Berlin

Spenden können beim Roten Kreuz abgegeben werden

Bitte um Gaben für unsere Truppen

Unseren kämpfenden Truppen sind nachfolgend ausgeführte Gegenstände dringend erwünscht:

  1. Zigarren, Zigaretten, Tabak (Pfeifen), Konserven, Schokolade, Kakao, Tee, Kaffee, Bonbons, Bouillonkapseln, Suppenwürfel, Gemüsekonserven, Dauerwurst, geräucherte Fleischwaren, alkoholfreie Getränke, Mineralwasser, Trockenmilch, kondensierte Milch, Lebkuchen.
  2. Wollene Strümpfe, Unterjacken, Hosenträger, Halsbinden, Leinwand (zur Fußbekleidung), Taschentücher, Hemden, Unterbeinkleider, wollene Leibbinden.
  3. … weiterlesen

Deutsches Reich

Familien helfen Familien

Bei den flüchtigen Ostpreußen

Mit den Frühzügen trafen heute wieder einige Hundert ostpreußischer Landbewohner in Berlin ein. Auf dem Schlesischen Bahnhof, auf den Bahnsteigen Friedrichstraße, Zoologischer Garten und Charlottenburg lagen die Gepäckstücke zu kleinen Bergen geschichtet. Und um das Wenige, was sie in eiliger Flucht zusammenraffen konnten, standen die Armen, die von der heimatlichen Scholle fliehen mussten. Ältere und jüngere Männer, Frauen und Kinder. Auch ein steinaltes Großmütterchen, das den Umstehenden immer wieder beteuert, sie hätte nie gedacht, auf ihre alten Tage noch „so etwas“ zu erleben. In der Erinnerung der alten Frau leben noch die großen Tage von 1870/71. Und indem sie das alles umständlich erzählt, lässt sie es an wütenden Bemerkungen gegen die Russen nicht fehlen. Sie beruhigt ihre Angehörigen mit der Versicherung, dass alle bald wieder in die Heimat zurückkehren werden. Es geht ihnen jetzt schlecht, den Brüdern aus Ostpreußen, aber alle stehen sie unter frommer Zuversicht und Siegesgewissheit.
Die Ostpreußen auf den Bahnhöfen geben nur ein kleines Bild von der großen Flucht. Die „Beratungsstelle für Flüchtlinge“ aber, die seit einer Woche den aus Belgien, England und Frankreich vertriebenen Deutschen mit Rat und Tat zur Seite steht, sah heute einen Massenandrang von hilfsbedürftigen Ostpreußen. Gestern war der Hilfsaufruf erschienen, und heute morgen standen an 100 Damen und Herren in der Säulenhalle, die zum Sitzungssaal führt; sie waren aus allen Teilen der Stadt gekommen, um ihre Hilfe anzubieten. Viele Ostpreußen waren unter ihnen, die nun seit langem in Berlin die neue Heimat gefunden haben, aber auch waschechte Berliner sind da, und sie können es kaum erwarten, ihr Hilfsanerbieten vorzubringen. Bogen werden ihnen überreicht, auf denen kurze Fragen nach der Art der Hilfeleistung vermerkt sind. „Wollen Sie Wäsche, Kost oder Wohnung geben?“ „Alles!“ ruft ein behäbiger, gutmütiger Mann, „Jeben Sie mir ‚n paar Kinderchen dazu! …“ Und bald darauf zieht er mit Mutter, Vater und zwei niedlichen Mädchens glückstrahlend ab.

Im Saale geht es zu wie in einem Warenhaus. Auf den Bänken der Seitenwände liegen große Koffer und Schachteln, gefüllt mit Kleidern und Wäsche. Da sieht man Kinderhemden und Kleider, aber auch schöne Straßenkostüme für anspruchsvollere Damen. Und Herrenanzüge in allen Farben. Paletots, Hüte und – Regenschirme. Kurz – hier kann alles verschenkt werden. Mit Rührung und Staunen sieht man, wie über Nacht das Warenhaus zur öffentlichen Hilfstätigkeit entstanden ist. Die Kleiderrechen biegen sich unter ihrer Last. Und immer neue Ladungen treffen ein. Eine elegante Dame erscheint mit ihren beiden Töchtern. Sie schleppen große Koffer über die breite Treppe und stehen dann aufatmend vor dem Tisch, an dem die Damen und Herren des Hilfskomitees – im Beisein von Vertretern des Reichsamts des Innern – Listen führen über alle Eingänge. Hier werden die Angebote entgegengenommen. Inzwischen wickelt sich bei der Ausgabestelle alles glatt ab. Da probiert ein junger Mann den grauen Anzug, der beinahe passt, schließlich aber doch durch einen noch besser passenden ersetzt wird. Kinder werden eingekleidet und sind stolz auf die neuen Moden, in denen sie sich jetzt den Eltern zeigen können, denen inzwischen die Wohnungen zugewiesen wurden. Für alle ist vorläufig gesorgt.

Niemals sah man so viel rührende Hilfsbereitschaft, wie sie sich jetzt für jene kundgibt, die, mehr als alle anderen Daheimgebliebenen, unter dem Schrecken des Krieges zu leiden haben. Man konnte heute feststellen, dass das Angebot die Nachfrage überstieg. Heute waren mehr Hilfsbereitschaft als Hilfsbedürftigkeit vertreten. Und wenn die nächsten Tage dasselbe Ergebnis zeitigen, dann wird für alle Ostpreußen gesorgt sein.

Deutsches Reich

Deutsches Rotes Kreuz ruft zur Mitarbeit auf

Ostpreußen

Im gestrigen Abendblatt haben wir mitgeteilt, dass die Unterstützung der sehr zahlreichen Flüchtlinge, die aus den ostpreußischen Grenzbezirken in Berlin eintreffen, zunächst von der Beratungsstelle des Roten Kreuzes, im Reichstagsgebäude, Portal 5, organisiert wird. … weiterlesen

Berlin

Jubel unter den Linden

Die Stimmung Unter den Linden

Als die Nachricht von der Eroberung Namurs Unter den Linden bekannt wurde, brach allenthalben wieder großer Jubel aus. Um die Extrablätter des „Berliner Tageblatts“, die aus rasch dahinjagenden Automobilen unter die Menge geworfen wurden, entspann sich überall ein heißer Kampf. Vor dem Palais der Kronprinzessin sammelte sich gegen 1 Uhr eine gewaltige, vorwiegend aus Damen bestehende Menge an, die ununterbrochen in die Hände klatschte, Hurra rief oder „Die Wacht am Rhein“ sang. Kurz darauf fuhr die Kaiserin am Palais vor, um der Kronprinzessin einen Besuch abzustatten. Sie wurde mit lauten Hurrarufen begrüßt.

Berlin

Verwundete auf Lazarette und Hospitäler der Stadt verteilt

Die ersten Verwundetentransporte in Berlin

In Berlin sind gestern die ersten größeren Transporte von Verwundeten eingetroffen. Dank den behördlichen Vorbereitungen ging die Überführung der Verwundeten von den Auslandsbahnhöfen nach den Lazaretten ohne jede Störung vor sich. … weiterlesen

Berlin

Berlin

Die Abreise des Kaisers

Amtlich wird gemeldet: Berlin, 16. August. Seine Majestät der Kaiser hat heute 8 Uhr vormittags in der Richtung Mainz Berlin verlassen.

Der Kaiser verließ gestern Morgen kurz vor 8 Uhr im Automobil das Schloss und begab sich zum Bahnhof, um die Ausreise ins Feld anzutreten. Obwohl die Zeit der Abfahrt geheim gehalten war, hatten sich am Schloss und in der Nähe des Bahnhofs zahlreiche Menschen eingefunden, die den Kaiser mit lauten Hurrarufen und Tücherschwenken begrüßten. Die Hochrufe wechselten mit den Wünschen siegreicher Wiederkehr, und die Schutzleute, die die Straße abgesperrt hatten, konnten nur mit Mühe verhindern, dass sich das Volk von Berlin um den Wagen des Kaisers drängte. Angesichts der herzlichen Kundgebungen flog für einen Augenblick ein frohes Lächeln über die Züge des Kaisers. Vor seiner Abreise empfing der Kaiser im Schloss den Oberbürgermeister von Berlin, Wermuth, und den Stadtverordnetenvorsteher Michelet, die dem Kaiser die Abschiedsgrüße der Stadt Berlin überbrachten. (Durch besondere Ausgaben des „Berliner Tageblatts“ gestern Abend mitgeteilt.)

Berlin

Reisepass verlangt

Der Eindruck der Nachricht

Als kurz vor 8 ½ Uhr Abends die Extraausgabe des „Berliner Tageblatts“ zuerst die Mitteilung brachte, dass der englische Botschafter seine Pässe verlangt habe, ging durch ganz Berlin eine mächtige Bewegung. Sie war stärker als in den letzten achtundvierzig Stunden und ist in ihrem impulsiven Ausdruck nur der Stimmung zu vergleichen, die am Sonnabend Abend herrschte. Man konnte den Gesichtern im ersten Augenblick die Überraschung ablesen, aber gleich darauf hörte man das Lied aufsteigen, das in diesen schweren Tagen mehr ist als ein Lied: „Lieb Vaterland, magst ruhig sein!“ Nur dass es gestern Abend noch frischer, zuversichtlicher und trotziger klang. … weiterlesen

Berlin

Der Tag der Mobilmachung in Berlin

Mobilmachungs-Sonntag

Man hatte die Morgenblätter gelesen und sagte sich – trotz des Ernstes der Nachrichten – befriedigt: also noch nicht … noch nicht der Krieg, nur Mobilmachung. Und geht seines Weges. In dem Zigarrenladen an der Ecke ist die junge Frau des Besitzers tätig. Eine Ausnahme. Sie ist sonst nur in den Mittagsstunden hier. Sie fühlt sich in dem Laden sicher nicht wohl. Sie ist stets verlegen, bedient mit zum Boden gesenkten Blicken und spricht mit den Kunden kein überflüssiges Wort. Heute aber hebt sie die Blicke vom Boden und man sieht: sie möchte gern sprechen, sich aussprechen. Und dann erzählt sie abgerissen: ihr Mann, der dem ersten Aufgebot der Landwehr angehört, ist gegangen, sich anzumelden. Und dann erzählt sie weiter: er ist so aufgeregt und sie hat Kopfschmerz und sie, die Scheue, Schüchterne, Schweigsame spricht weiter und da ich gehe, wird ihr Blick bittend. Sie kann nicht allein sein, will reden, reden, um ihren Gedanken zu entfliehen …
Und seltsam: irgendeine Verwandlung ist mit jedem, dem man auf der Straße begegnet, hervorgegangen. Alle diese Typen und Schichten, die sonst so darauf erpicht sind „Eindruck zu schinden“, sind einfacher, natürlicher geworden. Alle, die sonst so abweisend und hochmütig dreinblicken, haben jetzt diesen fragenden und redseligen Blick. Man besteigt die Stadtbahn. Kaum, daß man sitzt, gleitet schon dieser forschende Blick des Gegenübers zu einem herüber und dann die Frage: „Na, glauben Sie, daß noch Hoffnung ist?…

Vormittags, Unter den Linden. Ein Menschengewirre. Aber so seltsam still ist es. Ganz ungewöhnlich stille. Die Leute sind eben hierher gekommen, um zu fragen, nicht um zu sprechen. Und all diese Tausende fragen schweigend, fragen bloß mit den Augen: „Geht‘s los?“ fragen die einen. Aber die meisten fragen: „Ist noch Hoffnung?“ Und selbst die Backfische, die sonst unbedingt kichern und tuscheln müssen, gehen Arm in Arm schweigend dahin, auch sie erfaßt der Ernst der Stunde.

Vor der russischen Botschaft Unter den Linden. An allen Fenstern sind Rouleaux herabgelassen. Vor dem Gebäude ein Massenaufgebot von Schutzleuten, die jegliche Ansammung verhindern. In das Gebäude werden nur Russen eingelassen, Leute, die ihre Pässe holen, Hunderte und Aberhunderte, die das Schicksal jetzt aus dem Lande treibt. Da gegen elf Uhr, die ersten Extrablätter. Die Russen haben die Ostgrenze überschritten. Jetzt ist es da! Das ist der Krieg. Aber kein Hurraruf ertönt. Die Masse ist zu ernst, viel zu ernst. Sie fühlt die Wucht der Ereignisse, fühlt daß er jetzt wirklich vor der Türe steht, der Grausame, der Blutige, der Schreckbringende, der Krieg. Kein Hurraruf, aber auch kein Erschrecken. Es ist nicht zu leugnen. Diese Menschen da werden in ihrer Haltung noch einfacher. Die Offiziere haben nichts mehr von ihrer Alltagsforschheit. In dieser Hinsicht ist der Ernst der Stunde doch ein großer Gleichmacher.
Und von diesem Augenblick der Gewissheit an, nimmt alles eine andere Gestalt an. Ich weiß nicht, ob es anderen auch so ergangen ist: aber diese dahinlaufenden Automobile wirken unheimlich. Wie ein Jagen um Leben und Tod wirken sie. Halb wie ein „Rettet, was gerettet werden kann!“, halb wie ein „Auf die Schanzen!“ Sie jagen, stürmen, rasen dahin. Und dazwischen diese dumpfe, stöhnende „Töff-Töff“. Wie eine Attacke wirkt es, wie ein wildes Losstürmen und dieses „Töff-Töff“ wie ein Stöhnen …

Nachmittags fünf Uhr. Das zweite Extrablatt. Die ernsteren Nachrichten. Und diese zahllose, diese gewaltige Menschenmasse, sie wird noch ernster, noch ruhiger. Hoch über ganz Deutschland erhebt sich der drohende Zeigefinger des Knochenmannes …
Wie belebt ist der Tiergarten und doch wie stille! Über einige Lippen gleitet jetzt ein Lächeln. Sie sehen eine Szene, die wie eine Idylle, aber in diesem Augenblick doch ein wenig komisch wirkt. Ein stattlicher Mann schiebt einen Kinderwagen, in dem ein Kindchen sitzt, dahin. Am Mobilmachungs-Sonntag! Die Leute lächeln. Aber der Mann bemerkt das gar nicht. Er blickt ernst, todernst, auf das Kind nieder. Das Kind strampelt mit den Füßen und lacht, aber der Mann bleibt ernst. Vielleicht hat das Kind schon die Mutter verloren und macht jetzt den letzten Spaziergang mit dem Vater. Aber die Leute lächeln über diese Idylle, während in Ost und West der Knochenmann die Sense schleift …

Ein junges Paar, vor einem Blumenhändler. Er will ihr einen Straß Veilchen kaufen: „Laß, Fritz,“ sagt sie, „Du wirst das Geld brauchen, wenn Du Morgen in Krieg sollst.“ „Aber es ist doch nur ein Groschen.“ „Du wirst auch den Groschen brauchen!“ Und schweigend gehen sie weiter.

Um 9 Uhr abends in der Stadtbahn. Ich steige am Zoo ein. Im Abteil sitzen ein alter Mann mit Knebelbart, an seiner Seite ein Soldat in Felduniform. Der Junge blickt schweigend vor sich hin. Der Alte blickt schweigend auf den Jungen. Kein Wort sprechen sie. Da gleitet die Hand des Alten nach der Rechten des Jungen und preßt sie. Der Junge fährt zusammen, blickt den Alten an, will lächeln, kann es nicht und blickt rasch zum Fenster hinaus. Der Vater fragt: „Ja, also auf den Bahnsteig kann ich nicht mitkommen?“ Der Junge antwortet, ohne den Blick auf den Vater zu richten: „Ausgeschlossen. Man läßt Dich nicht!“ Der Alte seufzt auf. Leise streichelt er die Hand des Jungen. Und der blickt krampfhaft durch das Fenster hinaus. Bei der Einfahrt in den Lehrter Bahnhof erheben sich beide und steigen aus. Ich folge ihnen. Der ALte presst die Lippen aneinander. Man sieht, er kann sich nicht mehr beherrschen. Jetzt faßt er die Hand des Jungen und sagt leise: „Mein lieber Junge, was soll ich Dir sagen …“ Seine Lippen, Augenlider, Wangen zucken. Da schlägt er dem Jungen auf die Schulter, ruft: „Laß Dir‘s gut gehen, Junge!“ und läuft fort, ohne Kuß, ohne Händedruck, ohne sich umzuwenden. Läuft fort, um in irgend einer Ecke zu weinen. Der Junge blickt ihm starr, krampfhaft nach und richtet sich dann auf und geht nach dem Fernbahnhof, in den Krieg …

Berlin

Appell des Kaisers

Ein Appell des Kaisers an die Bevölkerung Berlins

Der Kaiser hat den Oberbürgermeister von Berlin wissen lassen, dass die Huldigungen und Kundgebungen der Berliner Bevölkerung in den letzten Tagen als Ausdruck patriotischer Gesinnung und Begeisterung seinem Herzen wohlgetan haben. Der Kaiser wisse, dass er auf die treue Gesinnung der Berliner Bürgerschaft aller Schichten wie auf die Einigkeit des gesamten deutschen Vaterlandes auch in ernstester Zeit rechnen könne. Die dem Kaiser für die nächsten ernsten Tage obliegenden schwerwiegenden Entschließungen lassen es aber von nun ab unerlässlich erscheinen, dass des Kaisers Aufenthalt und seine Tätigkeit für das Wohl unseres Volkes im Schlosse nicht durch Kundgebungen von der Straße gestört werden. Es wird daher Pflicht der Bürger Berlins sein, Ansammlungen und Huldigungen in der Nähe des Schlosses für die kommenden Tage zu unterlassen.

Berlin

Gottesdienst in der alten Garnisonskirche

Der Kaiser und die Kaiserin in der Garnisonkirche

In der alten Garnisonkirche zu Berlin in der Neuen Friedrichstraße fand gestern ein allgemeiner Abschiedsgottesdienst für die noch gegenwärtig in Berlin weilenden Offiziere statt. Gleichzeitig waren auch die Offiziersfrauen mit ihren Kindern, deren Männer Berlin schon verlassen haben, in großer Zahl erschienen. Der Andrang zur Kirche war bereits eine Stunde vor dem Beginn des Gottesdienstes so stark, dass schon um 9 ½ Uhr die gewaltige Kirche bis auf den letzten Platz besetzt war. Kurz vor 10 Uhr erschienen der Kaiser und die Kaiserin mit dem gestern in Berlin eingetroffenen Herzog Ernst August von Braunschweig und der Herzogin Viktoria Luise. Der Kaiser trug Generalsuniform, die Kaiserin ein weißes Kostüm. … weiterlesen