Von der Produktenbörse

Wegen Kriegszustand

Die Lebensmittelteuerung in Groß-Berlin

Die Lebensmittelteuerung, die seit der Zuspitzung der politischen Lage auch bereits in Groß-Berlin sich geltend zu machen begann, hat sich naturgemäß seit gestern noch wesentlich verschärft. Schon gestern im Laufe des Tages wurden die großen Spezialgeschäfte der Kolonialwarenbranche und die Lebensmittelabteilungen der Warenhäuser von ängstlich gewordenen Hausfrauen bestürmt, die gerade durch ihre Übereilung ihre Absicht, sich in möglichst großem Umfang Lebensmittel noch zu den jetzigen preisen zu sichern, selbst durchkreuzt haben. Denn selbstverständlich musste der Riesenansturm der Berliner Hausfrauen, dem die Geschäftswelt vollkommen unvorbereitet gegenüberstand, eine Hausse in Lebensmittel herbeiführen. Andererseits muss es als unverantwortlich angesehen werden, wenn die einschlägigen Geschäfte nun aus dem Run der Hausfrauen Kapital schlagen wollen und die Preise in unverhältnismäßiger Weise erhöhen. Ein Anlass für die Befürchtungen der Hausfrauenwelt liegt jedenfalls vorläufig keineswegs vor. Trotzdem wurde, wie erwähnt, gestern Abend und heute Vormittag von allen Haushaltungen versucht, sich möglichst viel Lebensmittel zu sichern. Die großen Spezialgeschäfte für Kaffee, Zucker, Tee, Mehl und Butter, Hülsenfrüchte und so weiter und die Lebensmittelabteilung der Warenhäuser hatten indes schon so viele Bestellungen in den letzten Tagen erhalten, dass sie, wie wir durch Umfragen feststellten, heute Vormittag keine neuen Bestellungen mehr annahmen und nicht einmal kleine Posten verabfolgten. Viele Geschäfte haben sogar zeitweise oder ganz geschlossen. Infolgedessen wurden die kleineren Geschäfte bestürmt, aber auch diese gaben ihre waren nur pfundweise ab, so dass man vielfach die Hausfrauen und ihre Dienstmädchen von einem Geschäft zum anderen eilen sah. … weiterlesen

Von der Produktenbörse

Aussperrungen in der Lausitz

Die Aussperrung in der Niederlausitz

Heute werden die Tuchfabrikanten, die dem Arbeitgeberverband der Niederlausitzer Tuchindustrie angehören, ihre Betriebe schließen und ihre Arbeiter aussperren. Nach Berechnungen dieses Unternehmerverbandes werden von diesem Tage an 28 700 Arbeiter und Arbeiterinnen mit 143 000 Familienangehörigen die existenzlosen Opfer brutaler Scharfmacherwillkür sein. Die andere Wirkung ist die, dass durch die Aussperrung der Arbeiterschaft auch zahlreiche kleine Unternehmer, besonders in Torst, in die Gefahr kommen, ihre Existenz einzubüßen. Hinzu kommt weiter, dass zahlreiche Firmen aus den Kreisen der Tuchhändler und Konfektionäre, die in der Niederlausitzer Tuchindustrie Aufträge placiert haben, in arge Bedrängnis geraten. … weiterlesen