Grüße aus dem Westen
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Feldpost von der Westfront

Der Brief eines Lüttich-Stürmers

Von der Westfront sind die ersten Soldatenbriefe eingetroffen. Sie berichten vom Sturm auf Lüttich und von den Greueltaten der Belgier.

Aus dem Lazarett in Aachen schreibt ein verletzter Einjähriger, der mit bei der ersten Attacke auf Lüttich war, seinen Eltern einen Brief, den wir nach dem „Hambg. Frdbl.“ veröffentlichen:

Aachen, 8. August.

Liebe Eltern!

In der Nacht von Sonntag auf Montag, 2./3. August, fuhren wir von Wismar ab und wurden auf der ganzen Fahrt überall mit Begeisterung begrüßt, was natürlich sehr ermutigend auf uns einwirkte; freilich kamen wir kaum einen Augenblick zum Schlafen. Am 4. August, nachts, trafen wir an unserem Bestimmungsort ein, hatten dann am folgenden Morgen, 5. August, von früh 5 Uhr bis abends 7 Uhr zu marschieren, eine kolossale Anstrengung, wobei von anderen Regimentern viele zurückblieben, namentlich von der Reserve, die dann von den hinterlistigen Einwohnern erschossen wurden. Die Bewohner Belgiens sind Kanaillen und Bestien, jeder Zurückbleibende ist rettungslos verloren. Bis zehn Kilometer in Belgien hinein wurden wir noch freundlich empfangen, dann aber ging’s los. Die Belgier schießen auf alles, auch auf das „Rote Kreuz“. Ja, sogar noch in Deutschland, ein bis zwei Kilometer von der Grenze entfernt, schossen gestern fünf belgische Arbeiter auf einen Verwundetentransport. Drei von der Bande konnte man packen, die anderen sind entwischt. In einem Dorf, das unsere Truppen besetzt hielten, wurde von der Bevölkerung auf eine Husarenpatrouille von achtzehn Mann geschossen, natürlich ging dann das ganze Dorf in Flammen auf, und von den Einwohnern ist wohl keiner entkommen. Wir selbst wurden schon im ersten Biwak am 4. August von den Einwohnern überfallen, auch am 5. August wurde beim Durchmarsch durch ein Dorf von den Einwohnern auf uns geschossen, worauf wir natürlich scharfe Strafe folgen ließen.

Dann wurde über die Maas gesetzt. Nach 3 Kilometern kam es am 5. August, nachts 12 Uhr, zum Sturm auf Lüttich, das schon seit 15 Stunden unter unserem Artilleriefeuer stand. Leider misslang der Sturm, da die feindliche Artillerie uns schwer beschoss, und von unserer eigenen Artillerie nicht so schnell zum Schweigen gebracht werden konnte. Am 7. August ist dann Lüttich genommen worden.

Die Eindrücke während der Schlacht zu beschreiben, ist mir unmöglich. Man wird schon im ersten Gefecht daran gewöhnt, so dass man sich schließlich beim Fallen der Mitkämpfer um einen herum kaum mehr viel denkt. Es geht trotzdem forsch weiter darauf los. Ich selbst stürzte beim Übersteigen eines Stacheldrahtverbaues vor einem dreißig Meter hohen Fort und erlitt einen Sehnenriss am rechten Knie, der aber durchaus nicht gefährlich ist. Nachdem ich nicht mehr weiter konnte, lag ich dann noch drei Minuten im Kugelregen, bis es mir gelang, in Deckung zu kriechen.

Am Morgen nach der Schlacht bin ich dann mit Hilfe eines Krankenträgers ins Dorf-Lazarett gekommen. Durch das Dorf mussten wir dann mit mehreren anderen unter vorgehaltenem Gewehr gehen, da die Einwohner fortwährend auf uns schossen. Einen von der Bande habe ich dabei niedergeknallt. Am 6. August lagen wir dann in denselben Dorf-Lazaretten, in deren eines von ihnen trotz der aufgezogenen „Roten-Kreuz“-Fahne noch eine feindliche Granate einschlug. Am 7. August wurden wir dann per Auto nach Aachen befördert, wo wir im Landesbad, uns wie im Himmel befinden. Die Verpflegung ist großartig, und die Privatleute sind rührend aufmerksam.

Aus der Nähe von Aachen vom 8. August ist folgender Brief datiert:

„Heute hier das erste Kriegsquartier bei einem Doktor. Großartig! Wir sind heute um 12 Uhr mittags in Aachen angekommen, also 1 ½ Tag gefahren. Ich kann Die sagen, so etwas hat nur derjenige mitgemacht, der ins Feld zieht. Hamburg-Hauptbahnhof fing die Sache schon an mit Liebesgaben, so fuhren wir immer weiter, dem Feind entgegen. In Osnabrück hörten wir, dass die Deutschen die Festung Lüttich belagern, auf der nämlich Hauptstation erfuhren wir durch den Bahnhofskommandanten, dass die Festung gestürmt worden sei. Ein Jubeln und Hurrarschreien, unbeschreiblich. In Krefeld lief gerade ein Zug mit deutschen Flüchtlingen aus Belgien ein, als auch wir eintrafen. Was die Belgier sich geleistet haben an Gräueltaten, das spottet jeder Beschreibung. Die Leute, sobald sie in Krefeld aus dem Zug stiegen und uns deutsche Soldaten sahen, haben geweint. Ein Ehepaar erzählte uns, die Belgier hätten ihr kleines Kind an den Armen gepackt und auseinandergerissen, Frauen halbtot geschlagen, Reisenden ihr Geld, Hab und Gut weggenommen usw.“

Der Brief berichtet dann weiter Gehörtes über die Schlacht bei Lüttich und von den Schandtaten der Freischärler, und fährt fort: „In einem Dorfe in Belgien hat ein deutscher Offizier etwas zu trinken verlangt. Der Wirt hat den Offizier in die Gaststube genommen, ihm ein Glas Wein angeboten und, während der Offizier trank, hat ihm dieser Hund ein Messer in den Unterleib gejagt. In Lüttich haben die Frauen siedendes Öl aus den Fenstern auf die Soldaten gegossen … Die Begeisterung auch hier ist stark, alles lechzt nach Rache. Hoffentlich kommen nun wir auch bald ran.“