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Deutsch-Südwest

Die Entwicklung Deutsch-Südwestafrikas

Die Entwicklung Deutsch-Südwestafrikas lässt zu wünschen übrig. Woran das liegt, machte Gouverneur Dr. Seitz nun in einem Vortrag im Landesrat deutlich.

Im diesjährigen Landesrat von Deutsch-Südwestafrika hielt Gouverneur Dr. Seitz eine bemerkenswerte Rede über die Entwicklung des Schutzgebietes, der wir folgenden entnehmen:

„Für die Stockung der Besiedlung von Südwest gibt es eine ganze Reihe Gründe. Einmal sind wir in unsrer Entwicklung auf einem Punkt angekommen, wo es langsamer gehen muss. Wenn die Möglichkeiten, die das Land an sich bietet, fürs erste ausgenutzt erscheinen, dann lässt der Zuzug erfahrungsgemäß nach. Aber auch an den heimischen Zuständen liegt es, wenn unsere Besiedelung vorübergehend stockt. Die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse haben sich daheim so günstig gestellt, dass jeder sein Auskommen findet, der arbeiten will, und dass kapitalkräftige Leute daheim für ihr Geld lohnendere Anlage finden als hier. Wir müssen unser Schutzgebiet auf einen ähnlichen Standpunkt bringen.

Das können wir aber nur, wenn wir mit allen Kräften die Wassererschließung und den Eisenbahnbau fördern. Der Einheitstarif für Südwest wird in diesem Jahre dennoch kommen. Finanzielle Gründe und das Bestreben, diesen Einheitstarif gleich über das ganze Land zu erstrecken, haben sein Zustandekommen verzögert. Die dazu nötigen Verhandlungen, insbesondere mit der Otavibahn, sind jetzt zum Abschluss gekommen. Auch waren bei der Frage der Bemessung der Tarifsätze die Ergebnisse der Herabsetzung der Tarife in der Südafrikanischen Union zu prüfen, wo sich ein Defizit von 8 Millionen Mark eingestellt hat.“

Über die künftige staatsrechtliche Stellung Südwests im Verhältnis zum Reich sagte Gouverneur Dr. Seitz, dass auf den Ausbau der Selbstverwaltung hingearbeitet werden müsse. Der gegebene Vertreter des Landes gegenüber dem Reichstage sei heute schon der Landrat. Das werde noch besser werden, denn die Landesratsverhandlungen fänden daheim steigende Beachtung. Der Gedanke, Vertrauensleute nach Berlin zu schicken, bat er fallen zu lassen und dafür lieber immer dahin zu arbeiten, dass die Selbstverwaltung Deutsch-Südwestafrikas vorwärts kommt. „Wir sind doch, so fuhr er wörtlich fort, das sieht jeder, auf einem Punkt angekommen, wo die Neuregelung unsrer Beziehungen zum Reiche unbedingt notwendig wird. Denn dass wir auf dem Wege, auf dem wir jetzt gehen, keinen vernünftigen Etat, keinen Finanzplan aufstellen können, das liegt klar zutage. Selbst, wenn man dazu kommt, Südwest dauernden irgend einer Form zu den Kosten der Militärverwaltung heranzuziehen, so soll diese Form doch grundsätzlich festgelegt werden. So, wie es jetzt ist, leben wir von der Hand in den Mund und können unsere Finanzen nicht nach einem einheitlichen Plan regeln. Das einzige, was wir heute tun können, ist, dass wir unsere laufenden Ausgaben so beschränken, dass wir bei sinkenden Einnahmen aus den Diamanten, die ja auch vor Ablauf von 10 Jahren eintreten können, nicht gezwungen sind, zur Deckung der laufenden Ausgaben Schulden zu machen.