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Bei Mühlhausen

Die Siegesdepesche

Mit einem Sieg bei Mülhausen haben deutsche Truppen einen Vorstoß der französischen Armee zurückgeschlagen. Damit dürfte der Schlachtplan der französischen Heeresleitung vereitelt worden sein.

Der Große Generalstab gab gestern Abend 8 ½ Uhr folgendes bekannt:

Von Belfort in das Oberelsass nach Mühlhausen vorgedrungener Feind, anscheinend das siebente französische Armeekorps und eine Infanteriedivision der Besatzung von Belfort, sind heute von unseren Truppen aus einer verstärkten Stellung westlich Mülhausen in südlicher Richtung zurückgeworfen. Verluste unserer Truppen nicht erheblich, die der Franzosen groß.

Die Nachricht von einem ersten Siege über große französische Truppenmassen ist gestern Abend nach Berlin gelangt. Sie wurde in den Abendstunden durch Schutzleute und durch ein Extrablatt des „Berliner Tageblatts“ verbreitet und hat überall, wo sie hindrang, große und berechtigte Freude erregt. Auch diejenigen, die mit den verantwortlichen Stellen der Meinung sind, dass man in dieser Anfangsperiode des Krieges sich nicht ganz einem schnellen Siegesjubel hingeben solle, der leicht zu einer Unterschätzung des schweren Kampfes führen könnte, fühlen sich angesichts der Mitteilung des Großen Generalstabs rückhaltlos von dieser tief dankbaren Freundenstimmung erfasst. Es geht aus dieser Mitteilung hervor, dass ein französischer Armeekorps – wahrscheinlich das siebente – und eine Belforter Divison auf deutsches Gebiet vorgestoßen waren, wie das immer in der Absicht der französischen Heeresleitung lag. Seit Jahren war für den Kriegsfall ein solcher strategischer Überfall auf den linken Flügel unseres Aufmarsches geplant und Mühlhausen galt als nächstes Ziel. Dieser Plan dürfte, wie die Meldung des Großen Generalstabs annehmen lässt, vereitelt sein, und die Franzosen sind nicht nur zurückgetrieben worden, sondern sie sind nach Süden abgedrängt. Im Süden liegt die neutrale Schweiz, die gegen jede Neutralitätsverletzung auf der Macht steht und ihren Boden durch drei Armeekorps schützt. Sem siegreichen Vorgehen gegen Lüttich ist das Vorgehen gegen die eindringenden Franzosen im Süden dder Reichsgrenze gefolgt, und auch hier wurde eine Offensive, gegen die wahrscheinlich stark befestigte Feldstellung der Gegner, mit vollem Erfolg durchgeführt. Das französische 21. Armeekorps scheint während der Aktion des benachbarten 7. Armeekorps nichts unternommen zu haben. Unsere Freude über den Sieg erhöht sich noch durch die Kunde, dass die Verluste der deutschen Truppen nicht erheblich sind. Mit felsenfester Zuversicht, inniger Dankbarkeit und Treue begleitet das deutsche Volk in all seinen Gedanken die deutsche Armee auf ihrem Siegesweg.