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Berliner Trauerfeier für das Thronfolgerpaar

Die Trauerfeier in der Berliner Hedwigskirche

Kaiser und Kaiserin ließen sich vertreten, ansonsten war die feine Berliner Gesellschaft bei der Trauerfeier für Erzherzog Franz Ferdinand in der Hedwigskirche vertreten.

Das feierliche Requiem für den ermordeten Erzherzog Franz Ferdinand und dessen Gattin, die Herzogin von Hohenberg, fand heute Vormittag in der Hedwig-Kirche statt. Der Kaiser ließ sich hierbei durch den Prinzen Eitel Friedrich vertreten, der die Uniform des österreichischen 34. Infanterieregiments trug. Die Kaiserin hatte mit ihrer Vertretung die Prinzessin Leopold beauftragt. Unausgesetzt rollten kaiserliche Equipagen und Automobile vor der Kirche vor, denen Herren in goldstrotzenden Uniformen entstiegen. Man sah die Prinzen Oskar und Leopold, die Prinzen von Schaumburg-Lippe und von Thurn und Taris, den Reichskanzler v. Bethmann Hollweg, den bisherigen Oberhofmeister der Kaiserin Freiherrn v. Mirbach und seinen Nachfolger v. Faltenhahn. Ferner befanden sich in der Trauerversammlung die Minister Freiherr v. Schorlemer, v. Sydow, v. Beseker, Lenze, Kühn und v. Studt. Der Minister des Inneren ließ sich durch Ministerialdirektor Jarotzky vertreten. Daneben sah man zahlreiche Mitglieder des Bundesrats. Alle in Berlin akkreditierten Botschafter und Gesandten mit dem Personal ihrer Botschaften und Gesandtschaften, soweit sie hier anwesend sind, zahlreiche Ritter des Schwarzen Adlerordens. Reichstagspräsident Dr. Kaempf. Generalfeldmarschall von der Holtz, General v. Ressel, der Gouverneur von Berlin, der Chef des Marinekabinetts Admiral v. Müller, der Stadtkommandant v. Bonin, die Generäle v. Pfettenberg, v. Plessen, v. Bülow, v. Kluck, v. Loewenfeld und v. Heringen, der Chef des Militärkabinetts General v. Eincker, Graf Waldersee, der Hausminister Graf Eulenburg, der Oberhofmarschall Freiherr v. Reischach, der Kommandeur des Kaiser-Franz-Grenadierregiments Oberst v. Röder mit dem gesamten Offizierkorps, die Hofdamen Fräulein v. Bersdorff und Gräfin Schlieffen, sowie zahlreiche andere hohe Beamte und Militärs nahmen an der Trauerfeier teil. Die akademischen Verbindungen „Unitas“, „Askonia“, „Burgundia“, „Suevia“, „Germania“, und „Makaria“ hatten Deputationen mit Bannern entsandt. Die Honneurs machten der österreichische Botschafter Graf Szögyény-Marich mit seiner Gemahlin und den Herren der Botschaft. Auch das österreichische Generalkonsulat und die österreichische Kolonie in Berlin, mit dem Präsidenten des Vereins der Österreicher, kaiserlichem Rat Wiltschek, an der Spitze, waren sehr zahlreich vertreten. Das Innere des Gotteshauses war ganz mit Trauerflor behangen. Zu beiden Seiten des Hochaltars wehten lange schwarze Fahnen mit weißem Kreuz hernieder. Das Hochamt zelebrierte Prälat Dr. Kleineidam, der auch dem Prinzen Eitel Friedrich für sein Erscheinen dankte und ihn bat, dem Kaiser den Dank der Gemeinde auszusprechen. Auf dem Schlosse waren die Standarten halbstock gehisst, ebenso die Standarten und Fahnen auf den oberen Palais und den königlichen Gebäuden.