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Stadtväter empfangen deutsche und englische Marineoffiziere

Deutsch-englische Trinksprüche in Kiel

Zum ersten Mal seit zehn Jahren hat ein englisches Geschwader in einem deutschen Marinehafen festgemacht. Beim Empfang im Kieler Rathaus wurde deutlich, dass beide Seiten ihre Kameradschaft pflegen möchten.

Die städtischen Kollegien von Kiel hatten, wie uns telegraphiert wird, zu gestern Nachmittag den englischen Admiral und eine Anzahl höherer Offiziere der englischen und der deutschen Flotte sowie Herren des Stadtverordnetenkollegiums und des Magistrats zu einem Frühstück in das Rathaus geladen.

Es waren etwa neunzig Herren erschienen, unter anderen auch Großadmiral von Koester und der Stadtkommandant von Kiel. Oberbürgermeister Dr. Lindemann hielt die Begrüßungsansprache, in der er seine große Freude darüber ausdrückte, neben den Offizieren der deutschen Marine die Vertreter der englischen Flotte im Rathause begrüßen zu können. Er hieß die Hälfte names der Bürgerschaft herzlich willkommen und gedachte dann der Tatsache, dass seit zehn Jahren zum ersten Mal wieder Flaggen der beiden großen Nationen im Hafen nebeneinander wehten. Hierauf sprach er die Hoffnung aus, dass die beiden großen Völker, von gleichem Geiste erfüllt, friedlich nebeneinander in gleich Richtung einer glücklichen Entwicklung entgegengehen möchten.
Redner schloss mit einem dreifachen Hurra auf den deutschen Kaiser und den König von England. Die Kapelle spielt die deutsche und die englische Hymne.

Darauf ergriff der englische Admiral Warrender das Wort. Er sagte, er möchte zuerst den Oberbürgermeister der großen Freude versichern, die er ihm und seinen Offizieren bereitet habe, in diesem prachtvollen Saale des Rathauses Gäste zu sein. Er schilderte sodann die Ankunft seines Geschwaders im Kieler Hafen, den er als einen der schönsten bezeichnet, die er je gesehen habe. Insbesondere habe er die Liebenswürdigkeit und Gastfreundlichkeit der deutschen Marine zu rühmen. Man habe ihn förmlich mit Einladungen und Aufmerksamkeiten überschüttet. Mit Dankbarkeit gedenke er der Gastfreundschaft, die ihm seitens des Prinzen und der Prinzessin Heinrich von Preußen und der Admirale von Koester und von Ingenohl zuteil geworden sei. Einen großen Eindruck habe auf die Engländer die Einfahrt des Kaisers auf der „Hohenzollern“ gemacht. Der Admiral führte weiter aus, dass er, als es bekannt geworden sei, dass kein Geschwader nach Kiel zur Kieler Woche gehen solle, von seinen englischen Kameraden geradezu mit Gratulationen überhäuft worden sei.

Für ihn sei es eine ganz besondere Freude gewesen, hierher zu kommen und seine Beziehungen zu den alten Kameraden der deutschen Marine zu erneuern, so unter anderen zu dem Admiral Eifendecker, den er in Cowes kennen gelernt habe, als er noch Kommandant der kaiserlichen Segeljacht war, sodann zu dem Admiral von Pohl, der sich der einzig dastehenden Leistung rühmen könne in China ein internationales Geschwader befehligt zu haben, ohne dass Reibungen entstanden seien. Von Pohl sei auch berühmt als Eroberer der Taku-Forts.
Weiter gedachte der Redner in dankbarer Weise des Beistandes des deutschen Botschafters in London, Fürsten Lichnowith und des deutschen Marineattachés, Kapitän von Müller, die alle Arrangements für die Reise des englischen Geschwaders in vorzüglicher Weise erledigt hätten. Weiter gedacht er des freundlichen Empfangs bei seiner und der Meidung der englischen Kapitäne auf der „Hohenzollern“ beim Kaiser. Zum Schluss sagte Admiral Warrender, es gäbe Leute, die da meinen, dass Deutschland und England Arm in Arm zusammengehen sollten und andere, die sagten, sie müssten sich in Feindschaft gegenüberstehen. Er glaube dass der Oberbürgermeister von Kiel das richtige Wort gefunden habe, wenn er sagte, dass der friedliche Wettkampf der beiden Völker andauern sollte Der Redner forderte die Gäste auf, in ein dreifaches Hurra auf den Oberbürgermeister und die Stadt Kiel einzustimmen.

Dann sprach Großadmiral von Köster, der seine Freude darüber aussprach, dass er inmitten der englischen Offiziere hier weilen könne. Er führte dann weiter aus, dass man in der deutschen Seekriegsgeschichte gern von den Vorbildern, die uns andere Flotten geben, spräche. Das Vorbild aller Vorbilder sei aber der englische Admiral Relson. Auf der von diesem gegebenen Grundlage müsse man weiter arbeiten. Wenn nun sein verehrter Herr Vorredner von der Liebenswürdigkeit gesprochen habe, mit der die englischen Schiffe in Kiel empfangen worden seien, so möchte er dem entgegen halten, dass dies alles nur eine geringe Vergeltung sei für das, was den deutschen Seeoffizieren gewährt würde, wenn sie nach England oder nach einer englischen Kolonie gekommen seien. Dieses Gefühl der Freundschaft zwischen der deutschen und der englischen Marine werde niemals verwischt werden können. Stets sagten die deutschen Offiziere, dass in der ganzen Welt das Verhältnis zu den englischen Kameraden stets das denkbar beste gewesen sei.
Darum bitte er alle anwesenden Kameraden, die Gläser zu erheben auf eine gute fernere Kameradschaft zwischen der deutschen und englischen Marine. Ein lebhaftes dreifaches Hurra folgte diesen Worten. Dann ergriff nochmals der englische Admiral das Wort und trank auf das Wohl der deutschen Marine.

Der Chef der Marinestation der Ostsee, Admiral von Coerper, gab gestern Nachmittag im Garten der Neuen Seeburg ein Gartenfest, zu dem außer den deutschen auch viele englische Offiziere erschienen waren. Nachmittags und Abends wurde für die Mannschaften der englischen Kreuzer im Erholungshaus der kaiserlichen Werft eine große Festlichkeit veranstaltet.