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Ein Bericht vom Schlachtfeld

Auf dem Kampffelde bei Lüttich

Von den Kämpfen um Lüttich hat eine andere Zeitung einen Augenzeugenbericht veröffentlicht. Offenbar haben sich nicht nur die deutschen Soldaten hervorragend geschlagen.

Der „Düsseldorfer Generalanzeiger“ erhält von einem Deutschen, der sich am Donnerstag an der deutsch-belgischen Grenze und bei Lüttich aufgehalten hat, folgende Schilderung: Am Donnerstagnachmittag gegen 2 Uhr trafen wir mit unserem Auto, das Lebensmittel für Krankenhäuser beförderte, in Aachen ein. Neben dem Theater hatte man eine Verwundetenstation eingerichtet. Wir fuhren dann in ein Hotel, und während wir dort aßen, wurde ein verwundeter Offizier gebracht, der sich auf seinen Kameraden stützte. Dieser andere Offizier kam nachher heraus; obwohl er abgespannt und müde sein musste, trat er doch freudestrahlend an unseren Tisch mit den Worten: „Freuen Sie sich meine Herren, wir ziehen bald in Lüttich ein!“ Während er noch sprach, kam ein Auto mit drei verwundeten Soldaten, die mit Wein gelabt wurden und als wir noch vor dem Hotel standen, sahen wir einen Trupp Infanteristen, in der Mitte vier Zivilpersonen, die deutsche Patrouillen überfallen und aus dem Hinterhalt auf sie geschossen hatten. Man hatte sie mit Riemen gefesselt. Bald darauf kam ein Auto mit fünf Soldaten, die einen Spion festgenommen hatten, sowie mehrere Bauern, die gleichfalls meuchlings auf unsere braven Soldaten gefeuert hatten.

Nach Ablieferung unseres Proviants erklärten wir uns bereit, Verwundete vom Schlachtfeld zu holen. Wir fuhren zur Grenze nach Neutral-Moresnet. Auf dem Wege sahen wir zerstörte Autos im Chausseegraben liegen. Im schnellsten Tempo kamen wir an der belgischen Zollstation vorüber, die verlassen war. Vor Henri-Chapelle hatten die fanatischen Belgier die Straße aufgerissen und durch Baumstämme und so weiter gesperrt. Aber unsere deutschen Soldaten hatten diese Hindernisse schnell beseitigt und die Löcher zugeworfen, so dass wir ziemlich gut mit unserem Wagen vorüber kamen. Durch das menschenleere Henri-Chapelle fuhren wir mit 70 Kilometer Geschwindigkeit hindurch. Die Häuser und Fenster waren alle geschlossen. Wir passierten dann ein großes Kloster belgischer Schwestern, die uns freundlich zuwinkten. Dann kamen wir an Häusern vorbei, die zerschossen und zerstört waren. Wir hielten auf freier Chaussee und sahen in der Ferne große Rauchwolken vom Brande Lüttichs aufsteigen. Auf eine Entfernung von drei bis vier Kilometern hörten wir Kanonendonner, hin und wieder auch heftiges Gewehrfeuer. Einige Kraftwagen mit Verwundeten kam an uns vorüber. Auch passierten wir auf der Fahrt mehrmals Truppen, die alle frohen Mutes weiter zogen.

Überall hörten wir, dass der deutsche Angriff erfolgreich sei und der Feind allgemein zurückging. Gegen 5 Uhr vernahmen wir schweres Schießen und sahen gleichzeitig Flammen aus Herve und Visé aufsteigen. Auf der Rückfahrt hörten wir kurz vor Henri-Chapelle wieder starkes Schießen und sahen neuen Rauch und neue Flammen. Alle deutschen Truppen, die uns begegneten, erzählten von der fanatischen Wut der Belgier, die selbst auf Verwundetentransporte aus Kellern und Dachluken schossen. Wenn aber die Truppen näher kamen, zogen die Kerle einen blauen Kittel an und nahmen einen Spaten über die Schulter, friedliche Arbeiter markierend. So sahen wir Transporte dieser Fanatiker, die von unseren Truppen gefangen genommen waren. Schossen doch selbst Jungen von 14 bis 15 Jahren auf unsere durchziehenden Truppen. Weiter sahen wir deutsche Flüchtlinge, Frauen, die ihre Kinder trugen und nur das Notwendigste hatten retten können. Die Männer hatte man gefangen genommen, die Frauen geschlagen und auf die Straße geworfen. Nichts durften die Ärmsten mitnehmen, selbst ihre Häuser nicht mehr aufsuchen. Die blieben offen stehen und wurden dann vom Pöbel geplündert und zerstört. Besondere Freude bereitete uns Jungdeutschland, die Jugendwehr, die vorne an der Front ist, Gefallene fortschafft und die Autos mit den Verwundeten zu den Verbandsplätzen und Krankenhäusern begleitet. Der Transport der Verwundeten ist bei uns großartig organisiert. Alles geht schnellstens in Autos vor sich, die zum Schutz gegen den fanatischen Pöbel militärisch geschützt sind. Auf dem Verdeck der Kraftwagen liegen zwei Mann der Jugendwehr in Anschlag, einer Richtung nach vorn, einer nach hinten. Die braven Jungen gehen tapfer und mutig überall durch dick und dünn mit.