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Strategisch wichtiger Stützpunkt erobert

Die Einnahme der Festung Namur

Fünf Forts bereits in unseren Händen. Dort, wo die Cambre in die Maas mündet, beginnen die Marchrouten nach Reims und Paris, der Vormarsch kann weiter gehen. Versorgung der Truppen über Aachen-Lüttich bis Namur gesichert. Unsere Bild zeigt Namur vor dem Einmarsch.

Das W. T. B. meldete heute um 11½ Uhr Vormittags:
Von der Festung Namur sind fünf Forts und die Stadt in unserem Besitz. Vier Forts werden noch beschossen, ihr Fall scheint in Kürze bevorzustehen.
Der Generalquartiermeister 
v. Stein

(Bereits durch Extrablatt gemeldet. D. Red.)

Seit mehreren Tagen hat unsere schwere Artillerie ihre Grüße der Festung Namur zugesandt, die sich nach Lüttichs Fall noch behauptete. Bald nachher, als die deutschen Sieger in Lüttich eizogen, wird sie beobachtet und dann eingeschlossen sein, um sie im regulären Artillerieduell niederzuzwingen. Von der Angriffsart, wie General der Infanterie v. Emmich sie in Lüttich anwandte, hat man mit Recht vor Namur abgesehen. Nachdem die vernichtende Wirkung unserer schweren Artillerie gegen die stärksten Bauten der modernen Forts von Lüttich erwiesen war, lag kein Grund vor, an der schnellen Besiegbarkeit Namurs zu zweifeln.

Mörser bei der Belagerung von Namur Quelle: Wikipedia

Mörser bei der Belagerung von Namur
Quelle: Wikipedia


Die Festung Namur an der Mündung der Cambre in die Maas ist wichtig als Sperre der Straßen und Marschrouten nach Reims und Paris. Wir rechnen damit, dem Feinde den Frieden auf seinem Gebiet zu diktieren, müssen also auch für das Funktionieren unserer rückwärtigen Verbindungen beizeiten sorgen, die dem Nachschub an Nahurngsmitteln, Munition und Belagerungsformation dienen sollen. Der Strecke Köln-Aachen-Lüttich-Namur wird auf diesem Gebiet eine große Wichtigkeit zufallen.
Die fünf Forts von Namur Quelle: Wikipedia

Die fünf Forts von Namur
Quelle: Wikipedia


Seit Lüttich fiel, konnte man jeden Tag auf die Kapitulation Namurs gefasst sein. Die belgische Besatzung, vielleicht verstärkt durch französische Truppen und französische Ingenieuroffiziere, hat den angebotenen Kampf aufgenommen. Nun galt es, die neun starken Forts des Waffenplatzes, der auf eine Verteidigung durch 18 000 Mann eingerichtet ist, niederzuringen. Wie die amtliche Nachricht sagt, ist das zum Teil schon gelungen. Fünf Forts und die Stadt selbst sind in unseren Händen und nur noch vier liegen im Kampfe mit der deutschen schweren Artillerie. Ihr Widerstand kann nicht lange mehr währen und die endliche Übergabe Namurs ist nicht mehr zweifelhaft, zumal eine Hoffnung auf Entlass durch nichts berechtigt ist. Sobald Namur in unseren Händen ist, wird auch der Heeresteil, welcher dort vom Vormarsch zurückgehalten wurde, wieder frei und kann die inzwischen siegreiche Front in erwünschter Weise verstärken. Beide Marschrichtungen auf Charleroi und Mézières stehen für alle Truppenbewegungen frei. Somit ist die Eroberung von Namur von großer Wichtigkeit für den Fortgang der großen Operation. Uns wird ein neuer Stützpunkt gegeben, dem Feinde bleibt als einziger Halt auf belgischem Gebiet nur noch die Festung Antwerpen, denn nach einer Nachricht aus dem großen Hauptquartier ist auch das Sperrfort Huy, halbwegs zwischen Lüttich und Namur, seit mehreren Tagen in deutschem Besitz.