Kultur & Gesellschaft

Beschwerden können in der Gormanstraße eingereicht werden

Arbeitslose Frauen in Berlin.

Die Not der Dienstmädchen.

II.

Die Zahl der arbeitslosen Frauen in rein gewerblichen Betrieben ist, wie wir in der gestrigen Abendausgabe gezeigt haben, im August stark gestiegen. Aber auch die Gastwirtsgehilfinnen und Dienstboten sind durch den Krieg schwer in Mitleidenschaft gezogen worden. … weiterlesen

Die Frau

Hilfsorganisation

Der Nationale Frauendienst

Organisation und Tätigkeit.

Die zweitgrößte Organisation der Frauen, die neben dem Roten Kreuz, aber in Fühlung mit ihm, arbeitet, ist der Nationale Frauendienst. Er vertritt den Bund deutscher Frauenvereine, umfasst also alle Vereine, die nicht an den Vaterländischen Frauenverein und das Rote Kreuz angeschlossen sind. Die Hauptgeschäftsstelle des Nationalen Frauendienstes bedient sich in den Bureaus der Zentrastelle für Volkswohlfahrt, Berlin W., Augsburger Straße 61. In diesen Bureaus herrscht ein außerordentlicher Andrang und eine ungeheure Arbeitsfülle. 300 bis 400 Auskunftssuchende müssen neben den verlangten schriftlichen Auskünften täglich abgefertigt werden. … weiterlesen

Die Frau

Arbeitslosigkeit

Die Arbeitslosigkeit der Frauen

Über die Konferenz im Reichsamt des Innern, die unter dem Vorsitz des Staatssekretärs Dr. Delbrück sich mit der Arbeitslosigkeit der Frauen beschäftigte, haben wir im gestrigen Abendblatt berichtet. Privatdozent Dr. Franz Oppenheimer gehörte zu den Teilnehmern der Konferenz.
Die Redaktion

Von allen wirtschaftlichen Problemen, vor die uns dieser schwere Krieg stellt, ist eines das im Augenblick dringendste und gefährlichste: die kolossale Frauennot durch Arbeitslosigkeit. Sie ist extensiv und intensiv ungeheuer. Zahllose weibliche Arbeiter und Angestellte liegen schon jetzt auf dem Pflaster, neue, ungeheure Scharen werden nach Ablauf der gesetzlichen Kündigungsfristen freigesetzt werden. Die Warenhäuser haben große Teile ihres Personals entlassen müssen und werden weitere Teile entlassen; die Privatbeamtinnen, Maschinenschreiberinnen, Stenographinnen usw. sind vielfach entlassen worden, teils weil ihre Arbeitgeber zur Fahne einberufen worden sind, teils weildiese selbst ihre Existenz verloren haben (Schriftsteller) oder sich schwer einschränken müssen. … weiterlesen

Die Frau

Soldaten-Verpflegung

Was die Frauen tun

Verpflegung auf dem Bahnhof

Unsere braven Reservisten und Landwehrmänner, die in den Krieg ziehen, brauchen unterwegs nicht Hunger und Durst zu leiden, die freiwillige Bahnhofsverpflegung ist gut und reichlich. Ist es doch der letzte Liebesgruß der Heimat.

In Groß-Berlin teilen sich das Rote Kreuz und der Berliner Frauenverein gegen den Alkoholismus in diese Aufgabe. In der Sammelstelle des letzteren, Invalidenstraße 127, zweiter Hof, werden Liebesgaben dankbar angenommen. Besonders begehrt sind Brot, Butter, Wurst, Käse, Schokolade, Zigarren. Der Aufruf um Spendung leerer Flaschen hat einen so großen Erfolg gehabt, daß man für die restlichen tage der Mobilmachung ausreichend damit versorgt ist. Einen solchen betrieb zu sehen ist eine Freude. Auf dem Güterbahnhof Tempelhof erheben sich an beiden Enden des Bahnsteiges die Kantinen des Roten Kreuzes und des Berliner Frauenvereins gegen den Alkoholismus. Dazwischen liegt die Feldküche mit der offenen Mannschaftsspeisehalle. In den Kantinen, die mit Gas- und Wasserleitung versehen sind, wird fieberhaft gearbeitet: alles geht mit militärischer Pünktlichkeit. Unter der Aufsicht einer leitenden Dame, die selber unermüdlich zugreift, arbeitet etwa ein Dutzend junger Mädchen. An die Brotschneidemaschine hat man einen kräftigen Herrn gestellt, denn es ist keine kleine Arbeitsleistung, sechs Stunden hintereinander Brot zu schneiden. Immer sechs Stunden währt der Dienst, dann kommt Ablösung; in dieser Zeit sind etwa tausend Soldaten zu speisen. Die jungen Mädchen streichen die Butterbrote, schneiden den Belag, wickeln die Brote ein und verpacken sie in Körbe. Alles dies geschieht rasch, peinlich sauber und appetitlich. Wieder andere bereiten Limonade und füllen sie in Gläser und Flaschen, kochen Kaffee in einem Riesenkessel.

Ein Zug fährt ein – es ist Artillerie. Der Unteroffizier verkündet, wie lange der Aufenthalt dauert, und eilig verlassen die Wehrmänner den Wagen. Vor der Feldküche stehen riesige Kessel mit Linsensuppe und Fleisch – jeder erhält seine Portion. Dann wird das Limonadenbuffet umdrängt; Flaschen mit Limonade und Kaffee und Butterbrotpakete werden verteilt. Als besonders geschätzte Zugaben werden Zigarren genommen. Auch die Soldaten, die den Dienst bei den Pferden haben und deshalb den Zug nicht verlassen dürfen, werden nicht vergessen. Zwei junge Mädchen eilen die Wagenreihe entlang und verteilen mit Hilfe einiger Pfadfinder Butterbrote und Getränke, ja sogar Zuckerstücke für die Pferde. Die Stimmung unserer Truppen ist vorzüglich, in allen lebt die gleiche Zuversicht. Der Geist der Kameradschaftlichkeit hat alle Unebenheiten ausgeglichen. Nur eins entbehren die, die ausziehen, zu kämpfen und zu siegen, schmerzlich: Neuigkeiten vom Kriegsschauplatz, Zeitungen. Sie sind oft schon lange unterwegs und die Ereignisse gehen unterdessen mit Riesenschritten vorwärts.

Während unsere Krieger ihre Linsensuppe verzehren, bringt jemand eine neue Siegesnachricht. Mit einem dreifachen donnernden Hurra wird darüber quittiert. Dann bläst der Trompeter ein kurzes Signal, und mit einigen raschen Sätzen ist jeder auf seinem Platz. Der Zug setzt sich in Bewegung, die Hände der Mädchen und Frauen, die eben noch Speise und Trank verteilten, schwingen wehende Tücher. Singend winken die Soldaten zurück und hinaus geht‘s in die Zukunft, vor den Feind.

Die Frau

Trauerbewältigung

Überwindung

Am Sonnabend hatte ich die Genossin getroffen. Ihr Mann musste schon am Sonntag weg. Ihre Augen waren rot und als ich nur ein paar Worte sagte, schluchzte sie fast verzweifelt auf: „Warum das alles! … Vorige Woche hat er gerade wieder Arbeit bekommen!“ Was tut man bei einem solchen Verzweiflungsausbruch – man schneuzt sich und das tat ich. … weiterlesen

Die Frau

Nach der Kriegstrauung

Nach der Kriegstrauung

Ich wusste ja schon vorher, was die „Kriegstrauung“ ist: im Falle der Mobilmachung ein beschleunigtes Verfahren ohne Aufgebot. So lautet die Formel. Aber was eine Kriegstrauung wirklich ist, das hab‘ ich erst gestern begriffen, in dem kleinen Parke bei der Alt-Moabiter Kirche. … weiterlesen

Die Frau

Berlin

Frauen als Eisenbahnschaffner in Berlin

Was in ruhigeren Zeiten den Bestrebungen der Frauen nicht gelingt, das wird jetzt zur Selbstverständlichkeit. Wohin man kommt, hört man von den Frauen, dass sie auch so gern etwas tun möchten – irgendetwas, was der Allgemeinheit nützen könnte.  Nun, allmählich wird jeder Frau ein Arbeitsfeld winken. Das erste Unternehmen, das sich der Hilfe der Frauen versichtert hat, ist die Große Berliner Straßenbahn, die uns folgende Mitteilung zukommen lässt: … weiterlesen

Die Frau

Bertha von Suttner

Bertha v. Suttners letzter Brief an die deutschen Frauen

Liebwerte Schwestern!

Da die Umstände es mir leider verwehrt haben, in Ihre Mitte zu kommen, so will ich doch schriftlich an der ersten Tagung des „Frauenbundes der deutschen Friedensgesellschaft“ teilnehmen, indem ich der großen freudigen Genugtuung Ausdruck gebe, die ich darüber empfinde, dass sich ein solcher Bund gebildet hat. Seien Sie mir begrüßt und beglückwünscht, verehrte Kämpferinnen.

Denn als solche werden Sie sich bewähren müssen: Es wird Ihnen nicht ganz leicht gemacht werden, für die pazifistischen Ideale einzutreten. Auch unter den Frauen selber dürften Ihnen viele Gegnerinnen erwachsen. Es ist durchaus nicht richtig, wie manche behaupten, die in der Friedensbewegung nur eine unmännliche Sentimentalität sehen, dass alle Frauen von Natur aus dem Kriege abhold sind. – Nein, nur die fortschrittlich gesinnten Frauen, nur solche, die sich zu sozialem Denken erzogen haben, sind es, die die Kraft haben, sich von dem Banne tausendjähriger Institutionen zu befreien, und zugleich die Kraft aufbringen, dieselben zu bekämpfen. … weiterlesen

Die Frau

Politische Mitbestimmung

Frauenstimmrecht

Eine Tatsache beginnt sich bemerkbar zu machen, ruhig, unweigerlich: man verdammt die Suffragetten und fängt an das Frauenstimmrecht zu diskutieren. Sehen wir uns zuerst in Deutschland um. In Nr. 3 und 4 des Organs der deutschen Vereinigung für Frauenstimmrecht „Frau und Staat“ (Verlag B. G. Teubner, Leipzig) veröffentlich Professor R. Rinkel, Köln, einen Artikel „Das Stimmrecht der Frauen“, in dem er von der Tatsache ausgehend, dass die Frauen im ganzen ebenso stimmen werden wie die Männer, und somit an der Stimmverteilung der Parteien durch Erteilung des Frauenstimmrechts nichts Wesentliches geändert würde, den Entwurf eines besonderen Frauenwahlrechts bringt. … weiterlesen

Die Frau

Arbeitende Frauen

Die Lage der erwerbstätigen Frauen und der Liberalismus

Die wirtschaftliche Entwicklung der Gegenwart hat hunderttausende deutscher Frauen eingegliedert in das harte Erwerbsleben, – und stetig zunehmende Teuerungsverhältnisse bedingen ein weiteres Anwachsen dieser Zahl. Die Frau ist interessiert an unserem Wirtschaftsleben und seiner Gestaltung nicht mehr nur mittelbar durch Haushalt und Familie; als selbsttätige Erwerbskräfte gewinnen die Heere der weiblichen Angestellten und Arbeiterinnen Anteil insbesondere an einem Gebiet, das bisher fast ausschließlich den Mann anging: an der Regelung, der Arbeitsbedingungen. … weiterlesen