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Franzosen bei Belfort geschlagen

Die Siegesstimmung unter den Linden

Die Nachricht vom Sieg der deutschen Armee in Belfort hat sich in Berlin wie ein Lauffeuer verbreitet. Unter den Linden feierte eine riesige Menschenmenge die Soldaten.

Um acht ein Viertel Uhr jagte gestern Abend ein Automobil durch den mittleren Fahrweg des Brandenburger Tores. Hoch aufgerichtet steht in ihm ein Generalstabsoffizier, er legt die Hände an den Mund und mit weithin hallender Stimme ruft er über den Pariser Platz: „Ein Sieg der Deutschen bei Belfort! Das 7. Armeekorps und eine Division der Franzosen geschlagen! Gebt es weiter!“ Mit der Siegesstunde fährt er die Linden entlang zum Schloss. Die Nachricht dringt in die Seitenstraßen, die von den Linden in das Innere der Stadt führen, Schutzleute sprengen sie auf, und binnen wenigen Minuten ist die vorher einsame Straße von einer schwärzlich wogenden Menge erfüllt. Unter dem Denkmal des alten Fritzen scharen sich um drei hier stehende Schutzleute dicke Menschenmassen und lauschen auf die Wortfetzen, die zu ihnen herüberdringen. Es haben sich in dieser kurzen Zeit bereits Varianten der Botschaft gebildet, man will Gewissheit haben über die kleinen Gegensätze, die sich aus Hörfehlern ergeben haben. Aber der Kern der Nachricht, dass die Deutschen am neunten Mobilmachungstag in der Nähe des fast uneinnehmbaren Belfort ein französisches Korps zu Paaren getrieben haben, hat jeder richtig erfasst, und ein tausendfaches Hurra pflanzt sich die Linden entlang bis zum Brandenburger Tore fort.

Ein Regiment, das durch die „Linden“ marschiert, stimmt „Heil dir im Siegerkranz“ und die „Wacht am Rhein“ an. In den Stahlrohren der Gewehre stecken purpurne Rosen und buntfarbige Schwertlilien, und der Säbelgurt ist ganz besteckt mit Blumen. Die Soldaten nehmen die Blumen und werfen sie in die Menge, Knaben drängen sich, ohne dass ihnen gewehrt würde, in den Zug, und Grenadiere stülpen ihnen den Helm auf den Kopf und lassen sie für eine Weile das schwere Gewehr tragen. Immer neue Menschenmassen fluten Unter die Linden. Ein Zug junger Leute bildet sich – die elfte Stunde ist inzwischen fast vollendet – und hält in seiner Mitte eine Büste des Kaisers hoch emporgehoben, die mit einem Lorbeerkranze geschmückt ist. Vor dem kronprinzischen Palais machte der Zug Halt. Die Kronprinzessin wird am Fenster sichtbar. Sie winkt dankend der Menge zu, die das Lied „Deutschland, Deutschland über alles“ singt. Nicht minder laut äußert sich die Freude über den Erfolg der deutschen Massen an den anderen Verkehrspunkten. Das Extrablatt des „Berliner Tageblatts“, das zuerst die Kunde verbreitete, sah man überall hoch angeheftet, damit auch die Weitabstehenden die Nachricht sehen konnten.