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Vergewaltigung und Mord

Der Lustmord in Neukölln

Der mutmaßliche Kinderschänder und Mörder aus Berlin-Neukölln bestreitet, die Verbrechen an der vierjährigen Nachbarstochter alleine begangen zu haben. Doch die Polizei hat starke ZWeifel an den Aussagen des mutmaßlichen Täters.

Der mutmaßlich alleinige Mörder der vierjährigen Margarete Rapp, genannt Sprenger, aus der Barthelstraße 13 zu Neukölln wurde gestern Vormittag abermals eingehend verhört. Es blieb aber bei seiner Darstellung, die er in der Nacht zuletzt gemacht hatte. Danach hat er seinem Freund Werner zwei kleine Mädchen, die vierjährige Margarte Rapp und das dreijährige Töchterchen eines anderen Hausbewohners, auf seinen Wunsch hin in seiner Behausung zugeführt. Werner habe, während er das andere Kind wieder mit einigen Pfennigen fortgeschickt habe, weil es ihm nicht gefiel, sich an der kleinen Rapp vergangen und ihr auch den Stich mit dem aufgefundenen Messer beigebracht. Er sei, während dies geschehen, in dem Garten gewesen. Als er wieder hereingekommen sei, habe das Kind aber noch gelebt und er habe nun den Strick, der um seinen Hals lag, noch fester zugezogen. Werner und er hätten sich dann kurz nacheinander entfernt. Er habe auf der Straße die Bekanntschaft eines Mädchens gemacht und es mit in seine Behausung genommen. Die Adresse des Mädchens, die dies auch bekunden könne, habe er sich auf einen Zettel geschrieben, der sich noch in der Wohnung befinde. Die kleine Leiche habe er vergraben, während das Mädchen am Morgen fest geschlafen habe.

Gestern Vormittag nun wurde, da Beständig seine Aussagen nicht ändern wollte, das dreijährige Mädchen, das bei ihm gewesen sein wollte, befragt. Es hab an, in der Wohnung Beständigs gewesen zu sein und dort neben Schokolade auch einige Pfennige erhalten zu haben. Auch sprach die Kleine davon, dass noch ein anderer „Onkel“ dagewesen sei. Die Vernehmung gestaltete sich jedoch sehr schwierig und glaubt die Neuköllner Kriminalpolizei, auf diese Aussagen nichts geben zu können. Die Durchsuchung der Wohnung Beständigs nach dem Zettel mit der Adresse des Mädchens, das bei ihm übernächtigt haben soll, war vergebens. Über Werner sagte Beständig noch, dass dieser die Absicht ausgesprochen habe, nach Hamburg zu fahren, um zu versuchen, von dort nach Amerika zu entkommen.

Die Neuköllner Kriminalpolizei hat bisher für die Mittäterschaft des angeblichen Werner noch keine Anhaltspunkte gefunden, die diese wahrscheinlich machen. Sie steht immer noch auf dem Standpunkt, dass Beständig die scheußliche Tat allein begangen hat. Die Frau des Verhafteten, die sich in Graudenz befindet, konnte noch nicht vernommen werden.

Im Laufe des gestrigen Vormittags haben sich verschiedene Männer gemeldet, die Werner heißen, es war aber keiner unter ihnen, der der „Freund und Spießgeselle“ Beständigs ist. Von „Werner“ gibt der Verhaftete jetzt auch eine Beschreibung. Danach ist dieser 1,70 bis 1,80 Meter groß, 33 Jahre alt, hat eine schlanke Figur, ein schmales blasses Gesicht, blondes Haar, einen braunen, nach oben gedrehten Schnurrbart und auf der rechten Wange eine Narbe. Auf dem linken Unterarm hat er eine Tätowierung, die eine schwebende Jungfrau am Trapez darstellt und eine Schlange, die sich vom Handgelenk nach dem Daumen zieht. Auf dem rechten Oberarm hat er ein Medaillon tätowiert, das ein Mädchenkopf ziert. Bekleidet gewesen ist er mit einer hellgestreiften Hose, dunklem Jackett und Weste, schwarzen Schnürschuhen, einem schwarzen steifen Hut und einem Stehumlegekragen mit einer kleinen schwarzen Schleife. An der linken Hand trägt er einen Siegelring. Obwohl die Kriminalpolizei auch trotz dieser genauen Beschreibung des „Mittäters“ den Angaben Beständigs keinen Glauben schenkt, hat sie für alle Fälle doch sofort telegraphische Nachrichten nach Hamburg gegeben, da Beständig behauptet, dass er von dort nach Amerika wolle und, wie er jetzt noch hinzufügte, auch über genügende Geldmittel verfüge.

Über das Mädchen, das er mit in die Wohnung genommen und beherbergt haben will, obwohl die kleine Leiche der Margarete Rapp in einem Sack in einer Ecke der Stube gelegen habe, sagt er noch aus, dass er dies in der Hermannstraße weinend angetroffen habe. Er sei auf das Mädchen zugegangen, habe es gefragt, was ihm fehle und als dies erzählt habe, dass es aus Luckenwalde stamme, aber sein Reisegeld nach dort verloren habe, sich bereit erklärt, ihm Unterkunft zu gewähren. Die Weinende habe sich damit auch einverstanden erklärt. Als ihren Namen gibt er Anna Roth an. Mitgenommen haben will er sie nach seiner Aussage hauptsächlich darum, weil er sich allein in der Wohnung gefürchtet habe.

Der Mörder der kleinen Margarete Rapp wurde gestern Abend, nachdem er bei einem abermaligen Verhör bei seiner letzten Darstellung geblieben war, dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Seine Frau kehrte gestern Nachmittag aus Graudenz zurück und wurde gleich von Kriminalbeamten nach dem Neuköllner Polizeipräsidium gebracht. Auf die Frage nach dem Freund Werner, den sie nach Bekundungen ihres Mannes ebenfalls kennen sollte, erklärte sie, von ihm nichts zu wissen.