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August 1870

Erinnerungen eines Berliner Jungen.

Wenn wir nicht mit Frankreich auf dem Kriegsfuße ständen, würde ich sagen: on revient toujors –, so aber will ich in meinem geliebten Deutsch ausdrücken, welch eigenartiges Gefühl sich unserer bemächtigt, wenn man an der Grenze zum Alter noch einmal die von überwältigender Begeisterung getragenen Zeiten durchlebt, die als stolzeste Erinnerung der Jugend tief im Herzen geborgen lagen.

Wir waren Jungens von dreizehn bis vierzehn Jahren, als König Wilhelm – für den Begriff Kaiser hatten wir noch keine Empfindung – seine Proklamation an das Volk richtete, und wenn wir auch schon zwei Kriege „mitterlebt“ hatten, solche jubelnde Begeisterung, solch brandendes Wogen freudigster Anteilnahme war neu. Ich weiß noch, wie mein Vater und unsere älteren Verwandten sorgenvoll die Köpfe zusammensteckten und darüber debattierten, ob Süddeutschland mit uns, den Preußen, gehen würde: als aber dies bestätigte Tatsache war, da freute sich jedes Herz, und alle Sorge um den Ausgang des Krieges war gewichen. … weiterlesen