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Existenznöte

Die gesicherte Existenz bis ins hohe Alter

Ihre Existenzsorgen haben zwei Berliner das Leben gekostet. Ein Maschinenschlosser und ein Arbeiter fanden wegen ihrer angeschlagenen Gesundheit keine Arbeit mehr. Beide setzten deshalb ihrem Leben ein Ende.

Der Ort, an dem das Kaiserwort über die gesicherte Existenz bis ins hohe Alter fiel, hat an einem Tage zwei furchtbare Beispiele dafür geliefert, wie weltfremd dieses Wort ist. Durch Selbstmord wegen Nahrungssorgen endete der 61-jährige Maschinenschlosser Schaube, der früher bei der Eisenbahnbehörde beschäftigt war und sich während der Arbeit im Freien ein Beinleiden zuzog, das ihn erwerbsunfähig machte. Er erhielt eine monatliche Rente von 15 M. Der damit natürlich nichts anfangen konnte, begab er sich auf die Arbeitsuche, konnte aber wegen seiner Krankheit nichts finden. Schließlich trieb ihn die Sorge in Schwermut und zum Selbstmord durch den Strick.

Am selben Tage zog man aus der Oder den 59-jährigen Arbeiter Kottwitz, der infolge rheumatischer Leiden arbeitsunfähig war und sich nur mühsam fortbewegen konnte. Sein Gesuch um Invalidenrente wurde abgewiesen, weil er ja noch das berühmte Drittel des gesunden Arbeiters verdienen konnte. Da eine Tochter mit Plätten nur 10 M. die Woche und ein eben der Schule entwachsener Sohn nichts verdiente, packte den Alten die Verzweiflung und er suchte den Tod in den Wellen!

Während diejenigen, die durch die Lasten unserer Sozialpolitik „ruiniert“ werden, in die teuren Badeorte reisen, müssen die Armen mit der „gesicherten Existenz“ aus Hunger und Not zum Selbstmord schreiten!