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Gottesdienst in der alten Garnisonskirche

Der Kaiser und die Kaiserin in der Garnisonkirche

Mit einem Gottesdienst in der Berliner Garnisonskirche haben Kaiser Wilhelm II. und Kaiserin Auguste Viktoria um Gottes Beistand für den beginnenden Krieg gebeten. Zugleich wurden die Berliner Offiziere so an die Front verabschiedet.

In der alten Garnisonkirche zu Berlin in der Neuen Friedrichstraße fand gestern ein allgemeiner Abschiedsgottesdienst für die noch gegenwärtig in Berlin weilenden Offiziere statt. Gleichzeitig waren auch die Offiziersfrauen mit ihren Kindern, deren Männer Berlin schon verlassen haben, in großer Zahl erschienen. Der Andrang zur Kirche war bereits eine Stunde vor dem Beginn des Gottesdienstes so stark, dass schon um 9 ½ Uhr die gewaltige Kirche bis auf den letzten Platz besetzt war. Kurz vor 10 Uhr erschienen der Kaiser und die Kaiserin mit dem gestern in Berlin eingetroffenen Herzog Ernst August von Braunschweig und der Herzogin Viktoria Luise. Der Kaiser trug Generalsuniform, die Kaiserin ein weißes Kostüm.

Die Feier wurde durch den gemeinsamen Gesang des Liedes „Befiel du deine Wege“ eingeleitet. Die Predigt hielt der Militär-Oberpfarrer des Gardekorps. Wirklicher Geheimer Konsistorialrat D. Goens. Der Andacht legt er den 91 Psalm: „Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt, und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibet, der spricht zu dem Herrn, meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe.“ zugrunde. Der Geistliche schilderte den hohen Ernst der Zeit und gedachte der Friedensjahre des Kaisers. Deutschland hat sich während dieser Zeit einen Platz an der Sonne erworben, der jetzt von einer anderen Macht angegriffen wird. Mit erhobener Stimme erklärte der Geistliche, nicht unser Kaiser wollte den Krieg, er tat bis zur letzten Stunde sein Mögliches, um seinem Volke den Frieden zu erhalten. Aber auch unser Volk verabscheute den Krieg, und da uns jetzt der Krieg aufgezwungen wurde, so heisst es denn Abschied nehmen, um uns dem Feinde mit Macht entgegenzustellen. „Gott mit uns“, so zogen unsere Väter in den Kampf, und seit 200 Jahren versammelten sich hier in diesem Gotteshause unsere Herrscher vor Beginn eines Krieges. „Gott war bei uns“ so dankten sie dem Allmächtigen hier nach dem Kriege. Mit diesen Worten wollen auch wir in den Kampf ziehen und Gott bitten, dass er uns den Sieg verleihe. Mit dem gemeinsamen Gesange „Ein feste Burg ist unser Gott“, schloss die ernste Feier. Der Kaiser begab sich sofort im Automobil nach dem Schloss zurück und wurde von der ihm zujubelnden Menge lebhaft begrüßt. Nach dem Gottesdienst fand in der Garnisonkirche eine Anzahl Nottrauungen von Militärpersonen statt.