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Friedliche internationale Wettkämpfe

Das Tanzturnier in Schwinemünde

Während politisch vieles auf Krieg hindeutet, lieferten sich Tänzer aus ganz Europa beim Tanzturnier in Swinemünde einen friedlichen Wettkampf. Die Urlauber an der Ostseeküste kamen nicht nur als Zuschauer auf ihre Kosten.

Ein blendendes gesellschaftliches Bild zeigte in den letzten Tagen das Seebad Swinemünde. Wenn auch die Wolken am politischen Horizont sich zusammengeballt hatten, wenn auch alle Kurgäste mit der gleichen Teilnahme wie die in Berlin Zurückgebliebenen sich in die Flut der Ereignisse stürzten, so stürzte man sich aber doch auch mit nicht geringerer Begeisterung in die rauschenden Wogen der modernen Tanzweisen und in die rhythmische Flut des ewig schönen Wiener Walzers. Das von der Direktion des Admiralspalastes veranstaltete Tanzturnier, das von der Kurdirektion eifrig gefördert und als willkommene Ergänzung der Saisonfreuden aufgenommen war, hatte alle Kurgäste mobil gemacht. Die Beteiligung war überaus groß, und nicht nur die Berufstänzer und siegreichen Champions des Parketts waren zur Stelle, sondern die Damen der Gesellschaft nahmen froh die Gelegenheit, Grazie und Kunst, Erlerntes und Erlebtes im lichtumfluteten Ballsaal zu zeigen.

Wie bei jedem edlen Wettkampf, fanden vorerst Ausscheidungstänze statt. Es folgten Tänze außer Konkurrenz, vorgeführt von Amateuren und Berufstänzern. Furlana, Ta-Tao, Polka argentina, Wiener Walzer, kurz, alles, was das Herz sich wünschen kann. Der letzte Abend brachte dann die Entscheidungstänze um die Meisterschaft der Ostseebäder für Berufstänzer. 8 Paare traten an. Bestaunt von Hunderten schöner Augen, betrachtet von den kritischen Blicken der Preisrichter. Hier siegt im 1. Preis, im Ehrenpreis des Admiralspalastes die französische Farben: Aurel René und Marguerite Madleine. Ungarn belegte mit den Herrschaften Rynos und Selva den zweiten Platz, während Deutschland mit seinem Paar sich mit dem dritten Preise begnügen musste. Dass Spanien an 4. Stelle und Österreich am 5. Platz rangierte, sei der internationalen Ordnung halber erwähnt.

War bei den Berufstänzern das Interesse an den gebotenen Kunstleistungen ausschlaggebend, so lag über dem Wettstreit der Amateure doch der diskrete Reiz eines ernsten, begeisterten Kampfes. Schon die Vorbereitungen waren emsiger und arbeitsamer betrieben worden. Und so blieb die Freude des Sieges auch nicht aus, wenn es auch gewiss viele Enttäuschungen gab. Denn jedes Paar tanzt ja doch am besten. Das weiß es ganz genau, wenn auch die Jury anderer Meinung ist.

Den ersten Preis, den Ehrenpreis des „Berliner Tageblatts“, erhielt der geschickte Amateur Hoffnung mit seiner graziösen Partnerin. Es folgten die Paare Mühl-Henschel, Krafft und Sajó-Fätgenhauer. In der Jury saßen Künstler und Gelehrte, die den Tanz nach der technischen und ästhetischen Seite hin prüfen. Von Swinemünde waren der Oberleutnant Freiherr v. Zwedtwitz und der Platzkommandant v. Deval wohnten der Entscheidung bei. Gewiss war die Entscheidung schwer zu treffen. Denn der Tanz, mag man sich zu seinen neuen Formen stellen, wie man will, hat sich doch zum Kunstwerk ausgestaltet. Die Linie und ihre schöne Entwicklung hat in der neuen Zeit gesiegt. Diese Entwicklung zu zeigen im harmonischen Rahmen eines glänzenden Bildes ist der Zweck der Tanzturniere. Und dass das Interesse groß und wach ist, bewies die Beteiligung an dem schönen fest in Swinemünde, um dessen treffliches Gelingen sich die rührige Kurdirektion und der Admiralspalast-Berlin wohl verdient gemacht haben.