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30 Grad im Schatten

Die Hitze in Berlin

Angesichts der großen Hitze in der Stadt bleiben den Berlinern nur neidvolle Gedanken an Freunde, die an der See oder in den Bergen Urlaub machen. Und es ist keine Abkühlung in Sicht.

Die von uns im heutigen Morgenblatt angekündigte Temperatursteigerung ist mittlerweile eingetreten. Um 2 Grad gegen gestern ist die Hitze gestiegen, so dass wir heute gegen Mittag 30 Grad im Schatten als Höchsttemperatur zu verzeichnen hatten. Die jetzt noch in Berlin Weilenden helfen sich so gut sie können. Am Tage müssen leichteste Kleidung und kühle Getränke den Kampf gegen die Hitze unterstützen. In der Nacht lindern Mondbäder die unerträgliche Schwüle des Zimmers. Die meisten Berliner bringen ihre freie Zeit jetzt auf den Balkons oder im Grünen zu und betrachten wehmütig die Ansichtskarten, die ihnen jeden Tag aus kühlen Seebädern auf den Tisch flattern. Auf diesen Ansichtskarten ist stets eine tiefblaue, durch frische Brise bewegte See zu sehen, während die Karten aus den Bergen kühlen Firnenschnee zeigen. Den freundlichen Schreibern fehlt gewiss die Absicht der Kränkung. Sie wissen sicher nicht, dass Berlin unter einer Badstubentemperatur sich heiß und staubig dehnt.

Die Zunahme der Temperatur liegt nach der Ansicht des Wetterbureaus in dem wolkenlosen, trockenen Wetter begründet, das im größten Teile Nordosteuropas herrscht. Es kommt noch hinzu, dass seit vorgestern südöstliche warme Winde gekommen sind, die allmählich an Stärke zugenommen haben, so dass ihre Wärmewirkungen sich ebenfalls vermehrt haben. Diese südöstlichen Winde sind die Folge eines barometrischen Maximums, das sich vor zwei Tagen in Deutschland nordöstlich nach Nordrussland weitergezogen hat. Im Westen befinden sich verschiedene Minima, und haben in einzelne Gegenden, namentlich auf den britischen Inseln und in einzelnen Gegenden und der südlichen Hälfte Frankreichs und der Schweiz, zahlreiche, zum Teil recht erhebliche Gewitterregen gebracht. Auch in Südwestdeutschland sind an verschiedenen Stellen Gewitter eingetreten, ohne dass die Hitze sich wesentlich verminderte.