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Überführung nach WIen

Die Fahrt des toten Erzherzogspaares nach Wien

Auf der letzten Heimreise nach Wien sind die Leichname des Thronfolgerpaares in Triest an Land gebracht worden. Es wurde eine feierliche und imposante Trauerkundgebung.

Die Überführung der Leichen des Erzherzog-Thronfolgers Franz Ferdinand und seiner Gemahlin vom Schlachtschiff „Viribus Unitis“ an Land und weiter zum Südbahnhof gestaltete sich, wie aus Triest telegrafiert wird, unter Teilnahme aller Schichten der Bevölkerung zu einer imposanten Trauerkundgebung für die unglücklichen Opfer des verabscheuungswürdigen Attentats. Schon in den frühen Morgenstunden besetzte ein vieltausendköpfiges Publikum das Ufer sowie sämtliche Fahrzeuge im Hafen. Auf der Riva San Carla wurde ein großer Platz freigehalten, in dessen Mitte zwei in Gold und Schwarz drapierte Katafalken errichtet worden waren. Links von den Katafalken stellten sich die Generalität, die Admiralität und das Offizierskorps mit Marinekommandant Haus an der Spitze auf, rechts Statthalter Prinz Hohenlohe, die Spitzen der staatlichen Behörden, der Bürgermeister mit dem Gemeinderat und die übrigen hohen Zivilbeamten mit der gesamten Staatsbeamtenschaft und der Handelskammer. Zu beiden Seiten der Riva hatte eine ungeheure Zahl von Korporationen, Vereinen, Deputationen aus Industrie, Schifffahrt, Handel Aufstellung genommen. Hinter den Katafalken stand die gesamte katholische Geistlichkeit der Stadt, sowie die Geistlichkeit der anderen in Triest vertretenen Konfessionen mit den Bischöfen von Triest und Parenzo an der Spitze; dahinter die Marineehrenkompagnie, Studenten und Mittelschüler.

Um 8 Uhr wurden die in die Kriegsflagge eingehüllten Särge von dem Schlachtschiff auf einem schwarzverhängten Kahn gebracht, der von einem Schlepper gezogen, sich gegen die „Riva“ in Bewegung setzt. Unter dem Geschützsalut der Kriegsschiffe, dem Geläute der Kirchenglocken und dem tiefen Schweigen der Trauergäste brachten Marineoffiziere die beiden Särge an Land, wo sie auf die Katafalke geschoben wurden. Die Gefolge der Verblichenen traten an die Katafalke heran, und die Ehrenkompagnie sowie die übrigen Truppen präsentierten. Dann wurde unter erneutem Geschützsalut von Bischof Karlin unter großer Assistenz die Einsegnung vorgenommen. Darauf formierte sich der lange Zug. Die Särge wurden auf zwei sechsspännige Galaleichenwagen gehoben. Voran schritt hinter sieben schwer beladenen Blumenwagen die gesamte Geistlichkeit. Es folgte der Leichenwagen mit dem Sarge der Herzogin, dann der Leichenwagen des Erzherzogs. Dahinter schritten die Mitglieder des Gefolges der Verblichenen, der Statthalter, der Marinekommandant, der Podesta, die Admirale und Generale, die übrigen Trauergäste, die Korporationen und zwei Militärkompagnien.

Der Zug bewegte sich durch ein dichtes Menschenspalier, das sich hinter dem Spalier der Infanterie- und Marinemannschaften, der Finanz-, Sicherheits- und Munizipialwache und der Feuerwehren in allen Straßen drängte und in lautloser Ergriffenheit den imposanten Zug passieren ließ. In den Straßen brannten die trauerumflorten Laternen und die ebenfalls umflorten Beleuchtungskörper der geschlossenen Geschäfte. Um 9 Uhr traf der Zug vor dem schwarzdrapierten Südbahnhof ein. Die Särge wurden von Marineunteroffizieren auf den Bahnsteig gebracht, während die Ehrenkompagnie des bosnischen-herzegowinischen Regiments die Ehrenbezeugungen leitete. Darauf wurden die Särge in den zu einer Kapelle umgewandelten Wagon gehoben und auf Katafalke gestellt, worauf der Bischof Pederzoll die Leichen neuerlich einsegnete. Dann wurden die Verschlusstüren des Wagons plombiert. Das Gefolge der Verblichenen bestieg den Zug, der sich um 9 Uhr 45 Minuten in Bewegung setzte, während die Trauergäste und eine große Menschenmenge ehrfurchtsvoll grüßten. Der Zug trifft heute Abend um 10 Uhr in Wien ein.