Wissenschaft und Technik > Medizin >

Für einen unbeschwerten Urlaub

Ärztliche Ratschläge für die Sommerreise

Egal, ob Sie per Zug oder per Schiff reisen: in beiden Fällen kann Reisekrankheit auftreten. Doch mit diesen Tipps bekommen Sie die Beschwerden schnell wieder in den Griff.

„Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen“, sagt Matthias Claudius in „Urias Reise um die Welt“. Aber nicht immer sind es angenehme Dinge, von denen man erzählen kann. Oft genug sind es Krankheit und Unfall, die uns widerfahren und die gerade am fremden Orte um so peinlicher sind, wenn wir nicht gleich „das, was hilft“ zur Hand haben.

Schon die Eisenbahnfahrt oder die notwendige Seereise wird von vielen schlecht vertragen. Gewöhnlich handelt es sich um eine angeborene Anlage und dagegen lässt sich schwer ankämpfen. Immerhin kann man solchen unglücklichen Eisenbahnreisenden den Rat erteilen, sich nicht in den letzten Wagen zu setzen und wenn möglich nicht rückwärts und mit vollem Magen zu fahren. Dann vor allem das Fenster öffnen, wenn auch nur einen Spalt! Gegen etwa eintretende Beschwerden leisten ätherische Baldriantropfen oder Zitronensaft gute Dienste, während Personen, die schon mit der „Eisenbahnangst“ den Zug betreten, gut tun, vorher etwas brausendes Bromsalz zu nehmen. Dagegen pflegt der Alkohol (Wein, Kognak) nicht viel zu nutzen, oft eher zu schaden.

Letzteres gilt auch für die Seekrankheit. Wer sie vermeiden will, halte sich möglichst auf dem Deck des Schiffes in frischer Luft auf, und zwar in der Mitte des Schiffes. Er behalte ferner noch Möglichkeit einen festen Punkt außerhalb des Schiffes im Auge und sehe nicht auf das unruhigende Wasser. Wer aber auch nur das leiseste Unbehagen zu spüren beginnt, tut gut daran, sich hinzulegen, kalte Umschläge über den Kopf zu machen und Eis zu schlucken. Das hilft freilich nicht allen und nicht immer, denn die Naturen sind ja so verschieden, und man hat auch sonst mit den Mitteln, die gegen die bösen Folgen der Gleichgewichtsstörungen im Körper empfohlen worden sind, keine gleichmäßigen Erfahrungen gemacht. Da verdient noch immer das Mittel, das einst der so früh verstorbene Orthopäde Hoffa nach eigenen Erfahrungen empfohlen hat, ernste Beachtung, weil es sich in vielen Fällen als wirkliches Heilmittel bewährt hat: sobald man die ersten Anzeichen der Seekrankheit verspürt, lege man sich flach auf den Rücken, öffne jede beengende Kleidung, atme langsam und tief ein und binde ein in beinahe kochendem Wasser ausgerungenes Handtuch, in Stirnbreite gefaltet, um Hinterkopf und Stirn, so heiß und so fest, wie man es ertragen kann. Die Enden knote man um einen Bleistift, Schuhknöpfer, eine Zahnbürste und dergleichen zusammen und besorge damit eine möglichst feste Kübelung des Handtuchs. Hat es sich abgekühlt, so ist es durch ein ebenso heißes zu ersetzen. Bis der Anfall vorüber ist, soll man weder essen, noch trinken oder rauchen . Erst bei Eintritt der Besserung soll etwas heißer, leichter Tee mit Zitronensaft genommen werden. Verfasser hat auf stürmischer Nordseefahrt den guten Erfolg an sich selbst bestätigt gesehen.