Kultur & Gesellschaft

Beschwerden können in der Gormanstraße eingereicht werden

Arbeitslose Frauen in Berlin.

Die Not der Dienstmädchen.

II.

Die Zahl der arbeitslosen Frauen in rein gewerblichen Betrieben ist, wie wir in der gestrigen Abendausgabe gezeigt haben, im August stark gestiegen. Aber auch die Gastwirtsgehilfinnen und Dienstboten sind durch den Krieg schwer in Mitleidenschaft gezogen worden. … weiterlesen

Entwertung von Vermögen möglich?

Geld und Vermögen in Kriegszeiten

Ist das Papiergeld irgendwelcher Gefahr einer Entwertung in Kriegszeiten ausgesetzt?
Diese Frage ist mit ziemlicher Bestimmtheit zu verneinen. Im Falls eines ununterbrochen siegreichen Vordringens unserer Truppen in Feindesland selbstverständlich nicht. Aber auch wenn unsere Waffen Unglück haben sollten, ist noch immer mit großer Wahrscheinlichkeit darauf zu rechnen, dass unser Papiergeld (das eigentlich gar keins ist) seinen vollen Wert bewahren werde. Wir dürfen diese Erwartung aussprechen im Hinblick auf die Geordnetheit unseres gesamten Finanz- und Bankwesens, aber auch in Erinnerung an ähnliche Fälle der Geschichte, namentlich an die Erfahrungen, die im Kriege 1870/71 in Frankreich gemacht worden sind. Damals waren die Noten der Bank von Frankreich ebenfalls für uneinlösbar erklärt worden, und trotzdem haben sie i Inlande ihren Wert unverminderlich erhalten, sind sie überall, auch in den von den deutschen Truppen besetzten Gebieten mit vollem Wert umgelaufen, während ihr sogenannter Außenwert, das heißt ihre Geltung fremden Valuten gegenüber, in der ungünstigsten Zeit nur um wenig Prozent unter Pari sank. Was Frankreich damals gekonnt hat, werden wir heute, denke ich, doch auch noch fertig bringen! … weiterlesen

Papier oder Metall?

Geld und Vermögen in Kriegszeiten

In friedlichen Zeiten nimmt das Publikum in den geordneten Ländern Unbesehens als Geld hin, was der Staat für gut befindet, ihm zu geben. Zwischen Metallgeld und Papiergeld macht es einen ökonomischen Unterschied nicht. Die Vorliebe, die man bald für die eine, bald für die andere Form hegt, wird durch außerökonomische Erwägungen begründet: Erwägungen ästhetischer Natur oder Bequemlichkeitsgründe entscheiden, wenn es überhaupt bis zu einem Entscheide kommt. Man steckt sich lieber fünf Hundertmarkscheine ein, wenn man auf die Reise geht, als fünfundzwanzig Zwanzigmarkstücke; und die Dame mit einem kleinen Geldbeutel weist das silberne Fünfmarkstück zurück, weil es ihr zu unförmig ist. Meist aber richtet sich ein Publikum mehr auf Metallgeld oder mehr auf Papiergeld ein, ohne dass viel erwogen wird, lediglich auf Grund von überkommener Gewohnheit, die in der verschiedenen Form, das Geld zu tragen, ihre festeste Stütze hat. Es gibt dann geradezu Portemonnaieländer und Geldtaschenländer (Deutschland, Österreich), ohne dass sich ein anderer Grund für die Bevorzugung dieser oder jener Geldform anführen ließe, als die auf der verschiedenen Vergangenheit des Geldwesens aufgebaute Volkstradition. … weiterlesen

Die Kolonien

Kolonialhauptkasse

Der Krieg und die Kolonien

Fürsorge für die Angehörigen von Kolonialbeamten.
Berlin, 13. August. Seit der Schiffsverkehr mit den deutschen Kolonien gestört ist, werden manche hier in Deutschland lebende Angehörige von Kolonialbeamten und sonstigen Angestellten der kaiserlichen Gouvernements in Afrika und in der Südsee in Sorge sein, woher sie jetzt die Mittel zum Leben nehmen sollen, die ihnen sonst regelmäßig durch Bankhäuser oder durch die Post nach Anweisung aus den Kolonien zugegangen sind. Diese Sorgen werden nunmehr dadurch behoben, dass der Staatssekretär Dr. Solf soeben Bestimmungen zur Hilfeleistung getroffen hat. Wie wir hören, wird danach solchen in Not befindlichen Antragstellern ein Teil der Gebührnisse ihrer bei den Gouvernements angestellten Männer, Söhne, Brüder usw. während des Krieges in jedem Monat durch die Kolonialhauptkasse oder durch deren Vermittlung ausgezahlt werden, wenn sie nachweisen können, dass ihnen Geldbeträge zu ihrem Lebensunterhalt in regelmäßigen Zeitabschnitten aus den Kolonien überwiesen worden sind.

Von der Produktenbörse

Wegen Kriegszustand

Die Lebensmittelteuerung in Groß-Berlin

Die Lebensmittelteuerung, die seit der Zuspitzung der politischen Lage auch bereits in Groß-Berlin sich geltend zu machen begann, hat sich naturgemäß seit gestern noch wesentlich verschärft. Schon gestern im Laufe des Tages wurden die großen Spezialgeschäfte der Kolonialwarenbranche und die Lebensmittelabteilungen der Warenhäuser von ängstlich gewordenen Hausfrauen bestürmt, die gerade durch ihre Übereilung ihre Absicht, sich in möglichst großem Umfang Lebensmittel noch zu den jetzigen preisen zu sichern, selbst durchkreuzt haben. Denn selbstverständlich musste der Riesenansturm der Berliner Hausfrauen, dem die Geschäftswelt vollkommen unvorbereitet gegenüberstand, eine Hausse in Lebensmittel herbeiführen. Andererseits muss es als unverantwortlich angesehen werden, wenn die einschlägigen Geschäfte nun aus dem Run der Hausfrauen Kapital schlagen wollen und die Preise in unverhältnismäßiger Weise erhöhen. Ein Anlass für die Befürchtungen der Hausfrauenwelt liegt jedenfalls vorläufig keineswegs vor. Trotzdem wurde, wie erwähnt, gestern Abend und heute Vormittag von allen Haushaltungen versucht, sich möglichst viel Lebensmittel zu sichern. Die großen Spezialgeschäfte für Kaffee, Zucker, Tee, Mehl und Butter, Hülsenfrüchte und so weiter und die Lebensmittelabteilung der Warenhäuser hatten indes schon so viele Bestellungen in den letzten Tagen erhalten, dass sie, wie wir durch Umfragen feststellten, heute Vormittag keine neuen Bestellungen mehr annahmen und nicht einmal kleine Posten verabfolgten. Viele Geschäfte haben sogar zeitweise oder ganz geschlossen. Infolgedessen wurden die kleineren Geschäfte bestürmt, aber auch diese gaben ihre waren nur pfundweise ab, so dass man vielfach die Hausfrauen und ihre Dienstmädchen von einem Geschäft zum anderen eilen sah. … weiterlesen

Innenminister

Volle Sicherheit der Spareinlagen

Der Minister des Inneren veröffentlicht folgende Bekanntmachung:

Es wird zur öffentlichen Kenntnis nochmals darauf aufmerksam gemacht, dass weder jetzt noch im Kriegsfalle irgendein Grund vorliegt, Spareinlagen von den öffentlichen Sparkassen abzuheben. Die Spareinlagen sind bei den öffentlichen Sparkassen vollkommen sicher; für sie haftet das gesamte Vermögen und die ganze Steuerkraft der Gemeinde – Stadt oder Kreis –, die die Sparkasse errichtet hat. Die Einlagen der öffentlichen Sparkassen sind im Kriegsfalle als Privateigentum auch gegen Zugriffe des Staates wie der feindlichen Macht geschützt.

Berlin, den 31. Juli 1914

Der Minister des Inneren: v. Loebell.

Die Kolonien

Deutsches Schutzgebiet

Die Entwicklung des Tsingtauer Hafens

Tsingtau, 5. Juli

Unser Platz an der Sonne in Ostasien, Tsingtau, tritt mit dem Bau der neuen Schantungbahnen, von denen jetzt wenigstens für die Kaumibahn die Verhältnisse endgültig geklärt sind, mehr noch aber mit der Errichtung des Eisenwerks bei Tsangkou in ein neues Stadium der Entwicklung und hat sicher neue große Fortschritte zu erwarten, denen gegenüber es sich schon heute zu rüsten gilt. Namentlich die Frage des weiteren Ausbaues des großen vortrefflichen Hafens wird nun brennend. Die beteiligten Kreise treten ihr denn auch schon ernstlich näher. … weiterlesen

Die Kolonien

Ausbau des Hafens

Die Kolonien

Vom Hafenbau in Duala wird uns aus Kamerun berichtet, dass die Baggerarbeiten an der Duala vorgelagerten Barre so weit beendigt sind, dass nunmehr auch die großen Ozeandampfer bis unmittelbar nach Duala gelangen können. Der von Deutschland zurückkehrende Gouverneur Dr. Ebermaier hat auf dem Dampfer „Professor Woermann“ bereits die neue Hafeneinfahrt benutzen können. Nachdem der Reichstag die Mittel für den großzügigen Ausbau des Hafens bewilligt, soll nunmehr der Bau der Kaianlagen möglichst beschleunigt werden, damit die Dampfer bald unmittelbar am Pier laden und löschen können. – Bezirksamtmann Röhm von Duala, der nach Ablauf seiner dritten Dienstperiode zu einem Erholungsurlaub in Deutschland eingetroffen ist, hat kurz vor Antritt seines Urlaubs die Krone zum Roten Adlerorden vierter Klasse erhalten. Bezirksamtmann Röhm hat während seiner langen Dienstzeit am Ausbau von Hafen und Stadt Duala hervorragenden Anteil genommen. Die groß angelegte Sanierung der Stadt, die Legung eines weitverzweigten Kanalisationsnetzes und einer Wasserleitung, die Neuanlage der Eingeborenendörfer jenseits der Schutzzone, die Schaffung der Eisenbahn und Hafenanlagen, der Ausbau großer Straßenzüge, die Errichtung architektonisch schöner Bauten usw., das alles wird wesentlich dazu beitragen, dass das in früheren Jahren berüchtigete Fiebernest Duala bald zu einer modernen, gesunden Tropenstadt sich herausbilden wird, die berufen erscheint, der erste Hafenplatz an der westafrikanischen Küste zu werden.

Die Kolonien

Kolonien

Die Kolonien

Im Juliheft der „Kolonialen Rundschau“ bringt M. Abeking einen eingehenden Artikel über Angola, der, weil dies Land ein Feld deutschen Unternehmungsgeistes zu werden verspricht, besonderes Interesse beanspruchen darf. Die Arbeit fußt auf den neuesten portugiesischen Quellen und behandelt in eindringender Weise die politischen, sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse des Landes. Der bei der Lektüre vorwiegende Eindruck ist der, dass in dem Lande bei geduldiger Erschließungsarbeit große Schätze verborgen liegen, die die portugiesische Herrschaft nur in bescheidenem Maße zu heben vermocht hat. Schade für die Kolonie ist die dauernde Arbeiterausfuhr nach den Kakaoinseln S. Thomé und Principe, die ganze Distrikte fast entvölkert hat und natürlich die Entwickelung im Lande selbst hintanhält. Weite Strecken Angolas sind für europäische Siedlung geeignet, der Wasserreichtum ist durchweg größer als in Deutsch-Südwest.

Die Kolonien

Deutsch-Ostafrika

Koloniales

Am 20. Juni 1914 starb zu Berlin der kaiserliche Oberleutnant in der Schutztruppe für Deutsch-Ostafrika, Herr Kurt Johannes. Seit der Bildung der Wißmanntruppe im Jahre 1889 ist sein Name mit der Geschichte der Schutztruppe für Deutsch-Ostafrika verknüpft. Über 24 Jahre widmete er seine Kraft der Entwicklung unserer Kolonie Deutsch-Ostafrika, im Kriege wie im Frieden ein ganzer Mann. Von verschiedenen Seiten ist der Wunsch laut geworden, das Andenken an den leider so früh Verstorbenen für alle Zeiten durch einen in Daressalam zu errichtenden Gedenkstein wach zu halten. Die Beiträge wolle man a) aus Deutschland an die Dep.-Kasse A der Deutschen Bank, Berlin W., Mauerstraße, b) aus der Kolonie an das Kommando der Schutztruppe, Daressalam, senden unter der Bezeichnung: „Denkmalfonds Johannes, Deutsch-Ostafrika“.