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Mystisches Dunkel

Das Attentat auf Rasputin

In Russland funktioniert kaum noch etwas. Die Geheimpolizei bildet da die Ausnahme. Sie will vor allem alles Geschehen am Zarenhof verheimlichen. Doch das Attentat auf Rasputin verrät einiges über das Leben am Hofe.

Außer dem Wodkakonsum und den Massenhinrichtungen funktioniert im großen heiligen Russland eigentlich nur noch eins einigermaßen zufriedenstellend. Das ist die Geheimpolizei und vor allem ihre geschickte Verdunkelung alles dessen, was am Zarenhof geschieht. Das Attentat der Bäuerin Cussowa auf den „Heiligen“ Rasputin beleuchtet einmal wieder dieses Dunkel.

Die Romanows sind von jeher einem ebenso bornierten wie ekstatischen Religionshumbug besonders zugänglich gewesen. Der Mönch Fliodor, der auch in dem Fall Rasputin seine „heilige“ Hand zu haben scheint, hat am Hof der Zaren viele Vorgänger und Vorgängerinnen. Neuerdings scheint vor allem auch die aus Deutschland gebürtige Zarin ein Opfer der geschäftstüchtigen Mystiker geworden zu sein. Denn wenn berichtet wird, dass Rasputin im nächsten Jahre eine eigene Zeitung zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung Russlands, unterstützt von einer „sehr hochstehenden Persönlichkeit“, herausgeben wollte, so wird damit wohl auf die Zarin hingedeutet. Ab und zu hört die Welt Unklares und Widersprechendes von dem Leben in Peterhof und Zarskoje-Selo. Wie aber muss es wirklich in dieser prunkvoll-düsteren Atmosphäre von Frömmelei, Hokuspokus und immer wieder verübten Gewalttaten aussehen?