Auf der Station Freiburg i. Br. trafen am Sonntag 7 Uhr laut „Frbg. Tagespost“ die ersten französischen Gefangenen ein: ein Korporal und zwei Gemeine des französischen Jägerregiments Nr. 31. Deutsche Grenzjäger führten den Transport. Als das den Bahnhof umsäumende zahlreiche Publikum der „Rotmützen“ ansichtig wurde, ging eine lebhafte Bewegung durch die Menge. Alle wollen die „leibhaftigen französischen Soldaten“ sehen und drängten den Bahnhofsausgängen zu, wo ein beängstigendes Gedränge entstand. Doch kamen die Neugierigen nicht auf ihre Rechnung. Der Bahnhofskommandant verfügte, dass die Gefangenen den Bahnkörper überschreiten und in der Wenzinger Straße ein Auto besteigen mussten, dass sie zu „ihrer Internierung in die Nordkaserne brachte. Einer der französischen Soldaten trug eine recht zufriedene Miene zur Schau, während die beiden anderen ernster dreinblickten. … weiterlesen

Politik > International >

Der Brief eines Lüttich-Stürmers

Aus dem Lazarett in Aachen schreibt ein verletzter Einjähriger, der mit bei der ersten Attacke auf Lüttich war, seinen Eltern einen Brief, den wir nach dem „Hambg. Frdbl.“ veröffentlichen:

Aachen, 8. August.

Liebe Eltern!

In der Nacht von Sonntag auf Montag, 2./3. August, fuhren wir von Wismar ab und wurden auf der ganzen Fahrt überall mit Begeisterung begrüßt, was natürlich sehr ermutigend auf uns einwirkte; freilich kamen wir kaum einen Augenblick zum Schlafen. Am 4. August, nachts, trafen wir an unserem Bestimmungsort ein, hatten dann am folgenden Morgen, 5. August, von früh 5 Uhr bis abends 7 Uhr zu marschieren, eine kolossale Anstrengung, wobei von anderen Regimentern viele zurückblieben, namentlich von der Reserve, die dann von den hinterlistigen Einwohnern erschossen wurden. Die Bewohner Belgiens sind Kanaillen und Bestien, jeder Zurückbleibende ist rettungslos verloren. Bis zehn Kilometer in Belgien hinein wurden wir noch freundlich empfangen, dann aber ging’s los. Die Belgier schießen auf alles, auch auf das „Rote Kreuz“. Ja, sogar noch in Deutschland, ein bis zwei Kilometer von der Grenze entfernt, schossen gestern fünf belgische Arbeiter auf einen Verwundetentransport. Drei von der Bande konnte man packen, die anderen sind entwischt. In einem Dorf, das unsere Truppen besetzt hielten, wurde von der Bevölkerung auf eine Husarenpatrouille von achtzehn Mann geschossen, natürlich ging dann das ganze Dorf in Flammen auf, und von den Einwohnern ist wohl keiner entkommen. Wir selbst wurden schon im ersten Biwak am 4. August von den Einwohnern überfallen, auch am 5. August wurde beim Durchmarsch durch ein Dorf von den Einwohnern auf uns geschossen, worauf wir natürlich scharfe Strafe folgen ließen. … weiterlesen

Kultur & Gesellschaft > Panorama >

Ein Stimmungsbild aus Stuttgart

Aus Stuttgart wird uns geschrieben:

Die Mobilmachung hat das gewerbliche Leben Stuttgarts fast vollständig zum Stillstand gebracht. Nach amtlichen Mitteilungen in der Stuttgarter Presse sind bereits 30 000 Einwohner Stuttgarts, darunter 15 000 Familienväter, zum Kriegsdienst einberufen. Die meisten Fabrikbetriebe stehen still oder suchen mit kleiner Arbeiterzahl den Fortgang der Produktion aufrecht zu erhalten. Am schwersten sind die Handwerker und kleinen Industriellen getroffen, ebenso die kleinen Geschäftsleute. Nur die Lebensmittelgeschäfte haben Hochkonjunktur. Sehr segensreich wirkt der Konsumverein, der den größten Teil der Bevölkerung mit Brot versorgt. Trotz der scharf gestiegenen Mehlpreise hält er noch am alten Brotpreis fest und zwingt so die Bäckermeister, das gleiche zu tun. Dem Lebensmittelwucher der Bauern und Markthändler tritt die Behörde mit anerkennenswerter Entschiedenheit entgegen. Die Preise für Frühkartoffel waren bereits um 100 Proz. in die Höhe getrieben. Die Drohung mit sofortiger Konfiskation bewirkte, dass man sie wieder zum alten Preis haben kann. Auch gegen Hausbesitzer, die den zum Kriegsdienst Einberufenen die Wohnung kündigen, geht das Generalkommando mit rücksichtsloser Energie vor. Die Anwälte Stuttgarts haben zudem beschlossen, Austreibungsklagen nicht anzunehmen. … weiterlesen

Kultur & Gesellschaft > Panorama >

Lehrer und Gymnasiasten im Kriege

Berliner Lehrer im Felde. – Die Notprüfungen der Gymnasiasten.

In den letzten Tagen hatten die Direktoren und Lehrer der Berliner Gymnasien und Realgymnasien alle Hände voll zu tun, um die durch die Kriegslage nötig gewordenen Notreiseprüfungen der Primaner vorzunehmen. Die Begeisterung unter den Berliner Primanern ist so groß, dass sich fast alle zu den Prüfungen gemeldet haben. Soweit wir erfahren konnten, haben auch alle – abgesehen von einigen ganz wenigen Ausnahmen – die Prüfung bestanden. In die allseitige Freude über die erfolgreichen Examina und die Hoffnung, nun gegen den Feind kämpfen zu können, ist aber ein bitterer Tropfen hineingegossen worden, denn die vorgesetzte Behörde hat die in Gymnasialkreisen als recht hart empfundene Bestimmung getroffen, dass die Notreifeprüfungen nur dann gültig sind, wenn der betreffende Schüler den Nachweis erbringen kann, dass der wirklich bei einem Truppenteil angenommen worden ist. Gelingt dieser Nachweis nicht, so muss der junge Mulus wieder die Schulbücher unter den Arm nehmen und von neuem zur Schule wandern, um die Abschlussprüfung dann zur gesetzmäßigen Zeit abzulegen. Auch die Annahme beim Roten Kreuz befreit nicht von dieser Bestimmung. … weiterlesen

Politik > International >

Die Verhaftung von Deutschen in England

Die Bewegung gegen den Krieg.
Ein ungarischer Reisender, der London am Sonntag, 9. August, verließ, erzählt uns über die Stimmung in  England folgendes: Kurz vor unserer Abreise von der Victoria-Station fand auf dem Trafalgar Square eine große Demonstration der Londoner Bevölkerung gegen den Krieg statt. Die Regierung ließ für eine Gegendemonstration Stimmung machen, die aber direkt lächerlich wirkte, da nur unreife Burschen daran teilnahmen. Die englische Presse, besonders die „Times“ am Sonntag mit einem Extrablatt, das von Lügennachrichten geradezu strotzte. Die populäre Zeitschrift „John Bull“ schreibt nach wie vor gegen den Krieg. Serbien, das Land der Bombenfabrikation, müsste vernichtet werden, das Blatt wendet sich gegen Russland, Frankreich und seine Kriegsverbündeten. Die englischen Zeitungen fragen täglich, wo sich die deutsche Flotte aufhalten möge. Der schneidige Vorstoß der „Königin Luise“ hat auf die englische Bevölkerung einen großen Eindruck gemacht und ihr gezeigt, dass die deutschen Schiffe vor nichts zurückschrecken werden. … weiterlesen

Lifestyle > Vom Hofe >

Hof- und Personalnachrichten

Berlin, 13. August. I. Maj. die Kaiserin empfing nachmittags den Fürsten und die Fürstin v. Bülow. Später begaben sich beide Majestäten nach Potsdam.

Ihre Majestät der Kaiser und die Kaisern besuchten, wie aus Potsdam gemeldet wird, Donnerstagabend das Mausoleum in der Friedenskirche zu Potsdam und verweilten längere Zeit im stillen Gebet am Sarkophage Kaiser Friedrichs. Um 7 Uhr 15 Min. kehrte das Kaiserpaar nach Berlin zurück.