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Verkürzung des Haares bei studierenden Frauen

Die Frau mit Bart und Glatze

Frauen drängen immer stärker in die männlichen Domänen der geistigen und körperlichen Arbeit. Das könnte dazu führen, dass wir uns bald an den Anblick von Frauen mit Glatze und Bartwuchs gewöhnen müssen.

In der medizinischen Akademie in Paris wurde kürzlich über offenbar mit der angestrengten Arbeit der Frauen zusammenhängende Abnahme des weiblichen Haarschmucks verhandelt. Ein Redner meinte unter anderem: Wahrnehmungen an studierenden Frauen oder solchen, die um harten Erwerbskampf ständen, drängten ihn zu der Überzeugung, dass die Zeit der weiblichen Glatzköpfe nicht fern sei. Ja, mit dem Schwinden des zart-weiblichen Gesichtsausdruckes dürft vielleicht auch die Tendenz zur Haarbildung im Gesicht Hand in Hand gehen. Die letzte Bemerkung mag wohl übertrieben sein, aber der wissenschaftlichen Erfahrung ist sie durchaus nicht entgegen.

Mann und Frau zeigen Eigenheiten der Behaarung bei allen Menschenrassen, welche wir bei keinem Säugetier wiederfinden. Alle haartragenden Säugetiere besitzen Spurhaare im Gesicht, bei denen ein Blutsack die Feinheit der Berührungsempfindung mechanisch vermehrt. Beim Menschen ist noch niemals ein derartiges Blutsackhaar gefunden worden. Beim Menschen behält die Frau den feinen Wollpelz, den der Neugeborene mit auf die Welt bringt, die ganze Lebenszeit über auf dem größten Teil der Körperoberfläche, während beim Manne in höherem Alter fellartige Behaarung den Wollpelz allmählich fast überall völlig verdrängt. Bei Säugetieren bringen einige Affenarten als Neugeborene einen feinen Wollpelz mit auf die Welt, der aber in wenigen Jahren einer derberen Fellbehaarung weicht. Beim Menschen zeigt aber die Frau die Eigenheit der Beibehaltung des feinen Wollpelzes weit ausgeprägter als der Mann, der in höherem Alter in seiner Behaarung wie in vielen anderen körperlichen und geistigen Eigenheiten den Weg geht in der Richtung, wie sie die anderen Säugetieren eingeschlagen haben, während die Frau die funktionell vollkommen menschliche Richtung treuer bewahrte und schärfer zum Ausdruck brachte. Eine mit zartem Wollpelz bekleidete Frauenhaut ist ein weit vollkommeneres Sinneninstrument zur Aufnahme von Berührungs-, Druck-, Wärme- und Kältereizen als eine fellbehaarte Männerhaut.

Eine Eigenheit, welche die Behaarung des Menschen von der aller übrigen Säugetiere unterscheidet, ist die Glatzenbildung, die wir nur bei einigen Menschenaffen bei beiden Geschlechtern wiederfinden. Die Behaarung der Anthropoiden ist im männlichen und weiblichen Geschlecht eine sehr ähnliche, im Gegensatz zum Menschen, aber im Einklang mit der Ähnlichkeit der Lebensweise bei beiden Geschlechtern. Diejenigen Rassen von Menschenaffen, welche Glatzen haben, bekommen diese in jungen Jahren bei Männchen und Weibchen. Die Ursache der Glatzenbildung beim Menschen, welche hauptsächlich beim Manne der haarreichen Menschenaffen sich findet, sehr selten bisher bei Frauen der haarreichen Rassen und gar nicht bei den amerikanischen Völkerrassen, scheint darin zu liegen, das der Kopfumfang des Mannes bis in hohes Alter hin zunimmt, während das Wachstum der Haut bereits sein Ende erreicht hat. Die Blutzirkulation in der Kopfhaut leidet bei Druck des Schädels auf die Hautgefäße von innen, daher verlieren die Haare ihre Widerstandskraft gegen Infektionen und äußere Schädlichkeiten und fallen aus. Dass bei Erkrankungen der Gefäße der Haare auch ohne Schädelwachstum Glatzenbildung als Krankheitsprozess, nicht als erhebliches Rassenmerkmal auftreten kann, besonders bei Syphilis, ist bekannt. In seltenen Fällen beobachten wir angeborene Haarlosigkeit der Schädelhaut. In der Mehrzahl der Fälle handelt es sich aber bei der Glatzenbildung des Mannes um einen erblich auf bestimmter Lebensstufe eintretenden Prozess, den man sehr wohl mit der lebenslangen Gehirnentwicklung und Gehirnvergrößerung des Mannes in Beziehung bringen kann.

Das körperliche Bild eines typischen Philosophen ist unvollständig ohne Bart und Glatze. Ein Zusammenhang zwischen Kopfform und Glatzenbildung in dem Sinne, dass hohe Wölbung der Stirn zu Glatzenbildung disponiert, ist sicher. Je niedriger die Stirn gewölbt ist, desto eher hört Wachstum und Entwicklung auf und desto länger leibt die Schädelhaut behaart. Bei Mischung von Rassen soll es zu einer Vergrößerung des Schädelinhalts kommen, und tatsächlich kommt es auch zu einer Verlängerung der Entwicklungsperiode und des Wachstums. Nur der gemischtrassige Mensch wird die Fähigkeiten der ganzen Menschheit, die in reinen Rassen verstreut und aufgeteilt sind, in sich vereinigen können und nur sehr spät zu einem Endzustand seiner Entwicklung gelangen. Dass bei den Kulturnationen das Maximum der Glatzenbildung beobachtet wird, hängt damit zusammen, das eben Kultur nur an den Zentren der Rassenmischung entsteht und ihren Höhepunkt erreicht.

Dass bisher die niedrige Wölbung der Frauenstirn mit einem rascheren Aufblühen und rascheren Stillstand der geistigen Entwicklung Hand in Hand ging, wird durch die moderne Wachstumsforschung immer deutlicher offenbar. Schon im Mutterleib entwickelt der weibliche Fötus seine Härchenkerne früher als der männliche, das Wachstum der Frau in den Reifejahren beginnt früher und endigt früher als beim Manne. Dass bei der bisherigen unterschiedlichen Lebensweise die Gehirnentwicklung beim weiblichen Geschlecht ebensolange Zeit in Anspruch nehme sollte und die gleiche Höhe erreiche sollte wie beim männlichen Geschlecht, widerspricht aller Erfahrung. Noch vor wenigen Jahrzehnten war ein weibliches Wesen von 16 bis 18 Jahren ein körperlich und geistig fast völlig ungereimter Mensch. Dem auch verhältnismäßig dem Manne gegenüber kleinern Gehirn entsprach die geringere Beanspruchung der höchsten, am spätesten reifenden Gehirnzentren. Das Schädelwachstum, welches vom wachsenden Gehirn beherrscht wird, gibt, wenn es in den zwanziger Jahren stillsteht, keinen Anlass zur Glatzenbildung wie beim Manne, bei dem das Wachstum oft noch nach fünfzig Jahren von den Hutmachern festgestellt werden kann. Wenn die Frauen unter immer zunehmendem Verzicht auf die Leistung der Fortpflanzungsfunktion, die der bei allen Kulturnationen ständig sich steigernde Geburtenrückgang beweist, sich immer mehr der Ausübung der vom Manne geleiteten Kulturarbeiten zuwenden, so ist für die Anhänger der Lamarkschen Anschauungen die Wahrscheinlichkeit gegeben, dass allmählich eine Veränderung der weiblichen Körperform im Sinne der Anpassung an die neue Arbeitsteilung stattfinden wird. Da der männliche Körper der Arbeitsleistung des Mannes angepasst ist, wir eine Anpassung der Frau eine Neuerwerbung eines Teils der männlichen Formen bedeuten. Die Geschlechtsunterschiede werden sich verwischen, wie sich die Grenzen der Arbeitsgebiete bereits verwischt haben. Die ständige Bearbeitung des Großhirns in den Wachstumsjahren wird eine Verlangsamung des Abschlusses der Gehirnentwicklung veranlassen.

Schon heute kann man finden, dass in steigendem Maße eine Verkürzung der Kopfhaare bei den geistig schwer arbeitenden Frauen eintritt. Dass in immer steigendem Maße Glatzenbildung bei diesen Frauen eintritt, dafür gibt es auch zahlreiche Beispiele. Allerdings wird heute noch die Mehrzahl der Frauenglatzen durch falsches Haar verdeckt. Dass die Betätigung der Frauen auf den früher dem Manne zugeteilten Gebieten noch in vielen anderen Punkten als der Glatzenbildung eine Annäherung an die männliche Körperform zur Folgen hat und in steigendem Maße zur Folge haben wird, bedarf wohl kaum neuer Hinweise. Stärkere Muskulatur und stärkere Knochenbildung ist die Folge stärkerer Beanspruchung des Muskelsystems. Verlust der Selbstständigkeit des Gefühlslebens und dessen Unterordnung unter den Verstand bedingt Verlust der Jugendlichkeit des Gefäßsystems, welche bisher die Weiterentwicklung der weiblichen Form zur männlichen Form ausgehalten hat. Der Erwerb des männlichen Bartes durch zunehmende männliche Betätigung der Frauen braucht nicht mit der Erwerbung der Glatze Hand in Hand zu gehen. Der gemeinsame Wille beider Geschlechter zielt heute auf Verminderung des Bartwuchses, und selbst beim Manne in Europa beobachten wir eine steigende Verminderung des männlichen Bartwuchses, welche nicht bloß durch Rasieren vorgetäuscht wird.

Durch Kreuzung zweier verschiedener Menschenrassen, von denen nur die eine durch starken Bartwuchs ausgezeichnet ist, wie zum Beispiel die Ainos, wäre es nach der modernen Erbforschung allerdings denkbar, dass die weiblichen Nachkommen durch Bartwuchs ausgezeichnet wären, ohne jede Einbuße der Fortpflanzungsfähigkeit. Derartige Beispiele sind aber bisher nur ganz vereinzelt beobachtet worden und erregten als Bartdamen Neugierde und Verwunderung. Wie es mit der Erblichkeit der Frauenbärte steht, wissen wir nicht, obwohl einzelne der Bartdamen Nachkommen hinterlassen haben. Bei weiterer Verfolgung des Weges, jede Arbeitsteilung zwischen Mann und Frau aufzuheben, gehörte eine zukünftige Eva mit Vollbart und spiegelnder Glatze, als Symbol der nun wirklich erreichten Arbeitsgleichheit mit dem Manne durchaus nicht in das Bereich des anatomisch Unmöglichen.