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Der Dreibund gegen das Großserbentum

Die bevorstehende österreichische Note an Serbien

Österreich-Ungarn will mit einer diplomatischen Anfrage klären, inwieweit die serbische Regierung sich von den nationalistischen Attentätern von Sarajewo distanziert.

Die Wiener Blätter berichten heute, laut telegraphischer Meldung, der Schritt des österreichisch-ungarischen Gesandten in Belgrad, Baron Giesl, werde noch in dieser Woche erfolgen. Es sei zu erwarten, dass wenn Serbien offiziell jede Gemeinsamkeit mit der hochverräterischen Agitation in Bosnien ablehne, auch demjenigen Serben ein Licht aufgehen wird, die jetzt durch die Zweideutigkeit der serbischen Politik sich irreführen lassen.

Ob die österreichisch-ungarische Regierung sich mit der Durchführung ihrer Beschlüsse zufrieden geben könne und ob das Übereinkommen, das in der gemeinsamen Ministerkonferenz getroffen wurde, auch alle Maßnahmen erschöpfte, die durch das Verbrechen von Serajewo nötig gemacht wurden, dürfte von der Antwort abhängen, die die Monarchie aus Belgrad erhalten werden.

Die „Neue Freie Presse“ betont in einem Leitartikel, der Mord in Serajewo habe nicht bloß bei den Völkern, sondern auch bei den Regierungen das nur zu lange zum Schweigen gebrachte und vermisste europäische Gewissen geweckt. Es könne wohl ohne Übertreibung gejagt werden, dass die Kulturmächte in diesem Augenblick zur Monarchie ständen und dass außerhalb Serbiens überall das schärfste Urteil der Zivilisation über die Verherrlichung des Mordes und über die Beschönigung seiner Beweggründe ausgesprochen werde. Die moralische Vereinsamung des Großserbentums werde offenkundig; das ganze deutsche Volk stehe an der Seite der österreichisch-ungarischen Monarchie, das Großserbentum werde im Deutschen Reiche als Schädling des europäischen Friedens gebrandmarkt.

Das Blatt sagt auch, es habe ernste Gründe, zu glauben, dass das verbündete Italien die Gesinnung des Deutschen Reiches teile. Deshalb werde Italien vereint mit dem Deutschen Reiche das äußerste versuchen, Serbien zu bewegen, dass es sich vom Großserbentum losreiße. England werde mit Recht seinen großen Einfluss benutzen, um die europäische Verfemung des Großerbentums zu bewirken und Serbien zur Besinnung zu bringen.