Der englische leichte Kreuzer H.M.S. Dublin
Quelle: europeana1914-1918.eu: David Pounder, CC-BY-SA

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Probe-Mobilmachung

Die Probemobilisierung der englischen Flotte

Die Nachricht, dass England 400 Marineschiffe in Alarmbereitschaft versetzt, hat in Deutschland für Unruhe gesorgt. Nun stellt sich heraus, dass sogar 493 Schlachtschiffe zur Probe mobilisiert werden.

Als vor einigen Wochen bekannt wurde, die englische Flotte solle zur Probe in einer bisher nie gekannten Stärke mobilisiert werden – man sprach damals von fast 400 Schiffen –, schüttelte man ungläubig den Kopf. Nun geht aus einem Befehl der Admiralität hervor, dass die Zahl von 400 sogar noch um fast 100 überschritten wird. Die Probemobilisierung besagt, dass die Admiralität nahezu sämtliche verfügbaren Schiffe und Fahrzeuge in kriegsbereiten Zustand versetzen lässt, das heißt dass der Mannschaftetat aufgefüllt, die Munitions- und Ausrüstungsvorräte an Bord genommen werden, und die Maschinen fahrbereit sind.

Für gewöhnlich ist ja bei den größeren Seemächten das moderne und in erster Linie für den Kriegsfall in Betracht kommende Material jederzeit bereit, dem Feind entgegenzutreten. Die Schiffe haben die gesamte Besatzung, sowie die kriegsmäßige Munition usw. an Bord. Es müssen unter Umständen nur noch die Kohlebunker beziehungsweise die Öltanks aufgefüllt werden. Innerhalb von 24 Stunden ist zum Beispiel unsere Hochseeflotte spätestens kampfbereit. Die Reserveschiffe brauchen, um dem Feind entgegenschickt werden zu können, etwa drei Tage Zeit. Sie sind größtenteils mit Reservisten zu bemannen, und Ausrüstungsgegenstände sind an Bord zu nehmen.

Das Interessante bei der englischen Übung ist nun die Mobilisierung der Reservegeschwader. Hierbei handelt es sich hauptsächlich um die dritte Flotte, zu der ältere Linienschiffe zählen, die für gewöhnlich nur mit einem kleinen Besatzungsstamm in Dienst gehalten werden. insgesamt werden 493 englische Kriegsschiffe und Fahrzeuge Mitte des Monats mobilisiert werden. sie bilden 8 Geschwader von Linienschiffen, 1 von Schlachtkreuzern, 10 von Kreuzern, 13 Torpedozerstörerflottillen und 9 Unterseebootsflottillen. Hinzu kommen Minenleger, Kanonenboote und Hilfsschiffe. Es ist noch nicht bestimmt, ob alle Schiffe an der am 18. Juli vor König Georg auf Spilhead Reede stattfinden Parade teilnehmen werden. Die letzte Flottenrevue wurde dort im Juli 1911 vom König abgehalten. Damals lagen unter anderen Schiffen 8 Dreadnoughts, 24 Linienschiffe, 19 Kreuzer, 71 Zerstörer und 8 Unterseeboote auf der historischen Reede. Jetzt werden sich versammeln: 20 Dreadnoughts, 35 Linienschiffe, 45 Kreuzer, 187 Zerstörer und 59 Unterseeboote. Der Unterschied der Seestreitkräfte von damals und heute führt das gewaltige Anwachsen der britischen Flotte vor Augen. Der ungefähre Tonnengehalt der nun auf dem Wasser liegenden Schiffe wird 1 287 950 Tonnen betragen. Hiervon entfallen auf die Linienschiffe inklusive der Dreadnoughts 964 050, auf die Schlachtkreuzer 98 500 und auf die Kreuzer 243 000 Tonnen. Die artilleristische Armierung der Schiffe wird aus 124 34,3-Zentimeter-, 238 30,5-Zentimeter-, 94 23,4-Zentimeter-, 42 19-Zentimeter- und 582 15,2-Zentimeter-Geschützen bestehen.