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Ein vernachlässigter Jagdzweig

Die Entenjagd

Auf Entenjagd gehen viele Jäger inzwischen nur noch selten. Dabei sind besonders die jungen Enten eine schmackhafte Delikatesse. Die Entenjagd ist zwar beschwerlicher als andere, lohnt aber dennoch die Mühe.

Wenn es sich um Rebhuhn, Fasan und Hase handelt, befinden sich schon wochenlang vorher alle Jäger in freudiger Erregung und Erwartung. Die Wasserjagd, bei der man sich zum ersten Mal wieder im Jahr ganz ausgiebig mit der Schrotspritze betätigen darf, hat nicht so begeisterte Anhänger. So dass tatsächlich auf manchen Revieren Wildbestände gänzlich unbeschossen bleiben. Das ist nicht richtig! Was die Natur uns schenkt, sollten wir nicht verschmähen! Und namentlich nicht die jungen, eben flügge gewordenen Enten, die jeder Feinschmecker als Leckerbissen betrachten muss.

Damit soll durchaus nicht behauptet werden, dass diese Erwägung der Hauptgrund für jede Entenjagd sein soll, aber die Konsumenten können wirklich von den Jägern verlangen, dass sie die schmackhaften Vögel nicht unbeschossen auf Nimmerwiedersehen davonfliegen lassen. Eine Entschuldigung für die Jäger gibt es nicht, weil es sich in den meisten Fällen tatsächlich um eine Scheu vor den Schwierigkeiten und Strapazen der Wasserjagd handelt, die einem Weidmann übel ansteht. Ein Zeichen der Verweichlichung, die zu unserem sportfrohen Zeitalter nicht recht passen will! Dazu tritt noch der Umstand, dass der Beginn der Entenjagd mit der Hauptreisezeit zusammenfällt, und man es keinem verärgern kann, wenn er der Entenjagd wegen nicht auf seine Reise verzichten will.

Die Zeit, in der man jeden Jäger ermahnen musste, Schonung zu üben, ist vorüber. Die stürmisch verlaufene Periode der Bodenmelioration, die durch Entwässerung von Brüchen vielen Enten die Nistgelegenheit nahm, ist in der Hauptsache beendigt und man kann jetzt schon das Urteil fällen, dass die Märzernte sich der modernen Bodenkultur angepasst hat. Das sie schon seit jeher auf Bäumen gebrütet hat, ist erwiesen. Jetzt macht sie aus der Not nicht nur die Tugend, sondern die Regel, wo ihr eine bequemere Nistgelegenheit fehlt. Ja, ich habe sie neuerdings mehrfach im lichten Stangenholz brütend gefunden, was nur da möglich ist, wo Reinecke gänzlich von der Bildfläche verschwunden ist. Auf manchen Seen in Norddeutschland sind jetzt Schellenten, Löffel- und Brautenten nicht nur ständige Gäste geworden, sondern brüten auch hier. Nur die beiden Arten der Krickente sind nirgends mehr zu finden, höchstens, dass man sie noch im Spätherbst auf dem Zuge zu Schuss bekommt. Worauf diese auffällige Verminderung beruht, ist nicht nachzuweisen. Vielleicht hängt sie mit der Zerstörung ihrer Nistgelegenheit zusammen, vielleicht ist sie auch auf das Überhandnehmen der Litzen zurückzuführen, die auf vielen Gewässern zu einer förmlichen Plage geworden sind. Ihre Bosheit und Rauflust ist so groß, dass selbst Schwäne ihnen nicht gewachsen sind, geschweige denn die kleinen, friedfertigen Enten.

Noch viel ernsthafter als bei den Jägern ist die Wasserscheu bei den Hunden. Mit welcher Energie wurde seinerzeit die Forderung erhoben und verfochten, dass der deutsche Jäger einen „Gebrauchshund“ haben müsse, das heißt: einen Hund, der, in allen Sätteln gerecht, alles leistet, wozu der Engländer drei, vier Hunde verschiedener Rasse braucht. Das ist im großen ganzen erreicht, nur die Wasserjagd ist nicht dabei, so dass wirklich die Gefahr vorliegt, dass die Mehrzahl der deutschen Gebrauchshunde eine Fähigkeit völlig einbüßt, die ihren Wert bedeutend erhöht. Die Behauptung mancher Jäger, dass sie ihren kostbaren Hund nicht durch die Wasserjagd strapazieren oder gar zu einem Rheumatismus verhelfen wollen, erinnert mich immer an die komische Mode, die Möbel im „Salon“ mit Überzügen zu versehen, die nur bei ganz feierlichen Anlässen entfernt werden. Was nützt mir ein Hund, der mir nicht ein Wasserloch durchstöbert und eine geschossene Ente aus dem Wasser apportiert?

Dass eine Entenjagd wohl vorbereitet werden muss, brauchte eigentlich nicht erst betont zu werden, wenn man nicht so oft das Gegenteil erleben müsste. Da sind die Schneisen kaum einen Meter breit geschnitten, als Wasserfahrzeuge funktionieren uralte Seelenverkäufer, die sich nach wenigen Minuten in ein Wasserreservoir verwandeln, und von sechs Hunden gehen zwei ins Wasser und einer treibt wirklich. Man kann von einem Verfall der Wasserjagd reden, wenn man die heutigen Zustände mit den Schilderungen des Altmeiers Dübel aus dem achtzehnten Jahrhundert vergleicht. Jetzt beschränkt sich die Jagd einzig und allein auf das Schießen, während man früher auch den Fang mit Netzen, auf Herden und an Angeln eifrig betrieb. So sehr man auch mit dem Verschwinden der Netze aus dem Weidwerk einverstanden sein muss, so wenig kann man es billigen, dass die gewaltigen Entenmassen, die im Herbst bei uns durchziehen, gänzlich unbehelligt bleiben, denn die wenigen Enten, die auf ihrem Zug geschossen werden, falle nicht ins Gewicht. Auch die Entenkojen auf den friesischen Inseln tun ihnen wenig Abbruch. Erhebliche Mengen werden nur von den Fischern mit Netzen auf den Hafen gelangen. Da gibt es Sandbänke unter dem Wasserspiegel, die ganz dicht mit kleinen, herzförmigen Muscheln bedeckt sind. Dort liegen stets gewaltige Mengen von Enten, die begierig nach dieser Muschel tauchen. Dabei geraten sie in einwandige Netze, die, offen gesagt, von den Fischern nur zu diesem Zweck gestellt werden. Den Fischern, die wirklich nicht auf Rosen gebettet sind, ist diese Einnahme wohl zu gönnen. Früher wandte man die Netze, wie aus Döbels „Jäger-Praktika“ zu ersehen ist, ganz allgemein zum Entenfang auf Binnengewässern an. Ein dem Stalnetz gleichendes dreiwandiges Netz wurde in der Schneise so aufgestellt, dass es noch einen Fuß über dem Meeresspiegel aufragte, und die Enten darauf zu getrieben. Auch Säcke mit Streichtüchern wurden in gleicher Weise verwendet. Heute, wo man nicht fangen, sondern schießen will, empfiehlt es sich gleichwohl, die Schneisen mit engmaschigen Stellnetzen abzusperren. Man erregt dadurch, dass die vom Hund getriebenen Enten die Schneise nicht durch Tauchen überwinden können, sondern aufstehen müssen. Entenfänge mit Kammern und Herde mit Schlagnetzen wird sich heute wohl niemand mehr bauen. Aber den Fang am Angelhaken möchte ich dringend empfehlen. Ich habe ihn als Junge eifrig und mit großem Erfolg betrieben. Mich reizte es, dass zwei Waldseen im Herbst mit hunderten von Enten bedeckt waren, denen nicht beizukommen war. Es verriet mir ein alter Fischer eine Methode. Ein Schock Pfähle konnte ich ohne Mühe beschaffen. Sie wurden indem weichen Seegrund hineingesteckt, dass de nur einen Meter über den Wasserspiegel emporragten. Auf denPfahl wurde ein faustgroßer Stein gelegt und mit einer langen Schnur am Pfahl befestigt. Eine zweite Schnur, die von ihm ausging, trug am Ende einen Angelhaken, der mit einem Stückchen Fleisch, mit Kalbslunge oder einem Fischchen besteckt war. Die Ente, die den Köderndem, zog den Stein vom Pfahl, der sie mit sich in die Tiefe riss. Auch die Verwendung einer Lockente könnte mehr als bisher gepflegt werden. Ohne dies Hilfsmittel ist der Erfolg auf dem Entenzug mehr oder weniger Zufall. Man kommt im besten Fall mehrmals auf die ziehenden und selten auf einfallende Enten zum Schuß. Sowie man aber einen Lockvogel vor sich auf dem Wasser hat, fällt fast jeder Schuss ein, so dass man mit dem ersten Schuß oft mehrere erlegt und dann noch den aufsteigenden Schwarm schießen kann. Probatem est und damit Weidmannsheil!