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Sieg bei Metz

Die Aufnahme der Siegesnachricht in Berlin

Die Stimmung in Berlin war unbeschreiblich, als sich die Siegesnachricht aus Metz in der Hauptstadt verbreitete. Eine Menge Menschen ließ es sich nicht nehmen, sogar in der Nacht noch Unter den Linden unterwegs zu sein.

Die Nachricht vom Siege bei Metz wurde von der Bevölkerung mit freudigem Jubel begrüßt. Als kurz vor halb vier Uhr aus dem Hause des „Berliner Tageblatts“ zwei Fahnen weithin ankündeten, dass ein deutscher Sieg erfochten sei, öffneten sich in der Umgegend alle Fenster, und die Menge strömte, um Näheres zu erfahren, von allen Seiten herbei. Mit Windeseile verbreitete sich die Nachricht in der ganzen Stadt und in den Vororten, und die ersten Abendzeitungen, die um diese Stunde erschienen, wurden den immer zahlreicher werdenden Zeitungsverkäufern an den belebten Verkehrspunkten fast aus den Händen gerissen.

Das Oberkommando gab Befehl, dass alle öffentlichen Gebäude zu beflaggen seien. Das Provinzalschulkollegium ordnete an, dass zur Feier des Sieges am heutigen Sonnabend die Schulen geschlossen bleiben sollen. Auf dem Kriegsministerium, dem Reichsmarineamt, dem Herrenhaus und zahlreichen anderen öffentlichen Gebäuden und Privathäusern wurden schon in den Nachmittagsstunden die Fahnen aufgezogen. Gegen fünf Uhr kam vom königlichen Schloss, auf dem die Kaiserin-Standarte wehte, in einem halboffenen Auto die Kaiserin, der die Menge zujubelte. Vor dem kronprinzlichen Palais hielt das Auto, und die Kaiserin trat in das Schloss ein. Nach wenigen Minuten erschien die Kaiserin wieder in Begleitung der Kronprinzessin und mit einem Herrn und einer Dame des Gefolges. Die Menge brachte Hochrufe aus und sang „Heil dir im Siegerkranz“. Während der Abfahrt des Automobils drängten sich in der Tür des Kronprinzenpalais die vier kronprinzlichen Kinder, in hellen Kleidern. Die Kaiserin rief einen Händler herbei, der kleine Fahnen feilbot, und kaufte Fahnen für die kronprinzlichen Kinder. Die Kinder winkten ihrer Großmutter und ihrer Mutter nach und beteiligten sich auch an den Hochrufen der Menge und riefen ein über das andere Mal „Hurra“.

Bis in die letzte Nacht hinein herrschte dann in der inneren Stadt ein Treiben ohnegleichen. An verschiedenen Stellen Unter den Linden standen die Menschen Kopf an Kopf. Auch auf dem Potsdamer Platz war alles mit Menschen bedeckt, so dass der Verkehr wiederholt ins Stocken geriet. Ein Herr hielt dort eine Rede, und viele Tausende sangen entblößten Hauptes patriotische Lieder.