Kultur & Gesellschaft

Kultur in Kriegszeiten

Das Leben während des Krieges

Die erste ungeheure Erschütterung ist vorüber. Auch die äußere Bewegung, die mit der Mobilisierung der Truppen verbunden war, ist abgeflaut und wird bald ganz verschwinden. Wir haben eine Zeit zu erwarten, Wochen sicherlich, in der keine erregenden Nachrichten die Stille eines weit verminderten Alltagslebens unterbrechen werden. Selbst die Liebestätigkeit kann zum großen Teil nur vorbereitet werden. Und es scheint, dass auf vielen ihrer Gebiete schon Organisationen und Kräfte über den Bedarf vorhanden sind. Für laute Zerstreuungen wird kein deutscher Mensch in dieser Zeit eines großen Ernstes zu haben sein. Da entsteht die Frage, was geschehen kann, um das gefährliche müßige Warten zu bekämpfen, dass so leicht in nervöse Ungeduld umschlägt. … weiterlesen

Kultur & Gesellschaft

Beschluss der Kinobesitzer

Krieg und Kino

Auch die Kinobesitzer „besinnen“ sich mit einem Schlage auf ihre nationale Pflicht. Sie waren, wie es in einem Aufruf heißt, den der Verein der Lichtbild-Theaterbesitzer Groß-Berlins und der Mark Brandenburg erlassen hat, in Friedenszeiten weitherzig und großzügig, und haben ohne Rücksicht auf die Nationalität alle Films gebracht, die dem Publikum voraussichtlich gefallen mussten. Das soll jetzt anders werden. … weiterlesen

Kultur & Gesellschaft

Filmindustrie

Das Kino als moralische Anstalt

Wir bringen diesen Aufsatz von Bernard Shaw, obwohl wir durchaus nicht in allen Stücken der Meinung des Verfassers sind. In den Paradoxen, mit denen der Artikel so reich durchsetzt ist, wie G.B. Shaw mit Geist und Widerspruch, steckt aber so viel Anregung, dass niemand seine Bemerkungen ohne Interesse sehen wird.
Die Redaktion. … weiterlesen

Kultur & Gesellschaft

Unveröffentlichte Briefe

Richard Wagner an Robert Schumann

Auf das Verhältnis Richard Wagners zu Robert Schumann, der ja nicht nur der bedeutende Komponist, sondern zugleich auch der hervorragendste und einflussreichste Kritiker seiner Zeit war, fällt neues Licht durch mehrere bisher unveröffentlichte Briefe, die in der offenbar sehr bedeutsam werdenden Sammlung der Briefe Wagners, besorgt von Julius Kappe und Emerich Kostner, mitgeteilt werden. Sie befinden sich im demnächst erscheinenden zweiten Bande, aus dessen Aushängebogen wir mit Genehmigung des Verlages Hesse u. Becker in Leipzig hier deren zwei wiedergeben. So schreibt Wagner am 13. Juni 1843 aus Dresden an Schumann: … weiterlesen

Kultur & Gesellschaft

Bedenklicher Sittenverfall in Kultur und Alltag

Die sittlichen Zustände im heutigen Frankreich

Bei den letzten Wahlen in Frankreich haben Fragen der Sittlichkeit in der öffentlichen Erörterung eine Rolle gespielt, die auch für unsere deutschen Verhältnisse beachtenswert erscheinen dürfte. Ganz abgesehen davon, dass in den tatsächlichen zuständen zwischen hüben und drüben eine gewisse Ähnlichkeit besteht, sind wir auch besonders deshalb daran interessiert, einen Einblick in die Dinge bei unseren westlichen Nachbarn zu gewinnen, weil erfahrungsgemäß kein Vorbild in den einschlägigen Fragen auf unser Volk nachhaltig zu wirken pflegt. Wie wir im Laufe der Zeit zweifellos durch dieses Vorbild, dem man bei uns vielfach in der Mode, im Theater, in der schönen Literatur, in der Malerei in der Postkartenindustrie, im Varieté, in der Kinematographie usw. fast sklavisch sich unterwirft, eine Verschlechterung unseres sittlichen Denkens und Fühlens erfahren haben, so ist auch in Zukunft eine Weiterentwicklung nach dieser Richtung zu befürchten. Um darum gegen den zunehmenden sittlichen Verfall auch bei uns erfolgreich anzukämpfen, ist eine Kenntnis der französischen Zustände gewiss von Vorteil. … weiterlesen

Politik

Von einer Legende, die nicht sterben mag

War Richard Wagner jüdischen Stammes?

Es gibt Legenden, die nicht sterben können. Sie mögen noch so oft und noch so gründlich wiederlegt werden, sie leben immer wieder auf. Das gilt namentlich von „genealogischen Legenden“. Denn noch immer ist die „Genealogie“ für die Vertreter der „zünftigen Wissenschaften“ das Stiefkind. Genealogisches braucht „man“ nicht zu lesen und von Genealogie braucht „man“ nichts zu verstehen; in genealogischen Fragen urteilen kann vermeintlich jeder! Nicht sterben kann infolgedessen vorläufig auch die Legende Richard Wagner sei eigentlich jüdischen Stammes gewesen. Es ist ja auch zu reizvoll, von dem Verfasser von „Das Judentum in der Musik“ behaupten zu können, er habe sein eigenes Blut verleugnet. … weiterlesen

Kultur & Gesellschaft

Warum die „Wacht am Rhein“ vorbestimmt ist, das Nationallied des deutschen Kaiserreichs zu werden!

Die Wacht am Rhein

Zwei äußere und zwei innere Merkmale lassen die „Wacht am Rhein“ wie vor bestimmt erscheinen, das Nationallied des deutschen Kaiserreichs zu werden!
Wie der Rhein bald nach seiner Geburt im verborgenen seinen Lauf im Bodensee fortsetzt, verschwand auf 16 lange Jahre die herrliche Melodie, nachdem sie zum ersten Male zur Silberhochzeit des Prinzen Wilhelm von Preußen, des späteren Kaisers, am 11. Juni 1854 erklungen war! Elf Jahre später allerdings blinkte sie noch einmal im Volksbewusstsein auf, als sie 1863 auf dem Sängerbundesfest in Dresden wieder mahnungsvoll erdröhnte. Aber erst 1870 empfing die Hymne wie der Rheinstrom einen befreiten Lauf, in stürmischen Wellen und Wogen gewaltig durch die Herzen der Deutschen dahinbrausend! Ein Heldenlied, das selbst ein Bild des Heldenstroms geworden war! Im Zirkus Renz in Berlin dirigierte der Komponist Karl Wilhelm noch einmal am 20. November 1870 sein Werk und konnte, ergriffen und erschüttert von den jubelnden Huldigungen der Berliner, erst ganz empfinden, welcher Riesenwurf seiner Seele gelungen war!
Aber der Dichter Max Schnedenburger lag, kaum 30 Jahre alt, schon 21 Jahre lang in der dunklen Ruhe des Grabes, in das kein Jubel und kein Dank mehr dringt, bis Bismarck selbst, den Lorbeer des Sieges auf dem Eisenhelm, an diese frühe Dichtergruft trat und für die beiden Kinder und die Witwe des Frühverklärten edle Sorge trug!…
Das zweite äußere Merkmal für die Vorbestimmung gerade dieser Volksschöpfung zum Nationallied mag die schöne Fügung sein, dass der Dichter unterhalb der Maingrenze, im süddeutschen Schwarzwald, und der Komponist oberhalb des Mains, im nördlichen Schmalkalden, geboren war. Und ist es nicht sonderbar, dass Karl Wilhelm als Dirigent in Krefeld im bedrohten Rheinland das Ohr gespannt auf die Wirkung seiner „Wacht am Rhein“ gerichtet hielt!?…
Aber mehr als diese hübschen äußeren Zufälle haben zwei innere Gewalten dies Lied ins Volksgemüt getragen. Zwei Kontrastkräfte, die dem friedlichen und doch so kriegerischen Volk der Deutschen von Natur eingeboren, nur geweckt zu werden brauchen, um es bis in den Grund seiner Seele zu packen und überwältigend zu erheben! Der Trompetenstoß zum kriegerischen Alarm und der choralartige Orgelklang, doch ruhig sich in Gottes väterlicher Hand zu fühlen! Männlich-zornig aufspringenden Empörung auf einen Ruf hin „wie Donnerhall, wie Schwertgeklirr und Bogenprall“ und doch kindlich-religiöse Erhebung und Gewissheit, „lieb Vaterland magst ruhig sein!“…
Bismarck, der ein so außerordentliches Feingefühl für die „Imponderabilien“, d. h. die tiefen und doch unwägbarsten und ungreifbarsten Bedürfnisse eines Volks hatte, schätzte den Wert dieses hinreißenden Liedes auf „ein paar Armeekorps“ ein. Er selbst eine Heldensymphonie aus allen Tönen, mit einem Willen wie Dur und einem Gemüt wie Moll, der in seiner harten Eisenarbeit immer auch für echte deutsche Dichter, wie Fritz Reuter, und vor allem für die einigende Kraft des deutschen Liedes zarte Empfindung besaß, setzte es als eine Reichsehrenpflicht durch, dass der Komponist sowohl wie die Witwe des Dichters auf Lebenszeit je 1000 Taler Ehrensold empfingen, als der Friede von Versailles geschlossen war.
Neun Jahre war ich alt, als ich in Düsseldorf das Lied zum ersten mal vernahm, und zwar, was ich niemals vergessen werde, war es gerade die liebe beruhigende Zeile „lieb Vaterland magst ruhig sein“, die mein kindliches Ohr zu allererst traf. Kein Gesangsverein sang es; nicht Männer; sondern ein junges Dienstmädchen in die Gärten der Elisabethstraße hinaus, wo einst der spätere Generalfeldmarschall Graf v. Blumenthal der Nachbar meines Vaterhauses war. Sie sang es so rührend fröhlich und mit so innig reiner Zuversicht, dass ich es für ein liebliches Volkslied im Stile Uhlands oder Eichendorffs halten konnte; nicht aber für den Vorboten des blutigsten aller Kriege auf französischer Erde! Wenige Tage darauf war die Stadt, die damals 60 000 Einwohner zählte, mit Verwundeten und Gefangenen überfüllt. Beduinen und Zuaven von Weißenburg und Wörth, verwundete 39er von Spichern, blaue (Bahern) und bunte französische Uniformen aller Art füllen die Fenster der Kaserne, und leider auch die Krankenhäuser und Kirchen auf viele lange Monate hinaus! – Immer wieder erklang damals durch den Waffenlärm die Wacht am Rhein; Donnerhall und Schwertgeklirr tönten weitaus die anderen Worte überschallend aus dem gemeinsamen Männergesang. Aber mein Herz wird nie die silberhelle Stimme des jungen Mädchens auf der Elisabethstraße vergessen, dessen Liebstes vielleicht mit in den Krieg zog und die gerade deshalb vielleicht mit so rührend-religiöser Innigkeit, um ihr eigenes Herz zu trösten, in die sommerlich stillen Gärten sang: „Lieb Vaterland magst ruhig sein!“
Und wieder, wenn einst die Waffen klirren, mag die Seele unsres ganzen Volkes so still und ergeben in Gottes ewige Beschlüsse sein, wie das Herz dieses Mädchens, aber auch seine Kraft und sein Wille so gewaltig wie der Zorn seiner Männer im Sinn und Geiste einiger Verse, die ich einst Bismarck widmete:

Die zarten Hände falten
Wir still in unsrem Schoß,
Wir wollen Frieden halten,
Doch bricht der Satan los;
Zu Fuß, zur See, zu Pferde
Schlägt alles donnernd drein,
Wir stehn auf deutscher Erde
Und fürchten Gott allein!