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Ruhmvolle Helden

Die siegreiche dreitägige Schlacht

Berichte von Verwundeten. Die Siegeszuversicht der deutschen Truppen.

Aus dem Osten, 29. August

Fesselnde Bilder entrollten sich gestern in der achten Abendstunde auf dem Bahnhof. Vier lange Züge gingen fast gleichzeitig ab, einer mit frischen Truppen, auch Kavallerie, zur nahen Front, ein leerer Sanitätszug zum gleichen Ziel, um neue Verwundete zu holen, ein dritter mit leichter Verwundeten nach Bromberg, ein vierter im Schmuck frischen Laubes mit Rekruten zur Ausbildung. Die angehenden Krieger jubelten den kampferprobten Verwundeten zu: „Bald sind wir an eurer Stelle!“ „Nein,“ lautete es zurück, „wir sind eher wieder da wie ihr, wir feiern Gedanksfest in Feindesland!“

Dieser Drang, rasch wieder zur Front zu gelangen, trotz der furchtbaren blutigen Eindrücke dieser Tage, ist von tiefstem Eindruck. „Ich wollte nicht zurück,“ erzählte mir ein Infanterist mit Halswunde, „aber der Stabsarzt ließ meinen Notverband abnehmen und sagte: Sie können ja nicht mehr das Gewehr halten. – Ich schieße auch mit der linken Hand, Herr Stabsarzt. Aber ich musste doch zurück, leider. Na, in zwei Wochen spätestens bin ich zurück.“ Das ist der Geist, der diese ostpreußischen und westpreußischen Helden beseelt, und sie so Großes, so Ruhmvolles vollbringen lässt. Auffallend viele Hand- und Fußwunden rühren von aufprallenden Schrapnells her. „Die Kerls treffen aber auch sonst gut,“ sagte mir ein Verwundeter und zeigte mir seine durchlöcherte Patronentasche. Die Unfertigen ertrugen die härtesten Strapazen mit bewundernswerter Zähigkeit. Einer der Verletzten berichtet: „Täglich 50 Kilometer im schlimmsten Gelände marschierend, immer Kämpfe. Vier Tage lebten wir nur von Zwieback und Wasser, vier Stunden hindurch hielten wir das Feuer von 44 Geschützen aus, dann mussten wir etwas zurückgehen; aber mit frischen Verstärkungen ging‘s alsbald von neuem voran, und die Kerls mussten die Flucht ergreifen. Eine Batterie von uns war im Sumpf stecken geblieben; wir holten sie wieder heraus, mit größter Anstrengung, unter verheerendem Feuer.“ – Ein Anderer erzählt: „Wir hatten eine fünffache Übermacht vor uns; es ging sehr scharf her; aber wir immer drauf. Dann jagten wir die ganze Bande in die Sümpfe und Seen; sie lernten noch auf ihre alten Tage das Schwimmen; aber es half ihnen nichts.“ Es handelte sich um die Kämpfe der letzten drei Tage. Viele erlitten ihre Verwundungen gestern Vormittag. Sie hatten tagelang kaum drei Stunden Schlaf gehabt; aber wie guten Mutes waren sie, frisch und zuversichtlich trotz ihrer Verletzungen. Die Schwerverwundeten, die auf Bahren in die Lazarette gebracht wurden, trugen ihre sichtlichen Schmerzen mit Heldenmut. Das Rote Kreuz ist auch hier auf das hingebendste und umsichtigste tätig. Wer all diese Szenen miterlebt, den so schlicht vorgetragenen Erzählungen der Dabeigewesenen gelauscht hat, der weiß, dass der vollste Sieg an der Ostfront trotz großer Übermacht und trotz russischer Kerntruppen unser sein wird. Der Feind ist über die Grenze zurück. Die gestern und heute angelangten frischen Truppen dürften energisch die Verfolgung aufnehmen. In siegfriedhafter Kraft steht hier die Wacht im Osten unerschüttert, trotz herber Verluste, und siegessicher.