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3600 Gefangene, 400 Verwundete in Longwy

Die Siegesmeldung im Hauptquartier

Gesamte Front ist siegreich, keine Verpflegungsschwierigkeiten.

Großes Hauptquartier, 27. August.

Im Hauptquartier wird folgende Schilderung der Lage von der Nordsee bis zu den Vogesen ausgegeben: Die Deutschen dringen siegreich vor. Von Nanch wurde ein starker Vorstoß gegen den linken Flügel der Kronprinzenarmee unternommen, die zu beiden Seiten von Longwy den Fein verfolgt. Der Vorstoß wurde abgewiesen, die Verfolgung weiter aufgenommen, wobei die englische Armee bei Maubeuge geschlagen und in der Festung teilweise eingeschlossen wurde. Longwy ist in deutschem Besitz. 3600 Gefangene wurden dort gemacht, darunter 400 Verwundete. Nur ein Geschütz des Feindes ist noch schussfähig, alles andere ist in Trümmern. Erobert wurden 36 Kanonen. Dem Kommandanten, der sich durch Tapferkeit auszeichnete, wurde vom Kronprinzen der Degen belassen. Montmedy steht unter starkem Feuer. Die Armee Kronprinz Rupprechts von Bayern hat vorläufig die Verfolgung des Feindes aufgenommen, da man sonst unter das Feuer von Toul und Verdun gekommen wäre. Man wartet auf den Feind, der offenbar hier Sicherheit sucht. Hier stehen scheinbar auch von Belfort heraufbeförderte Truppen. Sie sind völlig bedeutungslos, da sie anscheinend die Fühlung mit ihrer Armee verloren haben.

Der Ausfall von vier Divisionen aus Antwerpen am 26. wurde völlig zurückgewiesen. Bei dem Ausfall überfielen alle Einwohner der Stadt Loewen die deutschen Kolonnen. Diesen organisierten Überfall hat die Stadt mit aller Schwere gebüßt. Wer Battice und Hervé sah, fühlte die ganze Schwere und weiß, dass die Universitätsstadt Loewen kaum noch existiert.

Die ganze Front ist siegreich. Bisher besteht dabei keine einzige Verpflegungsschwierigkeit. Dazu ist Nordfrankreich noch ein reiches üppiges Land. Heute Morgen haben das Hauptquartier, der Kaiser und der Bayernkönig den ankommenden Verwundetentransport besucht. Die Herrscher begrüßten jeden einzelnen herzlich. Sie gaben den Leuten die Hände und erkundigten sich nach ihrem Ergehen. Ergreifend war es, als auf dem Bahnhof ein Zug mit Verwundeten vor dem Kaiser vorbeifuhr und die „Wacht am Rhein“ sang. Der Kaiser und der König waren später im Lazarett; sie brachten alle selbst Blumen. Die Gefangenentransporte mehren sich von Tag zu Tag.