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Trotz Besatzung

Die Deutschen in Luxemburg

Die Luxemburger sind trotz der Besatzung ihres Landes durch deutsche Truppen. Dabei hätten die Luxemburger allen Grund, feindlich zu reagieren.

Gutes Einvernehmen mit der Bevölkerung.

Luxemburg, 11. August.

Seit acht Tagen bereits ist Luxemburg – und mit der Hauptstadt ein großer Teil des übrigen Landes – von den deutschen Truppen besetzt, ohne dass es zu dem allerkleinsten Zwischenfall zwischen dem fremden Militär und der einheimischen Bevölkerung gekommen wäre. Dieses Entgegenkommen des luxemburgischen Volkes hat bei der deutschen Militärverwaltung den denkbar besten Eindruck hervorgerufen. Der kommandierende General wurde von der Großherzogin in Audienz empfangen, um ihr den Dank des deutschen Kaisers und des Generalkommandos für das korrekte Benehmen der Luxemburger zu übermitteln.

Diese gastfreundliche Zuvorkommenheit ist umso höher einzuschätzen, als die deutsche Okkupation der luxemburgischen Bevölkerung nicht unerhebliche Hemmnisse jeder Art in den Weg legt. Der Automobil- und Eisenbahnverkehr ist eingestellt und das ganze wirtschaftliche Leben ist lahmgelegt, besonders im Minetterevier. Wenn trotz alldem die deutschen Soldaten sich in Luxemburg wie zu Hause fühlen und manche von ihnen ungeachtet der Kriegswirren das Luxemburger Ländchen wie ein Paradies preisen, so liegt doch darin wohl der beste Beweis für die Grundlosigkeit jener Anklagen, gemäß welchen Luxemburg eine Hochburg von Frankophilismus der schlimmsten Sorte sei. In einigen Fällen – Verhaftung von frankophilen Luxemburgern wegen Spionageverdachtes – kommt dieses Misstrauen noch immer zum Ausdruck; allein bis dato wurden diese Verhaftungen noch immer rückgängig gemacht. Es bleibt hinzuzufügen, dass der deutsche Kaiser in einem Telegramm an die Großherzogin von Luxemburg die Telegramme des Reichskanzlers und des Staatssekretärs des Auswärtigen bestätigt, gemäß welchen die Besetzung Luxemburgs nur vorübergehend sein soll. Alle Luxemburger hegen die feste Zuversicht, dass diese Versprechen nach Beendigung des Krieges eingelöst werden.