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Reisepass verlangt

Der Eindruck der Nachricht

Der englische Botschafter hat beim Auswärtigen Amt seinen Reisepass verlangt. Als sich diese Nachricht in Berlin verbreitete, fachte es die trotzige Stimmung auf den Straßen an.

Als kurz vor 8 ½ Uhr Abends die Extraausgabe des „Berliner Tageblatts“ zuerst die Mitteilung brachte, dass der englische Botschafter seine Pässe verlangt habe, ging durch ganz Berlin eine mächtige Bewegung. Sie war stärker als in den letzten achtundvierzig Stunden und ist in ihrem impulsiven Ausdruck nur der Stimmung zu vergleichen, die am Sonnabend Abend herrschte. Man konnte den Gesichtern im ersten Augenblick die Überraschung ablesen, aber gleich darauf hörte man das Lied aufsteigen, das in diesen schweren Tagen mehr ist als ein Lied: „Lieb Vaterland, magst ruhig sein!“ Nur dass es gestern Abend noch frischer, zuversichtlicher und trotziger klang.

Was man als Eindruck der Nachricht sah und hörte, war frei von jedem demonstrativen Charakter. Man nahm die schwerwiegende Mitteilung mit Ernst und Ruhe entgegen, aber jeder schien das Bedürfnis zu fühlen, keinerlei Betroffenheit aufkommen zu lassen. Da und dort hörte man den Ruf: „Endlich!“ Und aus diesem Aufruf klang die Erleichterung, die jede Gewissheit bringt. Wohin die Automobile mit den Extrablättern kamen. Unter den Linden, in der Friedrichstraße, in den Straßen des Westens, überall zeigte sich der würdige Ernst und der nicht zu trübende Mut, mit dem die Berliner sich in diesen Tagen zusammenfinden. Nur den einzigen Wunsch, vor die englische Botschaft zu ziehen, konnten leider viele nicht unterdrücken (siehe auch Seite 2).