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Krise mit Serbien

Die österreichisch-serbische Spannung

Die Krise zwischen Österreich-Ungarn und Serbien sorgt in ganz Europa für nervöse Spannung. Es scheint so, als wolle Österreich das Verhältnis zu Serbien ein für alle Mal klären.

Eine bemerkenswerte ernste Beurteilung der zwischen Österreich und Serbien augenblicklich herrschenden Spannung spiegelt eine offiziöse Erklärung wider, die die „Nordd. Allgemeine Zeitung“ an der Spitze ihrer gestrigen Wochenumschau veröffentlicht hat. In dieser Erklärung heißt es:

In den Auslassungen der europäischen Presse zu der in dem Verhältnis Österreich-Ungarns zu Serbien obwaltenden Spannung machen sich immer mehr Stimmen geltend, die anerkennen, dass Österreich-Ungarns Verlangen, eine Klärung seiner Beziehungen zu Serbien herbeizuführen, berechtigt ist. Dabei schließen wir uns der an mehr als einer Stelle ausgedrückten Hoffnung an, dass durch rechtzeitiges Einlenken der serbischen Regierung das Entstehen einer ernsten Krisis vermieden werde. Jedenfalls lässt es das solidarische Interesse Europas, das bisher in der langen Balkankrisis in der Bewahrung des Friedens unter den Großmächten zur Geltung gekommen ist, erwünscht und geboten erscheinen, dass die Auseinandersetzungen, die zwischen Österreich-Ungarn und Serbien entstehen können, lokalisiert bleiben.

Der gleichen ernsten Auffassung der Lage begegnen wir in Berliner diplomatischen und bemerkenswerterweise auch in Finanzkreisen, die Beziehungen zu Serbien haben. So heißt es in dem Wochenbericht der Berliner Handelsgesellschaft: „Die nervöse Spannung, die seit dem Attentat von Sarajewo über der europäischen Politik liegt, hat noch nicht nachgelassen, und sie wird auch nicht eher nachlassen können, als nicht darüber Klarheit besteht, welcher Art die von Österreich-Ungarn angekündigten Schritte gegenüber Serbien sein werden, und wie Serbien sich zu den österreichischen Forderungen stellt. Es ist zwecklos, sich hierüber in Vermutungen zu ergehen; immerhin muss man aus einigen offiziellen und offiziösen Kundgebungen der österreichisch-ungarischen Regierung den Schluss ziehen, dass die Donaumonarchie dieses Mal ernstlich Willens zu sein scheint, die Beziehungen zu Serbien unter allen Umständen zu klären und für längere Zeit sicherzustellen. Dass eine derartige, wenn auch in höflichen Formen sich vollziehende Demarche bei der durch das Wettrüsten, die fortwährende Kriegsbereitschaft und die Neuorientierung der Balkanpolitik erzeugten politischen Schwüle in Europa eine Reinigung der Atmosphäre bewirken, aber auch zu mancherlei Zwischenfällen und Weiterungen führen kann, ist ohne weiteres einleuchtend.“