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Flugwettbewerb

Der Wettflug um die Erde

San Franzisco, New York, London, Berlin, Moskau, Tokio: Das sind nur einige Stationen eines Wettrennes per Flugzeug um die Welt. Der Wettflug soll im Mai 1915 starten. Dem Sieger winken umgerechnet 400 000 Mark.

Der Wettflug um die Erde aus Anlass der Weltausstellung in San Francisco erhält jetzt seine praktische Grundlage. Der Urheber des Planes, Arnold Kruckmann, ist jetzt auf seiner vorbereitenden Weltreise in London eingetroffen. Sein Plan ist allerdings sehr hochfliegend, aber angesichts der heutigen Leistungen der Aeronautik wohl durchführbar. Er ist an Schwierigkeiten mit dem Transatlantikflug nicht zu vergleichen, denn die längste Strecke über See, etwa 600 Meilen zwischen Grönland und Irland ist für Hunderte von Flugzeugen zu durchmessen. Es wird unter anderem auch ausdrücklich auf die letzten deutschen Rekordleistungen im Dauer- und Höhenflug hingewiesen.

Der Flug soll am 15. Mai nächsten Jahres in San Franzisco beginnen und über folgende Kontrollstationen mit obligatorischen Landungen führen: Cheyenne, Chicago, Ney-York oder Quebec, Island, Faroer Inseln, Shetlandinseln, London, Paris, Berlin, Petersburg, Moskau; Wladiwostok, Kobe; Tokio, Kurilinseln, Anadye in Kamtschatka, Commanderinseln, Aleuten, Sitka, Prince Rupert, Vancouver, Seattle, San Francisco. Wo irgend möglich, liegen Kontrollstationen nicht mehr als 1000 Meilen auseinander, doch sind natürlich Zwischenlandungen nach Belieben gestattet. Alle 70 Meilen auf der ganzen Route werden Depots für Petroleum, Öl und anderen Proviant errichtet. Von San Francisco durch den amerikanischen Kontinent sind keine großen Schwierigkeiten zu überwinden. Es sind allerdings zwei große Gebirgszüge zu nehmen, aber die Fahrt ist schon vor mehr als zwei Jahren gemacht und Bahnen wie Telegraph sind überall vorhanden.

In Quebec wird vielleicht eine große Zahl der Flieger ihre Apparate in Wasserflugzeuge umwandeln und den Lorenz hinunter nach Belle Isle gehen. Hier fangen die wirklichen Schwierigkeiten an, denn die Labradorküste ist ungastlich und verlassen. Im Frühsommer säumt das Eis noch die Küste, aber die Temperatur sinkt selten unter 50 Grad und die des Wassers ist noch höher. Eine Kette von Depots ist jetzt schon errichtet und die Regierung will die 560 Meilen lange Strecke bis Kap Farwell durch Zerstörer und Torpedoboote patrouillieren lassen. Die jenseitige Küste ist im Sommer gut bevölkert, hat mehrere drahtlose Stationen, und Dampfer laufen zweimal in der Woche.

Dann kommt der längste Überseeflug von 620 Meilen bis Reykjavik. Er wird von dänischen Kriegsschiffen gemeldet werden. Sollte das benachrichtigte Schiff nach gebührender Zeit das Flugzeug nicht entdecken, so wird sofort ein Absuchen des betreffenden Bezirks begonnen werden. Übrigens hat die Erfahrung durchweg gelehrt, dass im Sommer ein ständiger Wind von etwa 30 Meilen im ganzen dortigen Distrikt aus Westen weht. Auch für die Seestrecke von Island nach den Faroer Inseln wird ein Patrouillendienst eingerichtet. Bis Moskau ist dann die Route klar. Von dort bis Wladiwostok folgt sie der sibirischen Bahn, und der Kaiserliche Aeroklub von Russland hat bereits für Depots in kurzen Zwischenräumen gesorgt.

Erst nach Japan beginnen wieder die Schwierigkeiten, und zwar die größten des ganzen Weltflugs. Die nächste Kontrollstation liegt nämlich auf den wenig erforschten Kurilen. Aber nicht nur wird jedes Eiland ein Depot für Heizmaterial erhalten, sondern auch ein japanisches Beobachtungsdetachement. Kamtschatka ist wohl bevölkert und hat einen vorgeschichtlichen Handel. Die Aleuten vor Alaska hatten bereits vor zwei Jahren fünf Funkenstationen. Diese ganzen regionen werden von amerikanischen Zollkuttern abpatrouilliert. Der letzte Teil des Fluges braucht nur über Gewässer zu gehen, die von Land eingeschlossen sind.

Als Preise sind 600 000 Mark in einer Bank von San Francisco deponiert. Der erste Preisträger erhält 400 000 Mark. Aber außerdem ist bereits eine Menge von Preisen gestiftet, die zusammen über 800 000 Mark jetzt schon repräsentieren. Der Flug muss in 121 Tagen oder in drei Monaten vollendet sein. Das macht bei einer Gesamtstrecke von 21 000 Meilen etwa 174 Meilen am Tag. Die Flieger dürfen unterwegs alle Reparaturen vornehmen, sogar neue Motoren einsetzen lassen. Wer will kann auch seinen Apparat auf einem Dampfer transportieren lassen, aber er muss einen Teil des etwaigen Preises abgeben, wie auch für jeden Tag über drei Monate ein gewisse Abzug gemacht wird. – Bisher haben sich vier amerikanische Flieger gemeldet.