Politik > International >

Die Völker und der Krieg

Alle sagen dasselbe und beteuern es mit gleicher Leidenschaft: daß sie den Krieg nicht gewollt haben, daß sie zu ihm nur gezwungen wurden, daß sie nur in der höchsten Notwehr gehandelt haben, als sie den Krieg erwählten. In einem gewissen Ausmaß mag das sogar bei allen der Fall sein. Denn keiner von den fünf großen Militärmächten, die nun in einem Ringen auf Tod und Leben begriffen sind, wird sich darüber im unklaren befinden, was ein moderner Krieg bedeutet, was mit ihm aufs Spiel gesetzt wird, was da auf des Messers Schneide gestellt wird. Die Wahrheit wird wohl sein, daß alle den Frieden bewahren „wollten“, alle aber auch mit dem Krieg rechneten, mit dem Kriege, der von ihnen ausgehen solle. Aber wir vernehmen heute noch andere Versicherungen. Wir hören, daß das Volk in England den Krieg nicht wollte, nicht will, ihm ohne jede innere Teilnahme, wenn nicht mit Widerwillen entgegensieht. Wir hören, daß das Volk in Frankreich von der Kriegserklärung aufs peinlichste überrascht worden ist, daß keine Kriegsbegeisterung herrscht, daß die Stimmung bei den großen Massen gedrückt ist. Wir hören, daß die Bauernmassen in Russland geradezu verzweifelt sind, da sie der Befehl zur Einrückung trifft; wir hören dasselbe auch von Serbien, wo sich das einfache Volk gegen die Wahnsinnspolitik der Belgrader Kriegshetzer im hellen Aufruhr befindet. Und wie war es in den deutschen Landen? … weiterlesen

Kultur & Gesellschaft > Die Frau >

Der Nationale Frauendienst

Organisation und Tätigkeit.

Die zweitgrößte Organisation der Frauen, die neben dem Roten Kreuz, aber in Fühlung mit ihm, arbeitet, ist der Nationale Frauendienst. Er vertritt den Bund deutscher Frauenvereine, umfasst also alle Vereine, die nicht an den Vaterländischen Frauenverein und das Rote Kreuz angeschlossen sind. Die Hauptgeschäftsstelle des Nationalen Frauendienstes bedient sich in den Bureaus der Zentrastelle für Volkswohlfahrt, Berlin W., Augsburger Straße 61. In diesen Bureaus herrscht ein außerordentlicher Andrang und eine ungeheure Arbeitsfülle. 300 bis 400 Auskunftssuchende müssen neben den verlangten schriftlichen Auskünften täglich abgefertigt werden. … weiterlesen

Politik > International >

Die Deutschen in Luxemburg

Gutes Einvernehmen mit der Bevölkerung.

Luxemburg, 11. August.

Seit acht Tagen bereits ist Luxemburg – und mit der Hauptstadt ein großer Teil des übrigen Landes – von den deutschen Truppen besetzt, ohne dass es zu dem allerkleinsten Zwischenfall zwischen dem fremden Militär und der einheimischen Bevölkerung gekommen wäre. Dieses Entgegenkommen des luxemburgischen Volkes hat bei der deutschen Militärverwaltung den denkbar besten Eindruck hervorgerufen. Der kommandierende General wurde von der Großherzogin in Audienz empfangen, um ihr den Dank des deutschen Kaisers und des Generalkommandos für das korrekte Benehmen der Luxemburger zu übermitteln. … weiterlesen

Kultur & Gesellschaft > Aus den Gerichtssälen >

Ist Krankheit ein Entlassungsgrund?

Krankheit ist bei gewerblichen Arbeitern nur dann ein Entlassungsgrund, wenn die Beschäftigten infolge der Krankheit zur Fortsetzung der Arbeit unfähig werden. In solchen Fällen ist der Lohn aber nach §616 BGB weiter zu zahlen, wenn die durch die Krankheit verursachte Behinderung an der Arbeit eine verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit dauert. Ein Entlassungsgrund wegen der Krankheit liegt natürlich nur dann vor, wenn die Entlassung während der Krankheit erfolgt ist. Eine nach gehobener Arbeitsfähigkeit ausgesprochene Entlassung ist nicht zulässig. Diese Grundsätze wiederholte gestern das Gewerbegericht bei der Verhandlung in einer Klagesache. … weiterlesen

Politik > International >

Kaiser Franz Josef

Kaiser Franz Josef, der Freund des deutschen Kaisers und der oberste Kriegsherr des uns verbündeten österreichisch-ungarischen Kriegsheeres, wird heute vierundachtzig Jahre alt. Er verlebt diesen Tag nicht wie sonst in der heiteren Stille seines geliebten Ischl; er weilt in der Hofburg in Wien, wo alle Fäden der Kriegsleitung und der Diplomatie zusammenlaufen. Eine Aufgabe voll von ungeheurer Verantwortlichkeit, die auch einem Jüngeren nicht leicht fallen kann, ist diesem Fürsten am Abend seines Lebens auferlegt worden, und sein Auge blickt jetzt in eine Wirbelflut von Ereignissen, aus der sich erst allmählich etwas Festes, etwas Neues und Schönes gestalten soll. … weiterlesen

Politik > International >

Alle Forts von Lüttich genommen

Lüttich ein deutscher Stützpunkt.

Die Forts zusammengeschossen.

Amtlich wird durch W. T.B. bekanntgegeben:

Das Geheimnis von Lüttich kann entschleiert werden. Uns waren Nachrichten zugegangen, dass vor Ausbruch des Krieges französische Offiziere und vielleicht auch einige Mannschaften nach Lüttich entsandt waren, um die belgischen Truppen in der Handhabung des Festungsdienstes zu unterrichten. Vor Ausbruch der Feindseligkeiten war dagegen nichts einzuwenden. Mit Beginn des Krieges wurde es Neutralitätsbruch durch Frankreich und Belgien. Wir mussten schnell handeln. Nichtmobilisierte Regimenter wurden an die Grenze geworfen und auf Lüttich in Marsch gesetzt. Sechs schwache Friedensbrigaden mit etwas Kavallerie und Artillerie haben Lüttich eingenommen. Danach wurden sie dort mobil und erhielten als erste Verstärkung ihre eigenen Ergänzungsmannschaften. Zwei weitere Regimenter konnten nachgezogen werden, die ihre Mobilmachung soeben beendet hatten. … weiterlesen

Politik > International >

Ein letztes deutsches Friedensangebot von Belgien abgelehnt

Nach der Einnahme von Lüttich hat, wie die halbamtliche „Norddeutsche Allgemeine Zeitung“ mitteilt, die deutsche Regierung durch Vermittlung einer neutralen Macht in Brüssel folgendes mitteilen lassen:

„Die Festung Lüttich ist nach tapferer Gegenwehr im Sturm genommen worden. Die deutsche Regierung bedauerte es aufs tiefste, dass es infolge der Stellungnahme der belgischen Regierung gegen Deutschland zu blutigen Zusammenstößen gekommen ist. Deutschland kommt nicht als Feind nach Belgien. Nur unter dem Zwang der Verhältnisse hat es angesichts der militärischen Maßnahmen Frankreichs den schweren Entschluss fassen müssen, in Belgien einzurücken, und Lüttich als Stützpunkt für seine weiteren militärischen Operationen besetzen müssen. … weiterlesen