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Hilfsorganisation

Der Nationale Frauendienst

Der Nationale Frauendienst kümmert sich um Frauen und Mädchen, deren Ernährer in den Krieg gezogen ist. Wir erklären, wer wo Hilfe bekommen kann.

Organisation und Tätigkeit.

Die zweitgrößte Organisation der Frauen, die neben dem Roten Kreuz, aber in Fühlung mit ihm, arbeitet, ist der Nationale Frauendienst. Er vertritt den Bund deutscher Frauenvereine, umfasst also alle Vereine, die nicht an den Vaterländischen Frauenverein und das Rote Kreuz angeschlossen sind. Die Hauptgeschäftsstelle des Nationalen Frauendienstes bedient sich in den Bureaus der Zentrastelle für Volkswohlfahrt, Berlin W., Augsburger Straße 61. In diesen Bureaus herrscht ein außerordentlicher Andrang und eine ungeheure Arbeitsfülle. 300 bis 400 Auskunftssuchende müssen neben den verlangten schriftlichen Auskünften täglich abgefertigt werden.

Die Arbeit des Nationalen Frauendienstes besteht in der Organisierung der privaten Kriegshilfe im Anschluss an die Leistungen der Kommunen. Der Nationale Frauendienst umfasst 3 Abteilungen: 1. den nationalen Frauendienst für die Stadt Berlin. Vorsitzende Frau Oberbürgermeister Wermuth; geschäftsführende Vorsitzende Fräulein Dr. Gertrud Bäumer und Frau Levy-Rathenau. Auch Frau Bürgermeister Reicke und Frau Cassel gehören dem Vorstand dieser Abteilung an. Die 2. Abteilung umfasst die Hilfsaktion in den Vororten. An ihrer Spitze stehen Regierungsrat Euerny und Frau Dr. Thurmann. Die 3. Abteilung propagiert die gleichen Einrichtungen in den preußischen Städten und Landgemeinden. An ihrer Spitze steht Frau Hedwig Hehl. In Städten der deutschen Bundstaaten, wie in Stuttgart und Nürnberg, hat man die Organisation bereits nachgeahmt. Man hofft, dass sich in allen deutschen Staaten Landesverbände bilden. Die Arbeit in Berlin, die den übrigen Orten als Vorbild dient, geschieht in engster Fühlung mit den städtischen Hilfskommissionen. Analog den städtischen Steuerbezirken hat die Stadt Berlin 23 Hilfskommissionen eingerichtet, die entweder im gleichen Lokal mit den städtischen Kommissionen oder wenigstens im gleichen Bezirk mit ihnen tagen. Die Hilfskommissionen sind untergebracht im Bureau des Städtetages, im Zentralarbeitsnachweis, in der Humboldt-Akademie, in den Räumen von Siemens und Halske, in der Berliner Stadtmission, im Hause der Berufsarbeiterinnen der Inneren Mission, im katholischen Pfarramt in der Turmstraße, im Gemeindehaus der Georgenkirche, im Jüdischen Mädchenklub, in der Geschäftsstelle des Kaufmännischen Verbandes für weibliche Angestellte, im Bureau des Verbandes der Schneider und Schneiderinnen  im Kinderhaus Blumenstraße und die übrigen in Gemeindeschulen.

Die Arbeit der Hilfskommissionen besteht in der Erteilung von Auskunft, Rat und Hilfe an alle durch den Krieg in Not Geratene. Darunter werden nicht nur Frauen, Mütter und Kinder der Einberufenen verstanden, sondern auch diejenigen, die durch den Krieg ihre Arbeit oder ihre Stellung verloren haben und dadurch in Not geraten sind. Personen, die sich schon vor Beginn des Krieges in einer Notlage befanden, unterstehen dagegen nach wie vor der Armenpflege, können also hier nicht berücksichtigt werden. Unterstützungen in barem Geld geben die Hilfskommissionen nicht: solche gewährt die Stadt aus den zu diesem Zweck gesammelten Hilfsfonds. Sie müssen beim Bezirksvorsteher beantragt werden und erfordern sorgfältige Recherchen. Da die Bezirksvorsteher diese nicht allein ausführen können, hat ihnen der Nationale Frauendienst bereits tausend Damen für Recherchen zur Verfügung gestellt. Diese Unterstützungen werden zunächst Frauen gegeben, deren Ernährer im Felde steht. Daneben aber haben wir durch den Krieg ganz plötzlich entlassenen Arbeiterinnen, der Verkäuferinnen, Sprachlehrerinnen, Musikerinnen, Malerinnen und Kunstgewerblerinnen, Schriftstellerinnen und Schauspielerinnen. Daneben verteilen die Hilfsmissionen an die durch den Krieg in Not Befindlichen Lebmittelmarken; natürlich nur in dem Umfange, als ihnen von Gönnern dazu Mittel zur Verfügung gestellt werden.

Fernere Aufgabe der Untersuchungskommissionen ist Arbeitsbeschaffung und die Feststellung der in ihrem Bezirke nötigen Maßnahmen wie Einrichtung von Volksküchen, Horten, Kindergärten, Krippen, Wohngelegenheiten, Fürsorge für Flüchtlinge. Diese Einrichtungen werden dann je nach Bedarf getroffen werden. Endlich unterstützen die Hilfskommissionen die Kommunen in der Kontrolle der Lebensmittelpreise. Zum Schluss bittet der Nationale Frauendienst das Publikum, Geduld zu üben. Das Zentralbureau wird gegenwärtig mit Reklamationen von Hilfsbereiten überschwemmt, die beleidigt sind, dass ihre angebotene Hilfe nicht sofort beansprucht wurde. Die Arbeit des Nationalen Frauendienstes ist aber genauso wie die des Roten Kreuzes eine organisatorische und vorbereitende. Wie das Rote Kreuz die Samariterinnen sammelt, ausbildet und dann warten lässt, bis Verwundete da sind, so gilt es auch, für andere drohende Notstände Vorsorge zu treffen und die Helferinnen zu sammeln, zu sichten und bereitzustellen, damit dann, von einem Tag zum anderen, das sorgfältig Vorbereitete ins Leben treten kann.

Auch hier ist bereit sein alles.