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Gemeinschaftsduschen an Schulen

Das unsittliche Brausebad

Die Einrichtung von Gemeinschaftsduschen an Göttinger Volksschulen sorgt für Diskussionen. Die katholischen Schulen wollen dem Beispiel der evangelischen nicht folgen und fordern Einzelduschen für die Schülerinnen und Schüler.

Aus Göttingen wird uns geschrieben:

In den sämtlichen evangelischen Volksschulen der Stadt Göttingen sind Brausebäder eingerichtet, die für Knaben und Mädchen getrennt sind. Auf Antrag der katholischen Volksschule hatten die städtischen Kollegien vor einiger Zeit beschlossen, auch in dieser Schule ein Brausebad einzurichten, und hatten hierfür 7000 Mark bereitgestellt. Die Arbeiten sind jetzt ziemlich vollendet und sind genau in derselben Weise ausgeführt worden, wie in den evangelischen Volksschulen. Nun hatte plötzlich das katholische Pfarramt als Aufsichtsbehörde der katholischen Volksschule gegen die Art der Einrichtung des Brausebades Bedenken erhoben, weil es unsittlich sei, wenn beim Baden die unbekleideten Kinder, ganz gleichgültig, ob es nun Knaben oder Mädchen seien, sich gegenseitig sehen könnten.

Das Pfarramt wünschte, dass für jeden der Badenden ein besonderer geschlossener Raum geschaffen werde, widrigenfalls es die Benutzung des Brausebades durch die Schuljugend nicht zulassen könne. Die städtischen Kollegien könnten sich von der Notwendigkeit, für die katholische Volksschule andere Badeeinrichtungen zu schaffen, wie für die evangelischen Volksschulen, nicht überzeugen, und man vertrat die Ansicht, dass, wenn das nach dem Vorbilde der anderen Schule angelegte Brausebad den Wünschen des Schulvorstandes nicht entspreche, die katholische Volksschule eben auf die Vorteile eines Schulbrausebades verzichten müsse.